Rundschlag Klare Durchsage an die Bahn

Symbolbild. Foto: Habermann / ZVW

Der Ton wird schärfer. Neulich war’s, in der S-Bahn nach Schorndorf, da blieb der Zug am Bahnhof Stetten fünf Sekunden länger stehen. Prompt aber kam die Durchsage des Zugführers. Und was für eine! „Wir bedanken uns bei dem Fahrgast, der die Störung verursacht hat.“ Schneidend scharf fuhr die Erklärung samt Schuldzuschreibung durch die Lautsprecheranlage.

Geht ja auch nicht, im Eingangsbereich rumtrödeln. Womöglich zu versuchen, doch noch reinzuwitschen, obwohl der Zug schon abgefahren ist. So wie halt häufig der Zug bei der Bahn schon abgefahren ist. Na ja: Erst gleich gar nicht fährt.

Liebe Bahnverantwortliche: Durchsagen sind durchaus das, was wir Fahrgäste uns wünschen. Sie dürfen ruhig schonungslos sein. Dann freilich auch in eigener Sache. Und gerade in eigener Sache.

Unlängst gab’s wieder so einen Tag, bei dem alle auf den Bahnsteigen lange Ohren bekommen haben. Wann kommt sie denn, die Durchsage? Warum läuft mal wieder nichts?

Es hat fast eine Stunde gedauert, bis die Leute auf ihren Smartphones die Nachricht sehen durften, dass mal wieder nichts geht auf der Remsstrecke. Stellwerk-Störung – die wie vielte eigentlich? – in Waiblingen. 14 Züge sind ganz ausgefallen, zehn teilweise, bei 20 Verbindungen kam es zur Verspätung.

Also sagen wir: Wir bedanken uns bei der Bahn. In aller Schärfe. Und fordern einen TÜV – fürs Eisenbahnwesen. Als Autobesitzer muss ich jedes zweite Jahr zur Hauptuntersuchung. Die Karre gefährlich verlottern lassen geht da nicht. Derweil verlottern die Sitten am Gleis.

Die Politik kümmert sich – manchmal. Der rührige SPD-Landtagsmann Gernot Gruber hat jetzt für diesen Freitag angekündigt, Formulare auf dem Schorndorfer Bahnhof zu verteilen. Der stehen gelassene Fahrgast kann da eintragen, wann mal wieder nichts ging und wie sich überhaupt der Nahverkehr vor Ort verbessern lässt. Ein Pannen-Protokoll, das sich auch im Internet runterladen lässt (www.gernotgruber.de).

Auf seinem Beschwerdeblatt fehlt freilich eine Rubrik: der Grund der Störung. Und wenn der Fahrgast den Grund nicht weiß, weil er nicht mitgeteilt wird, dann soll die Bahn diese Rubrik ausfüllen müssen.

Es muss sich doch was bewegen lassen auf diesem Gleis des Stillstandes, des allzu oft protokollierten.

  • Bewertung
    5
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.