Rund um Schorndorf Doch Interesse an Bürgerenergie?

Gut besucht, gegen Ende ziemlich lebhaft: Veranstaltung über Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft im Plüderhäuser Ratssaal. Foto: Pavlovic

Plüderhausen. Wiewohl es dem Plüderhäuser Gemeinderat gerade nicht mal klar ist, ob er das Stromnetz zum 31. Dezember nächsten Jahres übernehmen wird, lud Bürgermeister Andreas Schaffer interessierte Bürger am Donnerstagabend in den Rathaussaal, um das Interesse an einer Energiegenossenschaft abzuklopfen. Es kamen neben Räten von CDU, GLU und FW-FD wohl 35 Leute – nach Einschätzung eines Rates „gestandene Bürger, politisch gut gemischt“.

Auch Rathauschef Andreas Schaffer war erstaunt ob der großen Resonanz auch auf den Zuhörerrängen. „Zwei Jahre hat die Bevölkerung wenig Notiz genommen vom Thema, das die Gemeinderäte stark beschäftigte“, jetzt freue er sich über die große Resonanz, sagte der Bürgermeister. Dann informierte er, dass es derzeit im Lande 30 Bürgerenergiegenossenschaften gibt. Er könne es sich „vorstellen“, dass eine solche in Plüderhausen die Energiepolitik „mitgestalten“ kann, wird doch in Schaffers Augen mit Energie „auch künftig Geld verdient“, auch wenn sie dezentraler als bisher erzeugt und vermarktet wird. Die Gemeinde möchte er trotz schwacher Finanzlage „an der Wertschöpfung teilhaben lassen“. Der Zeitpunkt sei trotz vieler offener Fragen jetzt, denn jetzt müsse man angesichts auslaufender Konzessionsverträge „den Fuß in die Tür bekommen“.

Dann verdeutlichte Schaffer, in welcher Rolle er eine solche Genossenschaft in Plüderhausen sieht, das aufgrund seiner Finanzlage „am härtesten rechnen muss“. Favorisiert werde vom Gemeinderat ein Pachtmodell mit Gründung einer „Netzgesellschaft Plüderhausen mbH“. An der sich die Gemeinde zu 51 Prozent, ein strategischer Partner zu 49 Prozent und eine Genossenschaft mit „x Prozent“ beteiligen könne. Die Genossenschaft soll „Plattform, Kompetenzzentrum“ werden, weitere Geschäftsfelder wie die Windkraft erschließen. „Wir haben relativ interessante Standorte.“ Die Genossenschaft sei dafür eine „demokratische Rechtsform“, bei der entweder jede(r) eine Stimme hat oder Stimmrechte nach Anteilshöhen verteilt werden.

Sinnvoll sei es, neben dem Stromnetz auch das Gasnetz zu übernehmen. Hinzu kommt pflichtgemäß die Straßenbeleuchtung. Die Genossenschaft könne sich auch in der Stromerzeugung engagieren, etwa über Fotovoltaik oder Windkraft auf den Standorten Hoh- und Heuberg. Ziel der Gemeinde sei es, ihre Investition „zu 100 Prozent mit Fremdkapital zu stemmen. Wir müssen Zins und Tilgung erwirtschaften“, was steuerliche Vorteile bei der Einschaltung der Eigenbetriebe erleichterten. Der 49-Prozent-Anteil des Partners sei „verhandelbar“. Für Bürger könne ein Genossenschaftsanteil zu einer guten Geldanlage werden, freilich aber auch einer mit unternehmerischem Risiko. Von den Interessenten, die Partner der Gemeinde werden wollen, sei nur einer ausgestiegen, als Plüderhausen sich kürzlich aus der Strom-AG Remstal verabschiedete.

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