Sanierung der Kreisstraße nach Walkersbach Jetzt ist der Hang wieder gesichert

Am Freitag war der Bagger noch auf der Straße zwischen Weitmars und Walkersbach. Jetzt ist die Stützmauer fertig. Foto: ZVW/Mathias Ellwanger

Plüderhausen-Walkersbach. Ein paar kleine Restarbeiten stehen noch an, doch der Hang, der innerhalb eines halben Jahres zweimal ins Rutschen kam, ist gesichert. Die Kreisstraße von Weitmars nach Walkersbach ist ab sofort wieder voll befahrbar.

Am Freitagmittag schichtet der Bagger noch ein wenig Schotter vom Hang ins Tal, fährt Unebenheiten glatt und geht zur Seite, wenn Autos oder Lastwagen die Straße passieren wollen. Doch das Hauptwerk ist da längst geschafft: Die Stützmauer am Hang steht. Notwendig geworden war das Bauwerk, weil es innerhalb kurzer Zeit gleich zweimal an dieser Stelle zu einem Hangrutsch gekommen war. Zunächst Anfang Januar im Nachgang zu Starkregenfällen, dann erneut Mitte Mai, als es wieder stark geregnet hatte. Beinahe ist bei dieser zweiten Rutschung ein durchfahrendes Auto erwischt worden.

Dass der Hang so rutschgefährdet ist, erklärt sich laut Karl-Heinz Erkert, Fachgruppenleiter Straßenbetrieb und Verkehrstechnik beim Landratsamt und Bauleiter an der Kreisstraße bei Walkersbach, aus seiner Geologie: Der Knollenmergel an dieser Stelle sei wegen des trocken-heißen Sommers 2018 rissig geworden. Als dieser dann viel Wasser auffangen musste, habe er sich nicht nur vollgesaugt, sondern sei obendrein auch noch schmierig geworden. In der Folge sei es dann zu den Rutschungen gekommen. Weil es an der Stelle laut einem Geologen, der das bewertet hat, jederzeit erneut zu Nachrutschungen kommen könne, sei die Straße teilgesperrt worden.

Zu Hangrutschen komme es im Schwäbischen Wald häufiger, sagt Matthias Straus, Leiter der Kreisstraßenbaubehörde. Handeln könne der Kreis aber immer nur dann, wenn eine akute Gefährdung vorliege, so wie hier. Dass der lange Zeitraum zwischen dem ersten Hangrutsch und der Baumaßnahme für Unmut bei den Walkersbachern gesorgt hat, kann Straus verstehen. Das sei aber den Abläufen geschuldet, denen eine amtliche Maßnahme unterliege. Von der Planung über Ausschreibung, Vergabe und Beschluss im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages bis zum tatsächlichen Baubeginn vergehe in der Regel etwas Zeit, in der an der Straße selbst nichts passiere.

114 tonnenschwere Gabionen wurden an dem Hang verbaut

In diesem speziellen Fall habe sich bei der Umsetzung zudem die schiere Masse an Stützmaterial als Herausforderung erwiesen. Insgesamt 114 Gabionen wurden verbaut, davon 64 Schwergewichtsgabionen, von denen jede 4,4 Tonnen wiegt.

Doch bevor das Stützmaterial angebracht werden konnte, musste erst der rutschgefährdete Boden vom Hang abgetragen werden. Dabei sei es mehrfach zu kleinen Nachrutschungen gekommen, berichtet Benjamin Gentner, Bauleiter bei der ausführenden Firma Awus. Zum Glück sei dabei aber nichts passiert. Mehr als 200 Kubikmeter Erde habe der Bagger vom Hang auf die andere Seite der Straße transportiert. 140 Kubikmeter Schotter seien dann auf dem Hang aufgebracht worden.

Das Wasser vom Hang wird jetzt über eine Leitung in den Bach abgeführt

Vor allem, um eine bessere Entwässerung zu erreichen, wie Matthias Straus erklärt. Die habe nämlich bislang aus den genannten Gründen nicht richtig funktioniert. Schotter sauge sich im Gegensatz zum Knollenmergel nicht voll mit Wasser, sondern sei durchlässig. Über eine insgesamt 200 Meter lange Entwässerungsleitung, die neu verlegt wurde, gelange das Wasser vom Hang jetzt direkt in den Walkersbach. „Unser Ziel war es, das Wasser schadlos abzuleiten“, sagt Straus. So könne der Hang nicht mehr so leicht ins Rutschen kommen.

Da dies allein aber nicht genügt, bekam der Hang noch eine starke Stütze. 140 Kubikmeter Gabionen geben ihm jetzt Halt. Eine Menge, die nicht mal so eben vom Hof gekauft werden könne, wie Gentner von der ausführenden Baufirma aus Aalen betont. Acht solcher Gabionen würde der Betrieb pro Tag in der Regel herstellen können. „Auch logistisch ist das ein Act.“

Am unteren Bereich des Hangs stehen jetzt Schwergewichtsgabionen, die neben Bruchsteinen auch kleine Betonteile enthalten. Sie stabilisieren den Hang an der entscheidenden Stelle. Darüber wurden normale Gabionen mit Bruchsteinen platziert. Zusammen mit dem Schottermaterial und den Entwässerungsleitungen werden sie künftige Hangrutsche verhindern.

Hangrutsch selbst entfernt - "Das war gefährlich"

250 000 Euro hat diese Baumaßnahme gekostet, bei der auch an zwei weiteren kleinen Stellen entlang der Straße Stützmauern verbaut worden sind. Eine weitere Maßnahme auf dem Teilabschnitt der Kreisstraße zwischen Walkersbach und Pfahlbronn steht noch an. Die sei allerdings nicht ganz so aufwendig, sagt Straus.

Dass nicht alle nur begeistert waren über die damit verbundene Sperrung, kann er durchaus verstehen. Als Sicherheitsmaßnahme sei sie aber unumgänglich gewesen. Jene Walkersbacher, die den zweiten Hangrutsch selbst entfernt haben, könnten von Glück reden, dass ihnen dabei nichts zugestoßen sei. „Das war gefährlich.“ Aber man habe Kompromissbereitschaft gegenüber den Einwohnern des Ortsteils gezeigt, etwa mit der Öffnung zur Salzkuchenhocketse. Oder indem in den letzten Tagen der Bagger einfach zur Seite fuhr, wenn jemand die Straße passieren wollte.

Unterm Strich sind die am Bau Beteiligten jedenfalls zufrieden. Und auch für die leichte Bauverzögerung von etwa anderthalb Wochen hat Straus einen guten Grund: Die Planungen basierten noch auf dem ersten Hangrutsch. Durch den zweiten habe man in der Planung nachbessern und noch einmal mehr Gabionen einsetzen müssen.

Die Hauptsache aber: Jetzt ist der Hang wieder gesichert.


Nacharbeiten

Was noch gemacht werden muss, ist die Modellierung des kleinen Hangs zum Bach hin. Dort wurde das Bodenmaterial vom Hang verlagert. Allerdings sei eine Durchführung aufgrund der Regenfälle in dieser Woche momentan nicht sinnvoll. „Da würden wir mehr kaputtmachen als richten“, sagt Benjamin Gentner, Bauleiter der ausführenden Firma.

Wenn der Boden wieder trockener ist, voraussichtlich im Laufe der kommenden Woche, werde dies geschehen.

Eine Sperrung der Kreisstraße sei dafür aber nicht notwendig.

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