Runter vom Sofa Geh nie wieder weg, liebe Motivation

Mit meinem neuen Freund dem Hometrainer vor dem Training und verschwitzt, fertig aber glücklich danach. Foto: Adolf / ZVW
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Ich habe keinen blassen Schimmer, woher der plötzliche Motivationsschub kommt. Aber eines weiß ich sicher: Er muss bitte, bitte bleiben. In den vergangenen Wochen hatte ich einen Lauf - auch wenn ich gar nicht gelaufen bin. Ich habe meinen alten Hometrainer wieder für mich entdeckt. Das Fahrrad ist ein Erbstück und seit gut 15 Jahren in meinem Besitz. Doch ehrlich gesagt habe ich es noch nie so regelmäßig benutzt, wie in den letzten beiden Wochen. Auch das Krafttraining nach dem Ausdauerradeln fiel mir erstaunlich leicht. Ein Erklärungsversuch.

Radfahren gehört für mich zu den schlimmsten Sportarten der Welt. Es reiht sich direkt hinter Schwimmen ein und belegt, sogar noch vor dem Joggen, den zweiten Platz auf meiner Rangliste der Anstrengung. Ja, Triathletin werde ich in diesem Leben sicher nicht mehr. Und so wie ich rede, könnte man fast meinen, ich empfände jegliche Form sportlicher Betätigung als nervig. Das ist aber nur teilweise richtig. Für mich lassen sich Sportarten in drei Kategorien einteilen: Die Endlosscheiner, die Überwinder und die Spaßmacher.

Die Endlosscheiner: Auf Sportarten der Kategorie "Endlosscheiner" hat man per se keine Lust. Um überhaupt damit anzufangen, benötigt es mindestens einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten. Hat man den inneren Schweinehund schließlich überwunden, zieht sich die Sporteinheit dann endlos hin. Jede Sekunde wird zur Minute, Minuten werden zu Stunden. Spaßfaktor: Nicht vorhanden. Am Ende jedoch schleicht sich das wundervolle Gefühl der Erleichterung ein, dass es erstens endlich vorbei ist und man zweitens tatsächlich etwas geschafft hat.

Beispiele: Schwimmen, Radfahren, Joggen, Volleyball

Die Überwinder: Auf Sportarten der Kategorie "Überwinder" hat man auch nicht wirklich Lust. Wenn man sich aber überwunden hat und die Einheit beginnt, merkt man, dass es so schlimm nicht ist. Mehr noch: Dass Sport tatsächlich Spaß machen kann. Auch wenn die Einheit anstrengend ist, kann man das Beste aus sich heraus holen. Denn wer zumindest ein bisschen Spaß hat, hält sicher noch fünf Minuten länger durch, als er sich vorgenommen hat.

Beispiele: Badminton, Basketball, Krafttraining

Die Spaßmacher: Auf Sportarten der Kategorie "Spaßmacher" hat man so richtig Bock. Man freut sich vorher und ist top motiviert. Man hat währrenddessen jede Menge Spaß und merkt gar nicht so recht, wie anstrengend das eigentlich alles ist.

Beispiele: Handball, Fußball, Schlappenball

Leider fallen nur die allerwenigsten Sportarten in die "Spaßmacher"-Kategorie. Die meisten Aktivitäten zähle ich zu den Endlosscheinern. Letzten Freitag jedoch habe ich etwas erfahren, dass mir zuvor noch nie passiert ist: Eine Sportart hat die Kategorie gewechelt. Zumindest fast.

Das eigentliche Radfahren wird vermutlich für immer ein Endlosscheiner bleiben. Das Radfahren auf dem Hometrainer jedoch ist am Freitag zu einem Überwinder aufgestiegen. Ich hatte mich - den dritten Tag in Folge - auf das Rad gesetzt mit dem Ziel, mindestens 12 Kilometer zu fahren. Am Ende waren es stolze zehn Kilometer mehr und ich habe fast eine ganze Stunde auf dem Gerät verbracht. Das ist zum einen den ganz klaren Vorteilen geschuldet, die der Hometrainer gegenüber dem konventionellen Radfahren hat: Es gibt keine Berge und wenn man nicht mehr kann, kann man einfach absteigen, ohne noch nach Hause fahren zu müssen. Zum anderen habe ich für mich selbst die nahezu perfekte Trainingsatmosphäre geschaffen. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten jede Menge Dinge ausprobiert, um mir das Training zu erleichtern und um dranzubleiben. Mit meinem Ergebnis habe ich nicht das Rad neu erfunden, aber vielleicht helfen jemandem diese Tipps weiter.

1. Sport als festen Termin einplanen

Am Anfang jeder Woche plane ich, wann ich Zeit für eine Trainingseinheit haben werde. Das schreibe ich mir als festen Termin in meinen Kalender. Mindestens drei Einheiten sind Pflicht, spontane Übermotiviertheiten sind selbstverständlich erlaubt.

2. Die Sportsachen als Stolperfalle platzieren

An einem Trainingstag sind meine Sportschuhe das erste was ich sehe, wenn ich zur Tür reinkomme. Gehe ich weiter ins Wohnzimmer, ist dort bereits die Matte für das Krafttraining ausgebreitet. So kann ich dem Sport nicht aus dem Weg gehen.

3. Nicht hinsetzen!

Auch wenn ich hundemüde bin und am liebsten erst einmal essen und mich aufs Sofa legen möchte: Ich setze mich nicht hin. Wenn ich das nämlich tue, kostet es unnötig viel Überwindung, wieder vom Sofa runterzukommen. Stattdessen schlüpfe ich direkt in die Sportklamotten und bringe die Einheit hinter mich.

4. Für Unterhaltung sorgen

Egal ob Youtube-Videos, Filme, Serien, Hörbücher oder Musik: Hauptsache, ich habe einen Unterhaltungsfaktor, der mich von meiner eigentlichen Aufgabe ablenkt. Am besten funktioniert für mich übrigens meine Playlist mit Tanzfilm-Soundtracks aus den 80ern. Oder "Mezmerize" von System of a Down in Endlosschleife.

5. Nicht auf die Zahlen achten

Die Zeit vergeht schneller, wenn man Spaß hat. Dennoch habe ich mich häufig beim Blick auf die digitale Anzeige ertappt: Wie lange sitze ich schon hier, wie viele Kilometer bin ich gefahren? Fallen diese Zahlen niedriger aus als erhofft, verliere ich schnell die Lust. Damit das nicht mehr so oft vorkommt, decke ich die Anzeige einfach mit einem Waschlappen ab - und überlege mir dann, ob ich wirklich wissen will, wie lange ich schon "unterwegs" bin.


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