Runter vom Sofa Die 10 häufigsten Fragen nach dem Tough Mudder

Impressionen vom Tough Mudder. Foto: Tough Mudder; Privat

Am Samstag (15.09.) bin ich den Tough Mudder Süddeutschland in Wassertrüdingen gelaufen. Wie es war? Hier kommen meine Antworten auf die zehn häufigsten Fragen.

Disclaimer: Auch wenn ich nun in guter "Howard-Wolowitz-kommt-von-seiner-NASA-Expedition-zurück"-Manier jedem, der es nicht hören will, zu jeder erdenktlichen Gelegenheit meine Tough-Mudder-Erfahrungen aufzwängen werde: Ich bin kein Experte und kann nur meine eigenen Eindrücke schildern und meine persönliche Einschätzung mitteilen. Die Antworten spiegeln also nicht zwangsläufig die Meinung aller Mudder wieder.

1. Wie war's?

Die Kurzfassung: Anstrengend!

Die ausführliche Version: Es war anstrengend für Kopf und Körper. Es war matschig, nass und kalt. Es war rutschig, hügelig und wacklig. Und trotzdem hat es irgendwie auch Spaß gemacht.


2. Hattest du Spaß?

Die Kurzfassung: Ja.

Die ausführliche Version: Je mehr Abstand ich zum Event habe, desto besser kann mir meine selektive Wahrnehmung vorgaukeln, das Ganze sei ein riesengroßer Spaß gewesen. Realistischerweise muss ich aber leider sagen: Über manche Streckenabschnitte war der Lauf eine abartige Quälerei. Ich bin unfassbar beeindruckt davon, wie mein bloßer Ehrgeiz sich immer wieder gegen meinen Verstand ("Du musst das nicht tun. Niemand zwingt dich.") durchsetzen konnte.


3. Bereust du es, dich zum Lauf angemeldet zu haben?

Die Kurzfassung: Nein!

Die ausführliche Version: Als ich auf dem Hinweg im Auto saß, habe ich es bitterböse bereut. Ich hatte vor einem Jahr zugesagt, ohne eine Nacht darüber zu schlafen oder mir wenigstens Gedanken darüber zu machen, auf was ich mich da einlasse. Im Nachhinein bereue ich es kein bisschen. Das überwältigende Gefühl, über diese Ziellinie gelaufen zu sein, kann mir keiner mehr nehmen!


4. Hast du alle Hindernisse geschafft?

Die Kurzfassung: Jein.

Die ausführliche Version: Das kommt darauf an, wie man "schaffen" definiert. Bei "Funky Monkey" (einem Hangelhindernis mit Wassergraben) habe ich zum Beispiel bereits beim Griff zur zweiten Sprosse den Halt verloren. Mein unfreiwillig früher Abgang ist dabei keinesfalls meinen matschigen Händen, sondern meiner fehlenden Kraft geschuldet. Ich bin sogar so früh ins Wasser geplumpst, dass ich bei meinem Sturz mit dem Steißbein noch an der Plattform vor dem Hindernis entlang geschrammt bin. Und dennoch würde ich sagen: Ja, ich habe alle Hindernisse geschafft. Denn obwohl ich wusste, dass ich chancenlos bin, habe ich es zumindest versucht.


5. Hättest du es auch ohne dein Team geschafft?

Die Kurzfassung: Nein!

Die ausführliche Version: Es ist zwar theoretisch möglich, alleine einen Tough Mudder zu schaffen, weil jeder jedem hilft; ich persönlich habe aber mein Team gebraucht. Beim Versuch, irgendwie mit ihnen mitzuhalten - oder ihnen zumindest hinterher zu laufen - bin ich über mich hinaus gewachsen. Weil sie sich immer sofort über, unter und auf die Hindernisse gestürzt haben, hatte ich dort meist überhaupt keine Zeit zum Nachdenken. Hätte ich Zeit gehabt, hätte ich an manchen Stationen vielleicht doch noch einen Rückzieher gemacht. Mich persönlich hätten fremde Menschen (sowohl aktiv als auch passiv) nicht so antreiben können wie mein Team. Vor dem letzten Hindernis "Everest 2.0", einer vier Meter hohen Quarterpipe, hatte ich zum Beispiel noch laut verkündet "Das schaffe ich nicht, da renne ich nicht hoch". Als dann die Hälfte meines Teams bereits oben war, hat mich dann doch noch einmal der Ehrgeiz gepackt. 

