Rund um Schorndorf Gesucht: Eine Wohnung für Familie Hoier

Plüderhausen. Eine fünfköpfige Familie ist seit vier Jahren vergeblich auf der Suche nach einer größere Wohnung – bisher lebt sie eingeengt auf 70 Quadratmetern.

In der knapp zwölf Quadratmeter großen Küche kocht Vera Hoier mit ihrem Sohn Marvin das Mittagessen für die Familie. „Ich bin ein richtiger Kochprofi“, sagt der aufgeweckte Junge und seine Mutter nickt lächelnd. Die Unterhaltung zwischen ihr und ihrem Ältesten läuft still ab – völlig still, denn Vera Hoier ist gehörlos, genau wie ihr Mann René. Der zehnjährige Sohn Sedrik spielt währenddessen im Wohnzimmer mit seiner kleinen Schwester Jamy. Ihm würde es auch Spaß machen, beim Kochen zu helfen, aber in der Küche ist einfach zu wenig Platz, das kleine Tischlein mit drei Stühlen passt gerade so hinein. Weil Sedrik jedoch ohnehin sehr gern mit der quirligen Dreijährigen spielt, ist das für ihn schon okay – er hilft einfach beim nächsten Mal oder beim Einkaufen oder beim Putzen, das macht er sogar noch lieber. Die Familie arrangiert sich.

Doch die Enge dieser Dreizimmerwohnung in Plüderhausen ist kaum noch zu ertragen, erzählt Vera Hoier. Um das auszudrücken, greift sie sich mit beiden Händen an den Hals – sie habe das Gefühl, hier kaum Luft zu bekommen, sie könnten sich hier nicht frei fühlen. Durch die Schränke und Regale, die sie auf den 70 Quadratmetern unterbringen müssen, sei die Wohnung obendrein zu dunkel. Sie haben sich schon vor vier Jahren auf die Suche nach einer größeren Wohnung gemacht, als die heute 34-Jährige mit der kleinen Jamy schwanger war, aber in ganz Schorndorf und Umgebung hat es nicht geklappt. „Ich glaube, die Leute haben Angst, wie sie mit mir und meinem Mann kommunizieren sollen.“ So erklärt sich Vera Hoier, dass die Vermieter zwar Verständnis zeigen, aber abblocken, wenn es um die Entscheidung geht, ihnen die Wohnung zuzuteilen. Aber Kommunikation sei bisher nie ein Problem gewesen, betont René Hoier: „Ich kann Lippen lesen, verstehe alles und spreche auch deutlich.“

Gute Mieter und Nachbarn – egal ob gehörlos oder nicht

Das hat ihre derzeitige Vermieterin auch schon schriftlich bestätigt – die Hoiers seien gute, freundliche Mieter, die Miete komme immer pünktlich und es gebe keinerlei Probleme. Und warum denn auch nicht, fragt sich Vera Hoier resigniert: „Wir sind doch dieselben Menschen wie andere auch, wir sind gute Nachbarn wie andere Leute – das ist doch nicht anders, nur weil wir gehörlos sind.“ Sie leben vollkommen selbstständig, nur bei Telefonaten unterstützen sie Bernd und Heinke Hoier, die Eltern von René. Und die beiden großen Jungs helfen natürlich auch, wenn es im Alltag darum geht, etwas zu übersetzen. Die Brüder teilen sich das eigentliche Schlafzimmer der Eltern; die wiederum haben das Wohnzimmer mit Regalen zweigeteilt und sich so eine Schlafzimmerecke eingerichtet. Dort schläft zurzeit auch Jamy, denn Marvin hat gerade einen Durchgang Chemotherapie hinter sich, braucht dringend Ruhe und übernachtet deshalb in Jamys neun Quadratmeter großem Zimmer, in dem allerdings auch ein großer Schrank, ein Regal und eine breite Kommode untergebracht sind.

Ein eigenes Zimmer – das empfiehlt nicht nur der Arzt für Marvin, das wünscht er sich auch unabhängig von der Erschöpfung durch die Krebstherapie: „Dann hätte ich mehr Ruhe mit meinem Bruder.“ Sedrik nickt, er ist ruhiger als Marvin, hält die kleine Jamy kuschelnd auf dem Schoß und wird ein wenig verlegen, wenn er erzählt: „Wenn wir immer so eng zusammen sind, streiten wir oft, und ich will auch manchmal einfach für mich allein spielen.“

René Hoier ist Landschaftsgärtner und arbeitet seit 15 Jahren für die Gemeinde Winterbach im Bauhof. Er hat sich schon mehrfach um eine Winterbacher Gemeindewohnung beworben – bisher vergeblich. Die Familie hofft, dass das Gremium, das die Vergabe der Gemeindewohnungen festlegt, sich dieses Mal für sie entscheidet oder dass sie auf anderem Weg möglichst bald eine größere Wohnung finden. Nötig ist es.

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