Rund um Schorndorf Ein Glücksfall für Plüderhausen

Plüderhausen. Ob das Foyer der Staufenhalle schon solch eine Schar von Abgeordneten, Bänkern, Kreis- und Gemeinderäten, Rotariern und Unternehmern gesehen hat? Sie kamen, um Manfred Schindler (75) die Ehre zu erweisen. Landrat Johannes Fuchs verlieh dem auch sozial stark Engagierten gestern das Bundesverdienstkreuz am Bande für eine beeindruckende Lebensleistung.

Umrahmt mit Werken von Mozart und Borodin, dargeboten von einem Streichquartett junger, aus Plüderhausen stammender Musikstudenten, war’s eine Ehrung, die auch wegen der speziell deutsch-deutschen Vita des aus Thüringen stammenden Geehrten berührte. Manfred Schindler, der angenehm bescheiden und umgänglich geblieben ist und die Ehrung auch seiner Familie und seinen „loyalen, verlässlichen und einsatzbereiten“ Mitarbeitern widmete, war einst ein, wie Landrat Fuchs sagte, „urtypisches Ostprodukt“. Als Maschinenbaustudent und heller Kopf sah er aber im Arbeiter- und Bauernstaat keine Zukunft. Vier Tage vor dem Mauerbau, in der Nacht auf 9. August 1961, ging er mit Frau Renate (heute „Finanzministerin“ der Firma), neugeborenem Sohn, Eltern, bepackt mit Koffern, in den Westen, wo die Wirtschaft brummte. „Neubeginn bei Null.“ Er fand nach acht Tagen Arbeit in seinem Wunschbetrieb in Cannstatt, und bald, nach fünf Jahren, machte er sich selbstständig in Haubersbronn. Er entwickelte damals die erste elektronische Waage für industrielle Anwendung und Steigerung der Lebensmittelproduktion in Europa. „Mit Gespür, Einsatzwillen und technischem Sachverstand haben Sie aus kleinen Anfängen Ihren Betrieb steil aufwärts geführt und zu einem Global Player gemacht“, sagte der Landrat, der Schindler „trotz seiner Ost-Vergangenheit“ als einen Mittelständler kennenlernte, der von urschwäbischen Tugenden geprägt sei: „ebbas Düftele, ebbas Cleverle, ebbas Brettlesbohrer“. Heute beschäftigt SchiWa gut 100 Mitarbeiter selbst und weitere 120 im näheren Umkreis in mechanischer Fremdfertigung. Fuchs würdigte an dieser Stelle auch Renate Schindler, die von der ersten Stunde an ihrem Mann zur Seite stand und auf die Finanzen achtete.

Rotarypräsient Bund: Du hast Dir die Auszeichnung verdient

Auch Bürgermeister Andreas Schaffer und Rotary-Präsident Rudolf Bund würdigten den Geehrten. Für Schaffer ist Schindler der „Prototyp eines schwäbischen Unternehmers“, der in Keller und Garage klein anfängt, mit Erfindergeist, Fleiß und hohem Qualitätsanspruch Fuß fasst am Markt und sich durch nachhaltige Innovationen und umsichtiges Wirtschaften zu einem mittelständischen Hightech-Betrieb entwickelt. Schindler lasse andere „teilhaben“ – Sprachhilfe, Schule, Kindergarten, Heuseekreisel, Feuerwehr und Bürgerstiftung. Er sei ein „Glücksfall für Plüderhausen“. Rudolf Bund: „Du hast Dir die Auszeichnung verdient! Du kannst sie mit Stolz tragen!“
 

Info


Beherzigung

Manfred Schindlers „Leitspruch für das Leben“ stammt aus der Feder Goethes und ist mit „Beherzigung“ überschrieben:

„Feiger Gedanken bängliches Schwanken, weibisches Zagen, ängstliches Klagen wendet kein Elend, macht dich nicht frei. Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten, nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen rufet die Arme der Götter herbei.“

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