Rundschlag Tomaten aufs Grab

Symbolbild. Foto: pixabay.com (CC0 Public Domain)

Zu den wunderlichsten Menschen in diesem Deutschland gehört Udo Ulfkotte. Gehörte, muss es korrekt heißen, denn dieser Mann ist Anfang des Jahres im Alter von nur 56 Jahren gestorben.

Viel zu früh, gemessen an dem, was er uns allen angedeihen lassen wollte, damit wir sicher in Deutschland und in Ewigkeit leben. Nämlich ganz unter uns. Ohne die Fremden und die anderen, die immer mehr an unseren Zaun heranrücken und an ihm rütteln – so seine gespenstig übersteigerte Vorstellung.

Sicher heißt bei ihm, dem früheren FAZ-Journalisten: zurückgezogen auf dem Land. Dabei die Scholle wieder beackernd, wie es sein „Handbuch für die traditionelle Krisenvorsorge“ empfiehlt. „Mein Feld, mein Wald, mein Teich“, darauf kommt es an. Denn die Möglichkeit, sich und seine Familie selbst versorgen zu können, spiele eine immer größere Rolle.

Ulfkotte war davon überzeugt, dass die Politik heimlich darauf hinarbeitet, die Eigenversorgung der Bundesrepublik mit Lebensmitteln zu untergraben. Im Krisenfall würden die Nahrungsmittelreserven nur für wenige Tage reichen. Das konnte ihn nicht ruhen lassen. Indes, Ulfkotte, der fleißigste Verschwörer unter allen Verschwörungstheoretikern, ist an einem schwachen Herz gestorben. Alle Selbst-Ratgeberei nutzte nichts.

Dabei hätte ihn eine Nachricht dieser Tage getröstet, womöglich versöhnt mit Merkel-Deutschland. Sicherlich wäre er in den Freistaat umgezogen, nach Bayern, und hätte dort nochmals einen Zaun gezogen. In der oberbayrischen Stadt Neuburg an der Donau darf jetzt eine Frau das Grab ihrer Großeltern mit Tomaten bepflanzen. Womöglich noch mit anderem Gemüse. Ist endlich genehmigt nach langem Hin und Her in Amtsstuben.

Da bleibt nur noch eins: uns allen zu gönnen, irgendwann Radieschen von unten angucken zu können. Von Stiefmütterchen kann keiner leben. Nicht falsch verstehen: Das ist nicht pietätlos gemeint. Radieschen über sich zu wissen kann Labsal für jedwede Seele sein. Das Wissen um ewige Nährung. Komme was da wolle.

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