Rund um Schorndorf Der Hühnerstall im Klassenzimmer

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Plüderhausen. Wohl nichts weckt so sehr zärtliche Anteilnahme bei Kindern wie neugeborenes Leben. Seit Junglehrerin Sarah Winter an der Hohbergschule Plüderhausen vom Geflügelzuchtverein Lindach, einem Züchter und ihrem Opa etwa 60 befruchtete Eier in einen Brutkasten getan hat und sich „Piepsi“ als Erster eines Morgens vergangene Woche lautstark bemerkbar machte – nomen est omen! –, hat sich bei den Drittklässlern manches verändert.

Wer die flauschigen Kleinen in die Hand nehmen darf, was für die eine gehörige Aufregung darstellt, das war etwa beim Besuch unseres Fotografen Gabriel Habermann eine ganz wichtige Frage. Referendarin Sarah Winter musste selbst entscheiden, wählte ein Mädchen und einen Jungen, und erhielt danach einige sanfte Vorwürfe anderer, weil eben nur zwei zum Zuge kommen konnten. Die Jobs auf dem „Dienstplan“, das Füttern, fürs Wasser sorgen, das Ausmisten, sind begehrt und keine Last.

Begeisterung und keine Probleme mit dem Lernen

Was die inzwischen neun geschlüpften Küken anbelangt, sind kaum Konzentrations- und erst recht keine Motivationsprobleme zu beobachten, wiewohl der unvermeidliche Besucherstrom bei den Neugeborenen – Geschwister und auch eine Klasse aus Urbach waren schon da – en passant auch Unruhe reinbringt. Dennoch: Wie die Lebendigkeit sich auf den Unterricht auswirkt, fasziniert auch Junglehrerin Winter. Da war’s kein Problem, abends mal Fernseher und Computer stehenzulassen und noch mal in die Schule zu gehen, um Hühner und Zwerghühner beim Schlüpfen zu beobachten. „Stevie“ haben sie eines getauft. Das Zwerghuhnküken ist inzwischen ihr Star, das sie schon mal mit Sprechchor anfeuern, wenn’s unter den flinken Flauschigen im Holzstall mal hoch hergeht.

Schon vor dem Schlüpfen, haben sie mit Hilfe von Lampen das entstehende Leben beobachtet, darauf geachtet, dass die Luftfeuchtigkeit im Brutapparat stimmt. 40 Prozent sollten es sein, damit die Eihaut weicher wird, was wiederum das Schlüpfen erleichtert. Inzwischen haben sie sich mit den Feinden der Küken auseinandergesetzt, mit deren Aussehen, Entwicklung, der Nahrung, dem Lebensraum und durch die Anwesenheit der so lebendigen Kleinen ist’s dies alles andere als eine abstrakte Geschichte geworden. Später, wenn die Küken größer geworden sind, wollen sie mit ihrer Lehrerin diese besuchen auf einem Bauernhof in Großdeinbach.Auch die Referendarin ist beeindruckt, wie viel Verantwortung die Kinder beim Ausmisten übernehmen.

Möglich gemacht hat das Hühnerstallabenteuer an der Hohbergschule auch eine Kollegin und die Mutter der Referendarin: Techniklehrerin Tanja Schwank respektive ihre Neuntklässlern haben den Hühnerstall gebaut, die Mutter eine alte Büffetschublade spendiert, weil die Küken anfangs einen schützenden Rahmen brauchen.

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