Runter vom Sofa Zwangspause: Mein Leben als Voodoo-Puppe

Symbolbild. Foto: pixabay.com (CC0 Creative Commons)

Mit der Tough-Mudder-Vorbereitung wollte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ich wollte nicht nur meinen inneren Schweinehund besiegen und sportlicher werden, sondern auch einem Leiden vorbeugen, dass mich seit meinem 15. Lebensjahr heimsucht: Rückenschmerzen. Vermutlich habe ich die Vorbereitung zu spät begonnen und das, was nun passiert ist, ließ sich trotz des regelmäßigen Trainings nicht mehr aufhalten. Mein Rücken hat sich in etwa so angefühlt, als hätte jemand eine Grillzange durch meine Haut gebohrt, den unteren Teil meiner Wirbelsäule damit gefasst, sie um 45 Grad gedreht und sich dann so verhakt, dass er nun dauerhaft bei dem Versuch scheitert, die Zange wieder herauszuziehen.

Vor allem drei Bewegungen verursachen mir anfangs Höllenqualen: hinsetzen, sitzen und wieder aufstehen. Stehenbleiben ist auf Dauer keine Lösung, beim Gehen strahlt der Schmerz in die Beine aus, lange Liegen ist auch nicht drin. An Sport ist also erstmal nicht zu denken. Heute, sechs Wochen später, habe ich nach wie vor Schmerzen. Sie sind aber weniger geworden. Und ich kann nachts wieder so lange am Stück liegen, dass auch eine Schicht Concealer am Morgen reicht, um die Augenringe abzudecken.

Der verflixte L4

Ursprünglich wollte ich diesen Blog so lange auf Eis legen, bis ich wieder etwas Sportliches zu berichten habe. Aber eine Umfrage auf Instagram hat gezeigt, dass es zumindest einige gibt, die wissen wollen, warum ich so lange nichts mehr geschrieben habe. Hier kommt sie also, meine Leidensgeschichte.

Laut Diagnose* plagt mich diesmal eine "biomechanische Funktionsstörung im Sakralbereich", also grob gesagt im unteren Rücken. Hinzu kommen diverse wiederkehrende Wirbelblockaden (mein L4 braucht offensichtlich mehr Aufmerksamkeit als alle Teilnehmer eines durschnittlichen Dschungelcamps zusammen) und eine "erhöhte Grundspannung". Dagegen erhalte ich Triggerpunkttherapie mit Dry Needling, klassische Akupunktur, Chirotherapie (das, was man im Volksmund unter "einrenken" versteht) und Krankengymnastik. Zwei- bis dreimal in der Woche gehe ich nun also zur Physiotherapie oder zum Orthopäden statt zum Sport. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Außerdem hat es mich diesmal so richtig erwischt. Sechs Wochen Dauerschmerzen muss man auch psychisch erstmal verkraften.

Nadeln über Nadeln

Ich bin kein sonderlich großer Fan von Nadeln. Vorallem dann, wenn ich nicht dabei zusehen kann, wie sie mir in den Körper gesteckt werden. Impfen lasse ich mich grundsätzlich in den Arm und bei allen meiner Piercings habe ich mittels Spiegel dabei zugesehen. Bei der aktuellen Behandlung geht das nicht. Stattdessen mutiere ich Woche für Woche zur menschlichen Voodoo-Puppe. Ich liege auf dem Bauch, während der Orthopäde meinen Rücken nach Muskelverhärtungen abtastet. Hat er einen dieser Triggerpunkte - in meinen Augen ein Euphemismus für "Schmerzhöhepunkte" - gefunden, sticht er eine lange, trockene Nadel hinein. Dadurch soll eine Muskelzuckung ausgelöst werden. Die Stelle wird besser durchblutet, die Entzündung gelöst. Positiv: Man fühlt sich nach der Behandlung umgehend besser. Negativ: Währenddessen ist es verdammt schmerzhaft. Und eigentlich kann ich keine weiteren Schmerzen gebrauchen. Dagegen ist Akupunktur die reinste Spa-Behandlung. Auch wenn ich meinen Rücken dabei unbewusst so sehr anspanne und verkrampfe, dass es dem Arzt oft nicht gelingt, die feinen Nadeln in meinen Rücken zu bekommen. Dafür sorgt die angesprochene erhöhte Grundspannung.

Einen kleinen Lichtblick bringt die Krankengymnastik in der vergangenen Woche. Bei den bisherigen Terminen habe ich mich kaum bewegt. Ich wurde bewegt. Ein paar Dehnübungen und kleinere Kräftigungsübungen, die ich täglich zu Hause machen kann, sind zwar dabei. Die Hauptarbeit hat nach wie vor meine Physiotherapeutin (abgesehen von dem Muskelkater, den ich natürlich trotzdem bekomme). Am Freitag jedoch darf ich zum ersten Mal wieder so etwas wie Sport machen. Es ist anstrengend und ich habe endlich wieder das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Das kommt mir sehr gelegen. Denn am Donnerstag habe ich mich beim Tough Mudder angemeldet.

Ich bin zuversichtlich, dass ich das Training bald wieder aufnehmen darf. Dann heißt es für mich vorallem erst einmal, Rückenmuskulatur aufzubauen, um die Wirbelsäule zu stabilisieren. Ich habe mich außerdem zu einem Kurs zur Progressiven Muskelentspannung angemeldet, um der erhöhten Grundspannung entgegen zu wirken. Das Fitnesstudio ist zum Greifen nah. Wenn ich dort war, erfahren Sie das natürlich hier und auf Instagram.

*Ich bin kein Arzt und hoffe, mein medizinisches Halbwissen ist einigermaßen korrekt. Sollte mir ein Fehler unterlaufen sein, dürfen Sie mir gerne einen Kommentar hinterlassen.


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