Runter vom Sofa Die Besteigung des Mount Schwoigarest

Das zweite Zumba-Training habe ich hinter mir und dieses Mal ist der Muskelkater nur noch halb so schlimm. Doch ich traue dem Braten nicht. Mein Körper kann nämlich ein hinterlistiges Biest sein. Während man am Tag nach dem Sport noch schmerzfrei und glücklich ob der offensichtlichen Leistungssteigerung herumstolzierte, kann man am nächsten Tag die Füße kaum noch anheben. Wenn der Muskelkater erst am zweiten Tag kommt, kommt er so richtig. Um dem vorzubeugen und an meiner nach wie vor katastrophalen Ausdauer zu arbeiten, habe ich beschlossen, meine Laufschuhe auszugraben und joggen zu gehen.

Dabei kann ich gleich zwei Dinge testen:

  • Erstens: Eine Lauf-App, die unbeschönigt anzeigt, wie fit oder eben unfit ich bin.
  • Zweitens: Ein neues Sportarmband, das ich mir in meinem Übermut fürs Laufen besorgt habe. Angeblich soll man darin praktisch sein Handy und seinen Schlüssel verstauen können, ohne dass sie einen beim Joggen stören.

Joggen war noch nie mein Ding

Was meine Kondition betrifft, war es um mich nie sonderlich gut bestellt. In der Vorbereitung war ich fast immer eine der letzten, die im Ziel ankamen. Und insgeheim hoffte ich jedes Mal auf ein Gewitter, damit dieses elendige Umhergerenne buchstäblich ins Wasser fällt. Kurz gesagt: Joggen war noch nie mein Ding. Aber wer 18 Kilometer über Hindernisse durch den Matsch rennen will, muss da früher oder später wohl oder übel durch. Vor allem, wenn immer noch Schnappatmungs-Gefahr bei so einfachen Aktivitäten wie Treppensteigen besteht.

Ich schlüpfe also direkt nach der Arbeit in meine Laufschuhe und versuche, dass klobige Dienst-Handy mit dem Sportarmband an mir zu befestigen. Das iPhone ist aber leider breiter als mein Arm und das ganze ziemlich unbequem.

Und in das angepriesene Schlüsselfach passt allerhöchstens mein Briefkastenschlüssel.

Für den Schlüssel finde ich direkt eine Lösung. Meine Sporthose hat ein kleines Fach mit Reißverschluss am Hintern. Weil das iPhone dort aber natürlich nicht hineinpasst und mir auf die Schnelle auch kein besserer Weg einfällt, das Handy mitzunehmen, verlasse ich eben mit einem schweren Klotz am Arm das Haus. Die Starttaste der Runtastic-App gedrückt, ein 15 Sekunden Countdown beginnt, ich laufe los.

Lauf, Ramona, lauf!

Etwa 30 Sekunden später fällt mir der Klotz am Arm gar nicht mehr auf. Ich bin nämlich viel zu sehr damit beschäftigt zu atmen und mir gut zuzureden. Lauf, Ramona, lauf!

Nach bereits vier Minuten und 23 Sekunden blicke ich zum ersten Mal auf den Armklotz und bin schockiert. Es kommt mir nämlich so vor, als sei ich schon mindestens 15 Minuten unterwegs. Ich keuche, schnaufe, es fühlt sich an, als trüge ich ein Korsett, das mir die Lunge zuschnürt. Die Beine werden wackliger, der Puls rast.

Die Versuchung, mich einfach hinzusetzen, ist riesig

Japsend geht der Weg weiter. Ein Stück vor mir sehe ich eine Bank. Hinsetzen? Weiterlaufen? Eine Frauenstimme meldet sich aus dem Armklotz und verkündet, dass ich nun einen Kilometer weit gelaufen bin. EIN KILOMETER. Ich werfe der Bank einen sehnsüchtigen Blick zu und laufe weiter. Immerhin geht es nun bergab. Dass ich dadurch auf dem Rückweg wieder bergauf muss, daran denke ich natürlich noch nicht.

