Schäferin aus Remshalden Wie schützt sie ihre Schafe in Zukunft vor dem Wolf?

Sie sind zutraulich, neugierig und hoffentlich in ihrem umzäunten Bereich gut geschützt vor einem möglichen Wolfsangriff: Die Schafe von Beatrix Kappeller weiden bei Hebsack. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Remshalden. Ein Wolf bei Rudersberg? Vielleicht. Doch nicht gesichert. Ganz sicher aber ist, dass Schafhalter wie Beatrix Kappeller den Wolf zukünftig mitbedenken müssen. Denn bis in fünf Jahren, vermuten Fachleute, wird der Räuber im Rems-Murr-Kreis heimisch sein. Das heißt für die Schäferin: Der Zaun muss rundum dicht sein und braucht ordentlich Wumms.

Der Wolf, das hat Beatrix Kappeller jetzt gelernt, versucht’s erst mal unten durch. Deshalb muss der Wolfsschutzzaun, der ihre kleine Herde vor Angriffen schützen soll, auf jeden Fall bis ganz auf den Boden reichen. Keine Kuhle darf eine Lücke entstehen lassen.

Beatrix Kappeller hat zurzeit 16 Schafe, die bei Hebsack auf den Streuobstwiesen weiden. Von dem üppigen Geld, das das Land Baden Württemberg den Schäfern für Herdenschutzhunde zahlt – es sind immerhin 1950 Euro pro Jahr und Hund – wird sie nichts sehen. Solch ein Hund wird erst ab einer Herdengröße von 60 Muttertieren gefördert. Wer 200 Schafe – oder Ziegen – oder mehr hat, kann für jeweils weitere 100 Tiere noch einen Herdenschutzhund gefördert bekommen. Pro Betrieb zahlt das Land für maximal sechs Hunde. Das sind dann immerhin 11 700 Euro pro Jahr. So viele Tiere hat im Rems-Murr-Kreis allerdings niemand.

Schutz der Tiere auf eigene Kosten

Beatrix Kappeller muss auf eigene Kosten für den Schutz ihrer Tiere sorgen. Von einem Herdenschutzhund hält sie nichts, jedenfalls nicht in Bezug auf ihre Schafe. Doch auch die wolfssicheren Zäune finanziert sie zu 100 Prozent selbst. Anders als die Kolleginnen und Kollegen im Nordschwarzwald.

Dort, in einem rund 3700 Quadratkilometer großen Gebiet, übernimmt das Land 90 Prozent der Kosten, die Schaf- oder Ziegenhaltern bei der Anschaffung von Materialien für sämtliche Herdenschutzmaßnahmen entstehen. Hierzu zählt insbesondere eine lückenlose Umzäunung mit Elektrozäunen. Denn im Nordschwarzwald ist es sicher: Der Wolf ist da. Ende April wurden nachgewiesenermaßen 44 Schafe von einem Wolf gerissen – der Nordschwarzwald kommt jetzt in den Genuss der „Förderkulisse Wolfsprävention“.

Angebliche Wolf-Sichtung bei Rudersberg

Auch hier im Rems-Murr-Kreis soll schon mal ein Wolf gesehen worden sein. Vor wenigen Wochen erst bei Rudersberg. Aber bewiesen ist’s halt nicht. Allerdings: Bis in fünf Jahren, so erwartet der Landesschafzuchtverband, wird auch der Rems-Murr-Kreis Wolfsland sein. Dann werden auch die Schafe in Hebsack in Gefahr schweben. Denn auch wenn hier alles viel zu dicht besiedelt ist und ein Wolf sich dauerhaft eher in den Weiten des Schwäbisch-Fränkischen Waldes aufhalten wird – ein Wolf läuft am Tag bis zu 60 Kilometer, das reicht locker aus dem Murrhardter oder Welzheimer Hinterland bis an die Rems.

