Rundschlag Der Pressespiegel

Symbolbild. Foto: Pixabay/CC0 Pubilc Domain

Mit höchstem Interesse verfolgt der Rundschlag die Dieselaffäre. Wenngleich „Affäre“ nicht im Sinne eines etwas anrüchigen Liebesverhältnisses verstanden werden sollte, sondern als echter Skandal und üble Machenschaft. Der Skandal läuft seit fast zwei Jahren nach Drehbuch ab: verleugnen und verniedlichen, vertuschen und ablenken, ein klein wenig Reue zeigen und einräumen, was nicht mehr zu leugnen ist. Erst VW, dann Fiat, Opel, Audi, Porsche. Mercedes ... Alle Autohersteller haben Dreck am Stecken. Der sauberste Diesel ist nicht sauber. Zumindest nicht auf der Straße.

Die schönste Volte hat nun die grün-schwarze Landesregierung in Sachen Fahrverbote hingelegt. Weil sie die pure Panik schiebt, ihrer automobilen Wählerschaft Fahrverbote aufs Auge zu drücken, geht sie lieber den rußigen Versprechungen der Automobilindustrie auf den Leim, Dieselfahrzeuge nachrüsten zu wollen. Allen voran Dieselfreund Winfried Kretschmann, der mit landesväterlicher Attitüde erklärt: „Nach den Verhandlungen mit der Automobilindustrie - und das waren sehr, sehr intensive und lange Gespräche - können wir davon ausgehen, dass es zu Nachrüstungen kommt.“

Wenn’s gar so einfach wäre, lieber Hobbybastler Kretschmann, dann hätte es einer betrügerischen Software gar nicht bedurft. Die Karren werden vielleicht „nachgerüstet“, aber viel sauberer werden sie nicht. Es geht darum, Zeit zu schinden. Beim Fußball steht darauf eine Gelbe Karte.

Ober-Autolobbyist und Ex-Wirtschaftsminister Wissmann hat schon Gelb. Er packt deshalb den Knüppel namens Arbeitsplätze aus und schlägt mit einem vom Verband der Automobilindustrie bestellten Ifo-Gutachten zu: Etwa 620 000 Industrie-Arbeitsplätze in Deutschland hängen direkt oder indirekt an der Herstellung von Benzin- und Dieselfahrzeugen. Kapiert? Soll heißen: Lasst die Finger weg. Der Verbrennungsmotor ist uns nicht nur lieb und teuer, sondern heilig bis in alle Ewigkeit – und solange wir mit ihm gutes Geld verdienen!

Eine Rote Karte verdient der Schorndorfer FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann. Er empfiehlt sich als Nachfolger von Wissmann und macht als verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion kostenlos Werbung für die schmutzige Dieseltechnik. Fahrverbote sind für ihn erstens des Teufels, hat er als freier Demokrat die Parole „Freie Fahrt für freie Bürger“ quasi mit der Muttermilch eingesaugt beziehungsweise mit der Remstäler Dieselluft eingeatmet. Zweitens sind sie immer ein guter Anlass, auf seinen Lieblingsfeind, den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann, einzudreschen. Und drittens gehört Haußmann wohl zu der Sorte Mensch, für die nicht sein kann, was nicht sein darf. Er nennt die Debatte um Fahrverbote allen Ernstes einen „Vertrauensschaden für den Diesel“. Abgesehen davon, dass ihn die Gesundheitsschäden durch Autoabgase offenbar nicht zu kümmern scheinen, stellt er die Logik einfach auf den Kopf. Fahrverbote sind die Folge vom Dieseldreck. Nicht umgekehrt.

Den Rundschlag würde überhaupt nicht wundern, wenn sich Haußmann und Hermann, Wissmann und Kretschmann mannhaft mit einem brummenden Diesel in eine Garage einsperren ließen. Bloß um zu beweisen, dass Dieselluft nicht nur sauber, sondern rein ist, Mercedes den Diesel weißer als weiß waschen kann und eben nur Bauknecht nicht weiß, was Männer wünschen. Motto: Es gibt viel zu tun, lassen wir’s bleiben!

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