Am Ende des Berges schaffe ich noch eine kurze Gerade. Dann geben meine Beine auf. Ich sehe mich um, zum Glück ist weit und breit niemand zu sehen. So muss ich schon nicht vortäuschen, ich müsste mich nur mal eben kurz dehnen. Nein. Ich stehe nach vorne gebeugt, die Hände auf die Knie gestützt auf dem Weg und versuche, einfach nur nicht umzukippen. Mein Atem rasselt lauter als der eines Dementors. Aufgeben geht aber nicht. Schließlich muss ich den ganzen Weg wieder zurück. Kurz denke ich darüber nach, mir ein Taxi zu rufen. Verwerfe den Gedanken aber rasch wieder. Wie peinlich wäre das denn?

Game over - Berg 1: Ramona 0

Ich drehe mich um und sehe den Anstieg. In Wirklichkeit ist es vermutlich eher ein kleinerer Buckel. Für mich sieht es aus, als müsste ich gleich den Mount Everest hochrennen. Mindestens. Eine Joggerin kommt mir entgegen. Sie lacht mich an. Oder lacht sie mich aus?

Ich gebe mir also einen Ruck. Schließlich kommt von nix bekanntlich nix und ich muss mich einfach mal zusammenreißen. Ich, Ramona, die Gipfelstürmerin, die Bezwingerin des Mount Schwoigarest*! Auf in den Kampf! Auf halber Strecke merke ich allerdings, dass ich kaum noch von der Stelle komme. Drei Trippelschritte schaffe ich noch, bis meine Beine wieder aufhören wollen. Ich beschließe, den Rest der Strecke zu gehen. Game over. Das Spiel ist aus.

Oben angekommen packt mich schließlich doch nochmal der Ehrgeiz. Und tatsächlich halte ich den letzten Kilometer noch einmal durch. Danach setze ich mich erst einmal auf den Boden und checke meine Ergebnisse in der Lauf-App.

Noch verdammt viel Potenzial nach oben

Da steht sie nun: Die bittere Wahrheit in Zahlen. Ich war zwar immerhin fast 25 Minuten unterwegs, habe aber nicht einmal ganz drei Kilometer geschafft. Panisch denke ich an die 18 Kilometer, die mir in einem Jahr bevorstehen. Ein Jahr, in dem ich offensichtlich noch verdammt viel Arbeit vor mir habe.

Leider habe ich keinerlei Vergleichszahlen zu meinen früheren Leistungen. Aber 25 Minuten am Stück konnte ich früher definitiv laufen. Niederschmetternd. Jetzt ist positiv denken mehr gefragt denn je. Zumindest habe ich heute meinen inneren Schweinehund überwunden. Ich nehme mir also vor, in den nächsten Wochen zusätzlich zum Zumba-Training mindestens einmal die Woche laufen zu gehen. Und mich jedes Mal wieder ein wenig zu steigern.

*Für den mir unerklärlichen Fall, dass jemand nun auf dem Schlauch steht: Ich war in Schwaikheim laufen, dass von Schwaikheimern eben liebevoll "Schwoiga" genannt wird.


Sportliche Hilfe gesucht

Sie haben Tipps für mich, wie ich mich zum Sport motivieren kann? Sie wissen, wie man ein Jahr lang an einer Sache dranbleibt? Sie machen eine besondere Sportart, die ich unbedingt auch einmal ausprobieren sollte? Sie kennen eine tolle Fitness-App? Oder Sie haben selbst Tough-Mudder-Erfahrung und wollen mir davon erzählen? Dann schreiben Sie mir an ramona.adolf@zvw.de oder bei Instagram.

Runter vom Sofa

Ramona Adolf (27) ist Redakteurin in der Online-Redaktion beim Zeitungsverlag Waiblingen. Im Herbst 2018 will sie beim Tough Mudder Süddeutschland mitlaufen. Über ihren Trainingsfortschritt berichtet sie in diesem Blog unter www.zvw.de/runtervomsofa und auf Instagram.

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