Schorndorf 63 Tonnen in Schienen hängen geblieben

Schorndorf. Gegen 21.30 Uhr am Mittwochabend machte es rums. Die Diesellok der Waldbahn blieb in Höhe der Firma Kemmler an einer Weiche stecken. 63 Tonnen Gewicht gruben sich in die Schienen. Die Lokomotive wieder in die Spur zu bringen, war nicht einfach.

„Wie viel hasch du?“, fragt ein Kranführer den anderen über Funk. „15 Tonna“, antwortet Hans-Peter Winkelhock von der Firma Paule aus Stuttgart. Heute sehen die Kranführer über ihren Bordcomputer genau, wie viel daranhängt und in welcher Neigung der Kran steht. Nur etwa 30 Tonnen - rund die Hälfte der Zugmaschine - müssen gehoben werden. Eine echte Tüftelarbeit. Eine Stunde hat’s gedauert, bis die Lok so weit war, dass die Kräne sie anheben konnten. Ein Schlauch musste abmontiert werden, damit das Kettengehänge keinen Schaden beim Hochziehen an diesem hinterlässt. Mit Holz unter den Ketten wurde die Lok selbst geschützt. An jeder Seite haben die Helfer am Boden ein Kettengehänge eingehakt. Jetzt gilt es, die Zugmaschine gleichmäßig hochzuziehen. „Da kann es schon einmal vorkommen, dass eine Kette reißt“, so Winkelhock.

Das besondere Problem an dieser Stelle: die Oberleitungsanlage. Ein Mitarbeiter der Bahn ist dabei, um diese abzuschalten und aufzupassen, dass der Leitung nichts passiert.

Jetzt schwebt die halbe Lok. Ein Helfer liegt auf den Schienen und schaut darunter, ob es schon reicht. „No drei Zentimeter nuff“, ruft er. Reicht. Aber in Richtung freie Schiene will sie sich nicht weiter nach rechts bewegen. Gut, dann geht’s halt nach links. Dort müssen sie die Helfer aber selber hinziehen. „I ko net weiter rüber“, schreit Winkelhock. ihm vertraut die Mannschaft. Schließlich ist er schon 25 Jahre dabei und man kennt sich.



Mit Handarbeit und vereinten Kräften

Also: Handarbeit. Mit Hilfe eines Seilgewindes und vereinten Kräften schafft es die Truppe schließlich. Ein Ruck. Die Lok rutscht in die richtige Richtung. Sanft lassen sie die Kranführer auf die Schienen hinab. Jetzt muss sie nur noch fahren, sonst geht wieder alles von vorne los. Doch es klappt. Im Schneckentempo rollt die Zugmaschine davon.

Eines ist jedenfalls klar: Das wird teuer. Wie teuer, ist ungewiss. „Aber sicher im fünfstelligen Bereich“, sagt Richard Horn. Die Ursache, weshalb zwei der vier Achsen entgleist sind, ist bisher noch unklar. Und auch was die Reparatur der Schienen kosten wird und ob die Zugmaschine Schaden genommen hat, ist nicht sicher.

Glücklicherweise ist der Unfall nicht bei voller Fahrt passiert, sondern beim Rangieren – also im Schritttempo. Der Zug sollte neu zusammengestellt werden. An einer Weiche rutschte die Zugmaschine zwischen die Gleise. Menschen ist nichts zugestoßen. „Außer dem Lokführer, dem ist der Schock in die Glieder gefahren“, sagt Horn.

Nach dem Notruf kamen relativ schnell Mitarbeiter von der Bahn. „Sie haben uns mit Rat und Tat geholfen“, sagt Horn.

Die Bahngäste, die am Abend und am Morgen danach unterwegs waren, wurden nicht beeinträchtigt. Auch künftig wird es keine Störungen dadurch geben.

Die Fahrten der Waldbahn nach Welzheim, die ab Mai starten, werden vom Unfall auch nicht beeinträchtigt – selbst wenn die Lok repariert werden muss. Zum einen gibt es noch eine zweite Diesellok, und zum anderen sind im Mai sechs Dampflokfahrten eingeplant. Das heißt, statt einer Dieselmaschine kommt die 75-jährige Dampflok zum Einsatz. Und es gibt sogar noch eine weitere Weiche, über die der Zug neu zusammengestellt werden kann.

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