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Runter vom Sofa Tanz um den Stuhl und Kichererbsen-Kraft

Hinterher durfte ich mich endlich draufsetzen: Beim Zumba diente der Stuhl als Trainingsgerät. Foto: Privat

Wir tanzen heute zwar nicht auf dem Tisch, dafür aber auf dem Stuhl. Und um ihn herum. Wie ich seit neustem weiß, kann man Möbelstücke zum Zumba zweckentfremden. Jetzt stehe ich also in der Halle und versuche verzweifelt, nicht gegen den Stuhl zu tanzen. "Passt halt auf, dass ihr vorher schaut, ob der Stuhl noch dasteht, wenn ihr euch setzt", hatte Carina, die Trainerin, zu Beginn gesagt und ich sehe das Szenario bereits vor mir, wie ich im Krankenhaus dem Arzt vorlüge, ich sei besoffen die Treppe heruntergefallen, statt zuzugeben, dass ich mich beim Zumba neben den Stuhl gesetzt habe. Ich bin zwar tollpatschig, bringe das ganze jedoch unfallfrei über die Bühne.

Angst vor dem Muskelkater

Das heutige Programm schreit allerdings nach Muskelkater und zwar nach dem fiesesten von allen: Im Bauch. Nur mit dem Hintern auf der Sitzfläche soll ich Arme und Beine von mir strecken, im Takt mit den Füßen in der Luft wippen, sie öffnen und schließen, mich flach wie ein Brett hinlegen, ohne dabei vom Stuhl zu fallen. Liegestütz mit einem Arm auf der Sitzfläche, einem auf der Stuhllehne. Kniebeugen mit einem Fuß auf dem Stuhl. Dann wieder aufgestanden und drum herum getanzt. Es macht richtig viel Spaß, doch mir graut vor dem nächsten Tag.

Der Donnerstag verläuft dann besser als erwartet. Bin ich zu panisch? Bis ich niesen muss und es sich anfühlt, als hätte jemand Gaffatape um meinen Bauchnabel geklebt und würde es mit einem Ruck herunterreißen. Wie immer nach dem Zumba ziepen auch die Oberschenkel, aber ansonsten kann ich mich immerhin einwandfrei bewegen. Darf ich eben einfach nicht mehr niesen.

Armmuskeln sind gefragt

Eigentlich wollte ich ab sofort einmal in der Woche laufen gehen. Doch da ich meist erst von der Arbeit nach Hause komme, wenn es draußen schon stockduster ist, muss ich mir etwas anderes einfallen lassen. Ich habe mich heute dafür entschieden, auf meinem Hometrainer zu strampeln und anschließend ein bisschen Krafttraining zu machen. Beim Tough Mudder gibt es viele Hindernisse, bei denen man klettern muss. Armmuskeln sind gefragt. Und weil ich zu müde bin mir die Übungen selbst zu überlegen, suche ich bei Youtube ein passendes Video heraus. Die Auswahl ist riesig und ich klicke unentschlossen umher, bis ich schließlich einfach das auswähle, auf dem die Frau, die die Übungen zeigt, am sympathischsten wirkt.

"Lose Arm and Back Fat" (Verliere Arm- und Rückenfett) ist zwar absolut nicht meine Intention, im Video geht es aber zumindest mal grob um die richtigen Muskelgruppen. Allerdings soll ich für die Übungen Gewichte einsetzen. Hanteln besitze ich aber nicht. Weil ich aber keine Lust habe, das Video jetzt doch wieder zu ändern, suche ich schnell nach zwei Sachen, die gleich schwer sind. Sieht vielleicht bescheuert aus, erfüllt aber seinen Zweck: In Sportklamotten stehe ich nun in meinem Wohnzimmer und halte in jeder Hand eine Dose Kichererbsen.

Rebecca Louise nennt sich die Dame, die während des Trainings auf englisch über die richtige Ernährung philosophiert und mir nahelegt, ich möge sie doch auf Instagram verlinken mit dem Hashtag #icanfeeltheburnrebecca (Ich kann das Brennen spüren, Rebecca). Klingt anstrengend. Doch die Übungen gefallen mir. Sie sind leicht verständlich und man kann sie nachmachen, auch ohne die ganze Zeit auf den Bildschirm zu glotzen und dabei einen steifen Hals zu riskieren. Hat Spaß gemacht, werde ich wieder tun.

Am Freitag dann die böse Überraschung: Statt des Brennens in den Armen spüre ich ein schnerzhaftes Ziehen in den Oberschenkeln. Da ist er doch wieder, mein neuer bester Freund Muskelkater. Aber in den Oberschenkeln? #icanfeeltheburnhometrainer. Dabei bin ich doch nur 20 Minuten Rad gefahren. Vielleicht sind es doch die Nachwehen vom Zumba? #canifeeltheburncarina?

Runter vom Sofa

Ramona Adolf (27) ist Redakteurin in der Online-Redaktion beim Zeitungsverlag Waiblingen. Im Herbst 2018 will sie beim Tough Mudder Süddeutschland mitlaufen. Über ihren Trainingsfortschritt berichtet sie in diesem Blog unter www.zvw.de/runtervomsofa und auf Instagram.

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