Rund um Schorndorf Froh, dass es den Lernort Förderschule gibt

Matthias Weiblen, der neue Chef der Förderschule im Plüderhäuser Hohbergschulzentrum. Foto: ZVW

Plüderhausen. In Plüderhausen könne er sich als Vater zweier junger Mädchen, verheiratet mit Marion Fugmann, Leiterin der Frühberatungsstelle der Klosterbergschule in Schwäbisch Gmünd, eher auch abends einbringen. So war es für ihn als Pendler schwierig bis unmöglich, bei Abendterminen in Stuttgart-Freiberg oder auch im dortigen Sportverein präsent zu sein.

Fest steht, dass der neue Frontman der Plüderhäuser Förderschule, der von Ingeborg Weber nach eigenem Bekunden „ein wohlbestelltes Haus“ übernommen hat, schon weiß, in welches Spannungsfeld das neue Zauberwort der Schulpolitik – Inklusion – Kinder, Eltern und Schulen stellen wird. Inklusion mag an dieser Stelle mit Einbeziehung und Dazugehörigkeit übersetzt werden, und schon sinnieren Leute drüber, ob Förderschulen wegen der Inklusion zu Auslaufmodellen werden könnten. Stuttgart, Weiblens seitheriger Arbeitsort, ist Modellregion für Inklusion.

Man müsse Inklusion „sehr differenziert betrachten“, sagt der neue Rektor zurückhaltend. Denn Inklusion sei „ein gesamtgesellschaftlicher Prozess“ und Schule sei nur ein Teil davon. Für zentral hält er, dass die sonderpädagogische Unterstützung weiter bei den Kindern ankommt, die sie brauchen, und dass genau geprüft wird, was ein Kind braucht. Er persönlich ist „froh, dass es den Lernort Förderschule gibt“, und gerade ehrgeizige Eltern, die „auf Abschlüsse schielen“, hätten zum Teil nicht realisiert, dass dieser Schultyp „keine Einbahnstraße ist“, vielmehr „passgenaue Anschlussmöglichkeiten“ bietet. Diese seien übers Rehagesetz auch gesetzlich verankert. So gibt es die Berufsvorbereitung und Möglichkeiten für Förderschulabgänger, eine anerkannte Ausbildung zu machen. Und wenn einer die Gesellenprüfung schafft, hat er damit auch den Hauptschulabschluss und weitere Perspektiven. Weiblen: „Unsere Kinder werden noch lange über die Schulzeit hinaus unterstützt und begleitet.“

Künftig ist er, der aus Tuttlingen stammt und in einem Kinderdorf (die Eltern waren beide Lehrer) in Oberndorf aufwuchs, am Hohbergschulzentrum verantwortlich für 30 Kinder, das Lehrerteam, die Sekretärin und die Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern (Bernd Fetzer und dessen neue Kollegin Reyesthomsen). Wie war der Geist in seinem Elternhaus? „Tolerant, offen vertrauensvoll, es war eine Kindheit, wie sie sein sollte“, sagt er, der von klein auf mit schulischen Themen vertraut und früh sportinteressiert war, „ein guter Allrounder“. Nach dem Abitur hat er folgerichtig an der Hochschule in Köln erst mal Sport studiert, um dort zu realisieren, „dass ich etwas mit Perspektive brauche“. So sattelte er um auf Lernbehindertenpädagogik, studierte in Freiburg, Reutlingen und Tübingen. Er interessiert sich für historische Zusammenhänge, in der Literatur wie auch in der Pädagogik, die sich im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte und Kinder „nicht mehr wie kleine Erwachsene“ sah. Weiblen ist fasziniert, welche Ansätze die Reformpädagogik bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte, die allerdings „zurückgeworfen“ wurde durch die politischen Ereignisse in Deutschland. „Ich halte es für unglaublich reizvoll, Kinder, die nicht auf die Sonnenseite gestellt sind, in die größtmögliche Selbstständigkeit zu begleiten“, sagt er heute.

Der neue Schulleiter hatte selbst nach dem Referendariat im sonnigen Freiburg einen Hardcorestart. Für die Oberbergschule in Deggingen baute er in Salach eine kleine Zweigstelle mit „extremen Schulverweigerern“ auf, war verantwortlich für ein kleines Team und 10 bis 15 Schüler. „Ich hätte keinen besseren Einstieg haben können“, sagt er rückblickend. Ihm war klar, dass er alleine, ohne Team, an seine Grenzen gestoßen wäre. Sieben Jahre war er in Salach, dann folgte ein Jahr Elternzeit für die zweite Tochter und 2005 der Wiedereinstieg als Lehrer in die Pestalozzischule Gmünd. Warum hat er das Heimspiel beendet? „Ich hatte Lust und das Gefühl, auch eine Funktionsstelle übernehmen zu können.“ Außerdem hatte ein Schulrat aus Stuttgart angefragt. „Wir haben zusammen was hingekriegt“, sagt Weiblen, der das Klima im Team und mit den Eltern in Freiberg „hervorragend“ fand. Vom Plüderhäuser Schulzentraum hatte er rasch den Eindruck, dass „es dem Schulträger was wert ist. Schön, dass die dahinter stehen.“

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