Geholfen hat hier übrigens auch die lautstarke Unterstützung unserer Schwaikheimer Zuschauer und der bereits im Ziel angekommenen Half-Finisher aus unserem Team. Die haben mich den Berg quasi hochgebrüllt. Danke dafür!


6. Dachtest du währenddessen, dass du es nicht schaffen würdest?

Die Kurzfassung: Ja!

Die ausführliche Version: Nachdem die Anfangseuphorie verschwunden war, habe ich echt an mir gezweifelt. Ehrlich gesagt war mir nach den ersten anderthalb Kilometern nur noch zum Heulen zu Mute. Ich war mir sicher, meine Kraft und meine Kondition würden nicht ausreichen. Erst nach etwa sieben Kilometern habe ich langsam realisiert, dass ich es tatsächlich ins Ziel schaffen könnte.


7. Wie schlimm war der Muskelkater?

Die Kurfassung: Aua!

Die ausführlich Version: Ich hatte natürlich mit Muskelkater gerechnet. Was ich nicht bedacht hatte war, dass ich im letzten Jahr immer nur an einer oder zwei Stellen Muskelkater hatte. Am Sonntag hingegen hatte ich an ein oder zwei Stellen keinen Muskelkater. Ich bin gegangen wie ein angeschossenes Wildschwein, konnte meine Arme nur bedingt anheben und bei jedem Lacher tat mir der Bauch weh.


8. Bist du verletzungsfrei durchgekommen?

Die Kurzfassung: Ich schätze schon!

Die ausführliche Version: Noch immer habe ich Schmerzen in den Knöcheln. Ich versuche aber den Hypochonder in mir zu verdrängen und die Schmerzen auf die ungewohnte Belastung zu schieben.


9. Welche Voraussetzungen braucht man, um einen Tough Mudder zu laufen?

Die Kurzfassung: Man muss schwimmen können, sonst eigentlich keine.

Die ausführliche Version: Nach diesem Wochenende bin ich davon überzeugt, dass jeder einen Tough Mudder schaffen kann. Damit möchte ich meine Leistung keinesfalls klein reden (ich werde weiter jede Gelegenheit dazu nutzen, damit ausführlichst anzugeben), sondern vielleicht dem ein oder anderen die Zweifel nehmen. Ich würde dennoch empfehlen, vorher an der eigenen Grundfitness zu arbeiten. Nicht, weil man unbedingt der fitteste auf dem Parcours sein muss, sondern weil man zumindest einschätzen können sollte, was der eigene Körper kann und was nicht.


10. Läufst du nächstes Jahr wieder mit?

Die Kurzfassung: Sag niemals nie.

Die ausführliche Version: Einerseits gefällt mir die Vorstellung, beim nächsten Mal meine Leistung zu steigern, einen Ring mehr bei Kong zu schaffen, bei Funky Monkey nicht sofort baden zu gehen oder bei anderen Hindernissen weniger auf andere angewiesen zu sein. Andererseits weiß ich nicht, ob ich mir noch ein Jahr Vorbereitung antun will - und ohne Training schaffe ich das auf gar keinen Fall. Ich bin noch immer nicht gerne schlammig oder nass und Waldläufe und ich werden in diesem Leben sicher keine Freunde mehr. Es spricht also viel mehr gegen eine erneute Teilnahme. Ganz ausschließen möchte ich sie dennoch nicht. Mein Ehrgeiz scheint schließlich größer zu sein als ich dachte.


Runter vom Sofa

Ramona Adolf (28) ist Redakteurin in der Online-Redaktion beim Zeitungsverlag Waiblingen. Am Samstag (15.09.) ist sie beim Tough Mudder Süddeutschland in Wassertrüdingen an den Start gegangen (Video). Zuvor hat sie sich ein Jahr darauf vorbereitet und über ihren Trainingsfortschritt gebloggt: Blog unter www.zvw.de/runtervomsofa und auf Instagram.

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