Rundschlag Dr. Mablues und der 30-jährige Krieg

Dr. Mablues & the Detail Horns Foto: privat

Dieser Tage ist der aktuelle Newsletter der Remstäler Gruppe Dr. Mablues And The Detail Horns in unserer Redaktion gelandet. Wir zitieren:

Hallo Ihr Lieben, ein alter Freund hat mich auf eine sprachliche Unsauberkeit in einem der letzten Newsletter hingewiesen. Das Jubiläum, das wir im November zu feiern gedenken, ist nämlich mitnichten ein dreißigjähriges Jubiläum. Der Dreißigjährige Krieg, der im Jahre 1618 mit dem Prager Fenstersturz seinen unrühmlichen Anfang nahm, bezieht seinen Namen daher, dass er 30 Jahre lang dauerte. Dementgegen wird unser Jubiläum, wenn alles gutgeht, noch am selben Abend des 28.11.2015 zu Ende gehen, also alles in allem nicht einmal als „30-stündiges Jubiläum“ in die Geschichte eingehen. Wir werden in Zukunft also brav vom „dreißigsten Jubiläum“ sprechen.

Zu loben ist das für Musikerkreise äußerst untypische historische Bewusstsein dieser Band – gemeinhin denken Rock’n’Roller ja, dass die Weltgeschichte mit der Schöpfungsurszene begann, als Chuck Berry den Riff für Johnny B. Goode erfand; alles, was vorher stattfand, wird in der Regel nicht zur Kenntnis genommen. Die meisten Rock ‘n’ Roller glauben deshalb, wenn vom Dreißigjährigen Krieg die Rede ist, es handle sich um das seit langem angespannte Verhältnis zwischen Mick Jagger und Keith Richards – im Laufe dieser Kontroverse warf der eine dem anderen übertriebenen Heroin-Genuss vor, während der andere höhnte, der eine habe einen sehr kurzen Schniedel.

Vor allem aber haben sich die Mablueser den Werner-Müller-Gedächtnispreis für sprachpflegerisches Verantwortungsgefühl verdient: Der mittlerweile in Ruhestand gegangene Journalistenkollege Müller nämlich wurde nie müde, drei Kardinalsünden des Tageszeitungs-Journalismus anzuprangern.

Erstens – wenn jemand schrieb, beim Mablues-Konzert sei der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen, knurrte Müller: „Alle Plätze belegt bis auf einen? Für wen haben sie denn diesen obskuren letzten reserviert, der offenbar immer frei bleibt? Für Elvis Presley?“

Zweitens – finsteren Humor erntete, wer schrieb: Der Landrat ließ es sich nicht nehmen, bei der Jahreshauptversammlung der Kleintierzüchter persönlich ein Grußwort zu sprechen. „Phrasen!“, grollte Müller – „wer hätte es ihm denn nehmen sollen? Der Bundespräsident, der per Notstandsgesetz das Halten langatmiger Grußworte bei Prügelstrafe verbietet? Ein preisgekröntes Karnickel, das die Bühne für sich allein haben wollte?“

Drittens – schrieb jemand von einem 25-jährigen Jubiläum, konterte Müller vernichtend: „Kein Jubiläumsprogramm kann 25 Jahre dauern, nicht mal, wenn der Landrat es sich nicht nehmen lässt, mal wieder ein überlanges Grußwort zu halten.“

Aber ach: Leider ist auch die von den Mabluesern favorisierte Formulierung „dreißigstes Jubiläum“ nicht ganz (Achtung, Kleintierzüchterwortspiel:) hasenrein. Das dreißigste Jubiläum kann man nämlich erst begehen, wenn man davor schon 29 Jubiläen hinter sich gebracht hat, was bei einer 30 Jahre währenden Bandgeschichte allenfalls dann möglich ist, wenn man jeden einzelnen Jahrestag als Jubiläum interpretiert.

Aber Schluss mit der Erbsenzählerei! Was wirklich zählt, ist dies: Dr. Mablues And The Detail Horns feiern am 28. November um 20 Uhr in der Winterbacher Salierhalle mit den Special Guests Albie Donnelly (von Supercharge) und Grachmusikoff ihr – Tusch und Täterä: – dreißigjähriges Bestehen.

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