Rund um Schorndorf Als Jahrhundertprojekt: Mendelssohn

Hans Jorda (am Flügel) sieht „die größten musikalischen Klippen“ inzwischen als bewältigt an. „Es hat sich Freude am Musizieren eingestellt. Der Chor darf sich auf ein musikalisches Fest freuen.“ Bild: Pavlovi Quelle: Unbekannt

Plüderhausen - Die Sängervereinigung Plüderhausen widmet sich, nachdem sie zuletzt popularmusikalisch unterwegs war, am 15. Oktober anderem musikalischen Genre. Auf dem Programm stehen in der Staufenhalle geistliche Werke des Romantikers Felix Mendelssohn Bartholdy, die man mit Hilfe von Gesangssolisten und der Sinfonietta Tübingen aufführt. „Für uns ein Jahrhundertprojekt!“, betont Dirigent Hans Jorda.

Der Musiklehrer aus Schwäbisch Gmünd, der in 18 Jahren aus den Sängerinnen und Sängern einen Chorkörper geformt hat, der sich bei Gershwin und Beatles ebenso zu Hause fühlt wie bei geistlichen Werken, hatte den Vorschlag für das Mendelssohn-Projekt Anfang 2010 selbst gemacht. Klar war: Die Sängervereinigung kann es nur mit Hilfe von Sponsoren und Ersparnissen stemmen. Ein 30-köpfiges Profiorchester mit Holz- und Blechbläsern und Gesangssolisten haben ihren Preis. Doch das Projekt bewegt und fordert auch die 65 Sängerinnen und Sänger, die seit Oktober mittwochs 19.45 bis 21.30 Uhr im Theaterbrettle am Kitzbüheler Platz proben. Viele üben auch zu Hause. Sechs neue Sänger(innen) sind dabei eingestiegen. Eine Eingliederung versierter Sängerinnen und Sänger wäre noch möglich, allerdings nur nach Absprache mit Hans Jorda () 0 71 71/7 32 12). „Sie sollten die Werke kennen, wenn nicht können.“

Vorgenommen haben sich Dirigent, Chor und Verein zwei späte, reife Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy – zunächst die 1838 erstmals aufgeführte Vertonung des 42. Psalms „Wie der Hirsch schreit“. Für Sopransolo (Anna Escalia), Chor und großes Orchester. Robert Schuhmann hat es ehedem auf die höchste Stufe gestellt, die „neuere Kirchenmusik überhaupt erreicht hat“. Auch das zweite Werk „Lauda Sion“, entstanden 1846, wenige Monate vor Mendelssohns frühem Tod, parallel zu seinem berühmten Oratorium „Elias“, ist ein dickes Brett. Es atmet weniger nüchternen Protestantismus als reiche melodiöse Führung, vielleicht beeinflusst durch Mendelssohns Mentor Luigi Cherubini. Sopranistin Anna Escalla aus Stuttgart wird unterstützt von Susanne Wieker, Alt, Frank Dürr, Tenor (Musiklehrer am MPG in Schorndorf) und Steffen Balbach, Bass. Die Sängervereinigung singt und das Sinfonieorchester begleitet. Eingangs spielen die Tübinger, sozusagen zum Aufwärmen, Mozarts glanzvolle „Linzer Sinfonie“.

„Eine große Herausforderung“ – musikalisch und finanziell

„Die Entscheidung, ein ganz großes Konzert zu veranstalten, ist eine große Herausforderung für den Verein in musikalischer und auch in finanzieller Hinsicht“, sagt Ehrenvorsitzender Klaus Harald Kelemen. Am 15. Oktober möchte die Sängervereinigung aus der Staufenhalle einen Konzertsaal für 600 Zuhörer machen und das zu humanen Preisen. Möglich sei dies durch Sponsoren und Stiftungen, deren Reaktionen das zehnköpfige Organisationsteam der Sängervereinigung ermutigt haben. Sogar die Rems-Murr-Bürgerstiftung, die sich ihre Projekte ganz genau anschaut, sei dabei. „Wir wollten mal was Großes machen, aber nicht die bekannten Ohrwürmer wie das Weihnachtsoratorium, Carmina burana oder die Schöpfung“, erklärt der Dirigent. Für Hans Jorda gehören Teile von „Wie der Hirsch schreit“ zum Schönsten und Ergreifendsten, was Mendelssohn je komponiert hat. Die Musik müsse sogar den Vergleich mit „Der hat seinen Engeln ...“ aus dem „Elias“ nicht scheuen. Der Aufführungsort Staufenhalle für geistliche Musik sei angemessen. Auch Mendelssohn habe diese Werke seinerzeit in Konzertsälen aufgeführt.

  • Bewertung
    0
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!