Beatrix Kappeller schützt ihre Tiere, seit sie sie hat. Die Gefahr durch Hunde war der ursprüngliche Grund. Seit dem Seminar beim Landesschafzuchtverband, in dem es um Möglichkeiten des Herdenschutzes bei drohender Wolfsgefahr ging, weiß sie aber, dass die Anforderungen gestiegen sind, das alte Material nicht mehr genügt. Das fängt schon bei der Farbe an: Grün und Orange, die Farben, die bislang bei den mobilen Zäunen üblich waren, werden vom Wolf fast nicht gesehen. Weiß ist sinnvoller, in der Schweiz wird wohl gerade mit Blau und Lila experimentiert.

Beatrix Kappellers Zaun ist zwar an den Maschen noch rotorange, hat aber oben immerhin schon einen leuchtend weißen Abschluss. Mobile Zäune müssen außerdem mindestens 1,05 Meter hoch sein. Dann aber außerdem zusätzlich kräftigen Wumms haben – Wölfe sind sehr empfindlich, ein Stromschlag – die Mindestspannung am Zaun muss bei über 4000 Volt liegen – gefällt diesen Tieren nicht. Fest installierte Zäune ohne Strom brauchen mindestens 1,20 Meter Höhe.

Den künftigen Mitbewohner Wolf gut erziehen

Der Schäfer muss auch bedenken, dass ein Wolf von oben her springen kann: Wurden früher gern Mauern oder Abhänge als natürliche Begrenzung des Schafsgeheges genutzt, muss an diesen Stellen jetzt auch ein Zaun her. Genauso wie an Wasserläufen.

Letztendlich geht’s darum, sich den zukünftigen Mitbewohner Wolf gut zu erziehen: Beatrix Kappeller sagt, dass ein Wolf sich stets die Beute nimmt, die am allereinfachsten zu schlagen ist. Ungeschützte Schafe machen einfach viel weniger Stress als ein wehrhaftes Wildschwein. Dieses Beuteschema geben die Wölfe auch an den Nachwuchs weiter. Kommen die Räuber aber nicht an die Haustiere jeglicher Art ran, sondern müssen sie wirklich im Wald nach Wild suchen, könnte der Rems-Murr-Kreis von den neuen Mitbewohnern sogar profitieren.


Der Wolf kommt - das rät das Umweltministerium

  • Zäune müssen auf allen Seiten – also beispielsweise auch zum Wasser hin – geschlossen sein. Wasserläufe, Gräben und sonstige Wasserflächen stellen keine Barriere für einen Wolf dar.
  • Geländeunebenheiten wie Torbereiche, Gräben und Fahrspuren bieten oftmals Durchschlupfmöglichkeiten, die verschlossen werden müssen.
  • Zäune straff spannen, um die maximal mögliche Höhe zu erreichen (zum Beispiel Eckpfosten abspannen).
  • Größe der Koppel oder des Nachtpferchs möglichst so wählen, dass innerhalb der Fläche eine Ausweichmöglichkeit für die Nutztiere besteht. Falls die zur Verfügung stehende Fläche zu klein ist, kann ein zweiter Weidezaun aufgebaut werden, um eine möglichst breite Pufferzone zu schaffen.
  • Möglichkeiten vermeiden, von denen aus der Wolf in die eingezäunte Koppel springen kann (zum Beispiel Heuballen, Brennholzstapel oder Geländekanten). Gegebenenfalls Abstand von vier Metern einhalten.
  • In Steillagen empfiehlt sich eine optische Erhöhung des Zauns durch eine Breitbandlitze, um die geringere effektive Höhe am Hang auszugleichen.
  • Falls möglich, Tiere nachts in einen geschlossenen Stall holen.
  • Tiere und Zäune täglich kontrollieren (Dokumentation zum Beispiel im Weidetagebuch).
  • Damit Wildtiere den Zaun besser wahrnehmen, können 20 bis 30 Zentimeter lange, blau-weiße Absperrbandstreifen im Abstand von 3 bis 5 Metern am Zaun befestigt werden. Dies empfiehlt sich besonders an Stellen wie Waldrändern oder Wildwechseln.
  • Blinklichter am Zaun oder ein Lappzaun können Wölfe vorübergehend abschrecken. Sie verlieren jedoch nach wenigen Wochen ihre abschreckende Wirkung und sollten daher nicht dauerhaft eingesetzt werden.
  • Mehr Infos auf der Website der Behörde
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