Rundschlag* Luther und Helmut Palmer

Pommologe Helmut Palmer (1930-2004). Foto: Gabriel Habermann

Wir wissen noch nicht, was von all den Feierlichkeiten zum Reformationsjahr und dem Kult um Martin Luther übrig bleibt - am Ende des Jahres und des Tages, des Tages des Jüngsten Gerichts.

Eines aber sollten wir trotz alledem bedenken: Luther ist zumindest für eine Sache gut. Nehmen wir einfach diesen einen Satz von ihm: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Man kann da nur einen Chor bilden und alle rufen: Lasst uns zwei, drei, viele Apfelbäume pflanzen. Jetzt sind heuer hier im Apfelbaumstammland Remstal 95 Prozent der Ernte ausgefallen. Da ist einfach nichts. Trauerweide! Es hat spät Frost gegeben, sagen die einen, die Abwiegler. Das war wieder so ein Starkwetterereignis, mit dem wir künftig öfter rechnen müssen, sagen die Apokalyptiker.

Andere zählen mit Recht die Bienen, die immer weniger werden. Und so wollen wir es mit Martin Luther halten. Pflanzen wir ein Apfelbäumlein, damit ein paar der Harten wenigstens durchkommen. Luther soll uns zum Pomologen machen, zum Apfelbaumkundler. Der Aufrührer hätte eine Freude an uns.

Helmut Palmer auch. Der Remstal-Luther hat es in keiner Partei lang ausgehalten. Aber so, wie der Ur-Rebell gegen falsche Autoritäten (Papst) und unsere Selbstbelügung (Ablasshandel) wetterte, so hat sein Sohn Helmut – ja, ja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – wenigstens zur Säge gegriffen. Und dem Baum einen Schnitt verpasst, auf dass ihm etwas blüht.

 

* Der Rundschlag ist Glosse und/oder Meinungsartikel.

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