Runter vom Sofa Rendezvous mit dem inneren Schweinehund

 Foto: Adolf / ZVW

Sport und Alltag wollen sich in meinem Fall noch immer nicht recht zusammenfinden. Sie stehen zueinander, wie eine lockere Bekanntschaft. Wenn man sich mal sieht, dann ist es schön, wenn nicht, vermisst man den anderen aber auch nicht sonderlich. Doch warum kriege ich Bewegung einfach nicht in meinen Alltag integriert? Eine Ursachenforschung.

Rund 10,4 Millionen Deutsche machen mehrmals die Woche Sport. 3,4 Millionen Deutsche gehen mehrmals pro Woche ins Fitnesstudio.

Die von meiner Krankenkasse empfohlene Schrittzahl pro Tag für ein gesundes Leben beträgt 10 000 Schritte. Ich schaffe nicht einmal 6 000.

Quellen: statista.com und persönliche Ernüchterung

Ich habe kürzlich ein neues Handy erworben und einen Schrittzähler darauf entdeckt. Ein guter Ansporn, mich auch im Alltag mehr zu bewegen, wie mir schien. Die empfohlenen 10 000 Schritte kamen mir dann aber doch etwas zu optimistisch vor. Und so habe ich mein Ziel auf 6 000 tägliche Schritte begrenzt. Der Blick in die Statistik zeigt: Seit ich den Zähler am 28. September aktiviert habe, habe ich mein Ziel gerade einmal an vier Tagen erreicht. Die Bestmarke von 16 712 Schritten stammt von einem Ausflug in den Europapark, ein Besuch auf dem Cannstatter Volksfest erbrachte immerhin 9 532 Schritte. Ein Termin in Böblingen, Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und kleiner Fußmarsch durch die Innenstadt, machte immerhin noch in 9 194 Schritte aus. Und die Weinwanderung auf dem Kappelberg am Wochenende brachte am Ende 9 495. Die 10 000 gesunden Schritte habe ich also nur ein einziges Mal erreicht. Im Schnitt habe ich diesen Monat bisher gerade einmal 3 741 Schritte am Tag bewältigt. Nicht einmal mehr zu laufen, oder besser: zu gehen, schaffe ich. Wie soll das nur mit dem Sport funktionieren?

Wenn über zehn Millionen Deutsche es hinbekommen, mehrmals die Woche Sport zu machen: Wieso schaffe ich es dann nicht? Meinen Zumbakurs habe ich zwar weiter brav besucht, aber ich habe bei Weitem nicht das Gefühl, dass ein Training pro Woche ausreicht, um mich auf mein Ziel, den Tough Mudder Süddeutschland im Herbst 2018, vorzubereiten. Zwei Gründe sind schnell gefunden. Darf ich vorstellen? Meine härtesten Gegner: Faulheit und Alltagstrott.

Zu lange auf der faulen Haut gelegen

Zu meinen aktiven Handballerzeiten gehörte es einfach dazu, mich mindestens zweimal pro Woche in die Turnschuhe zu begeben. Und wenn ich auch noch so spät von der Arbeit nach Hause kam - und zugegebenermaßen oft überlegt habe, mich mit einer haarsträubenden Entschudligung abzumelden und es mir mit Netflix und Chips auf dem Sofa gemütlich zu machen - hingegangen bin ich am Ende immer. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Was sich als gut erweist, wiederholt er. Und auf der Couch rumzuliegen hat sich für mein Unterbewusstsein wohl schon als so gut erwiesen, dass es von dort nur noch schwer auszutreiben ist. Zu lange habe ich auf der faulen Haut gelegen. Statt meinen inneren Schweinehund zu überwinden, haben Schweinehund und ich es uns im Wohnzimmer gemütlich gemacht und ignorieren die missbilligenden Blicke des eingestaubten Hometrainers.

Motivationssposter und fehlende Gehirnzellen

Mir fehlt die Motivation. Das will ich ändern. Da es im Internet bekanntlich für alles eine Lösung gibt, beginne ich meine Suche nach Tipps auf Youtube. Laura, ein rothaariges dürres Mädchen mit nerviger Piepsstimme (aber immerhin über einer Million Abonnenten) empfiehlt, mir ein Motivationsposter mit einem Spruch wie "wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest" an den Spiegel zu hängen. Wow. "Das funktioniert total super, also ich find das total schön, dann kann man das so immer jeden Morgen so angucken und dann motiviert einen das auch so total". "So total so" habe ich mal gar keine Motivation, mir auch noch ein dämliches Poster zu basteln. Vom fehlenden Basteltalent mal ganz zu schweigen. Youtuberin Jessie empfiehlt, in Sportklamotten zu schlafen, "dann könnt ihr morgens gleich loslegen, ohne euch noch mal umzuziehen". Und Barbara schlägt vor, mir hübsche Sportklamotten zu kaufen, "weil wenn ihr dann auch hübsche Sachen habt, dann motiviert das einen gleich, die anzuziehen." Weil ich aus Erfahrung weiß, wie gut ich auch in hübschen Sportklamotten gar nichts tun kann, hilft mir das auch nicht weiter. Unzählige Videos sehe ich mir an. Viele Tipps sind mir schlicht zu banal ("ihr müsst es nur wollen"), andere kommen von muskelbepackten Fitnesstrainern, die wirken, als hätte ihnen mit Sicherheit im Alltag schon mal die ein oder andere Gehirnzelle gefehlt, nie jedoch die Motivation, sich zu bewegen.

Sporteinheiten planen

Männer und Müttter, Frauen und Fitnessblogger, Teenager, Trainer, selbst ein Techniknerd präsentiert seine besten Motivations-Hacks für Sport. Drei Stunden investiere ich in die Recherche. Zeit, die ich sicherlich auch sinnvoller - zum Beispiel mit Sport - hätte verbringen können. Das Ergebnis ist mau. Dennoch nehme ich mir vor, zumindest einen der Tipps zu beherzigen, damit die Zeit nicht ganz verschwendet ist. Sporteinheiten will ich künftig besser planen und in meinen Kalender eintragen. So macht man sich angeblich unterbewusst deutlich, dass es sich um einen Termin handelt, den man nicht absagen kann. Ob es funktioniert, werde ich in den kommenden Wochen verraten. Aber falls Ihnen etwas besseres einfällt, bin ich für jeden Tipp dankbar!

Tipps gesucht!

Sie haben Tipps für mich, wie ich mich zum Sport motivieren kann? Oder Sie können mir sogar ein wahrlich gutes Youtube-Video zum Thema empfehlen? Dann schreiben Sie mir in die Kommentare, an ramona.adolf@zvw.de oder bei Instagram.

Runter vom Sofa

Ramona Adolf (27) ist Redakteurin in der Online-Redaktion beim Zeitungsverlag Waiblingen. Im Herbst 2018 will sie beim Tough Mudder Süddeutschland mitlaufen. Über ihren Trainingsfortschritt berichtet sie in diesem Blog unter www.zvw.de/runtervomsofa und auf Instagram.

Weitere Artikel

  • Bewertung
    2

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!