Schmierereien in Rommelshausen Kein schöner Empfang für Bahnreisende

Keine Augenweide: Seit zwei Monaten begrüßen diese Graffiti Fahrgäste der Deutschen Bahn an der Rommelshausener S-Bahn-Haltestelle. Foto: Striebich / ZVW

Kernen-Rommelshausen. Zwei Monate sind vergangen, seit unbekannte Sprayer durch Rommelshausen zogen und zahlreiche Gebäude und Autos beschmierten. Noch immer sind die hässlichen Graffiti am Bahnhof das Erste, was Zugreisende vom Ort zu sehen bekommen. Die Deutsche Bahn verspricht: Bald wird geputzt.

Die Nacht auf Mittwoch, 8. August: Unbekannte streifen durch Rommelshausen und schmieren ohne Rücksicht vor Rechtschreibung und Eigentum alles mit Parolen voll, was sie vor die Sprühdose bekommen: unter anderem Autos, den Klamotten-Discounter Kik („Ich dachte, Sklaverei wäre abgeschafft“), die Metzgerei Schäfer („Mörder“) und das Bürgerhaus („Geld für Bedürftige statt Schnickschnack“). Die Polizei schätzte den Schaden damals auf rund 20 000 Euro (wir berichteten).

Die meisten dieser extrem stümperhaft angebrachten Graffiti wurden am Morgen entdeckt und bereits am selben Tag entfernt. Zum Beispiel bekämpften Mitarbeiter des kommunalen Betriebshofs die grellen Buchstaben am Bürgerhaus mit Lösungsmittel und Dampfstrahlern. Textil-Discounter Kik, den es besonders schlimm erwischt hatte, sah sich gezwungen, in einer Pressemitteilung auf Distanz zu Kinderarbeit und Ausbeutung zu gehen (ein Spruch hatte gelautet: „Seit Jahren erfolgreich gegen Kinderarbeitslosigkeit“), überklebte eine Parole mit Werbung und ließ eine andere von einer Mitarbeiterin entfernen. Kurzum: Von den unschönen Schmierereien in Rommelshausen war schon am Tag darauf nichts mehr zu sehen.

Schaden von 8,6 Millionen Euro durch Graffiti-Sprüher

Nur an der Rommelshausener Bahnhaltestelle, die nun mal für viele, die hier ankommen, den ersten Eindruck von der Gemeinde vermittelt (und für diejenigen, die nur vorbeifahren, gar den einzigen), prangen Sprüche wie „Cabannis ist Frieden!“ (sic!) nach wie vor an der Scheibe des Wartehäuschens.

Ganz besonders unlustig findet das die Deutsche Bahn: Im Jahr 2016, sagt ein Bahnsprecher, sei der Bahn ein Schaden von 8,6 Millionen Euro durch Graffiti-Sprüher entstanden. Müsse die Bahn beispielsweise einen Triebwagen neu lackieren, koste sie das bis zu 30 000 Euro. Deshalb machen Einsatztrupps der DB Sicherheit Jagd auf Sprüher: 250 selbst ernannte Künstler seien 2016 auf frischer Tat ertappt worden, berichtet der Bahnsprecher.

Und wann werden die Schmierereien in Rommelshausen entfernt? „Demnächst, zeitnah“, verspricht der Bahnsprecher.

Der Staatsschutz ermittelt

Weil es sich dabei überwiegend um politisch motivierte Parolen handelt, hat sich die Abteilung Staatsschutz der Kriminalpolizei der Sache angenommen. Das teilte Polizeisprecher Ronald Krötz auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Besonders gut stehen die Chancen offenbar nicht, dass die Schmierfinken noch zur Verantwortung gezogen werden. „Bislang konnte niemand ermittelt werden“, so Krötz. Die Beamten hätten sich zwar kurze Zeit auf der richtigen Spur gewähnt, mussten dann aber feststellen, dass sie ins Leere führte.

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