Schorndorf Abiausflug mit 52-jähriger Verspätung

Der Abijahrgang 1966 bei seinem um 52 Jahre verspäteten Ausflug nach Norwegen – hier an der Hafenpromenade von Oslo. Foto: Privat

Schorndorf. Abiausflüge waren zumindest früher gang und gäbe. Oder aber Ausflüge ein Jahr vor der Reifeprüfung. Nicht üblich ist, was jetzt ein paar gestandene Siebziger gemacht haben: einen Abiausflug mit exakt 52-jähriger Verspätung. Sie dürfen für sich wohl die Einmaligkeit schlechthin in Anspruch nehmen, die Männer und Frauen des Schorndorfer Abijahrgangs 1966.

Auch in Zeiten sozialer Medien ist es ein guter Brauch, sich hin und wieder im realen Leben zu begegnen: so auch der Abijahrgang Herbst 1966 des Gymnasiums Schorndorf. Gymnasium Schorndorf? Ja, so steht es im Abizeugnis dieser Damen und Herren. Es gab damals in Schorndorf nur ein – fast namenloses – Gymnasium. Und Herbst 1966? Gab es auch ein Abi Frühjahr 1966? Ja, wegen der Umstellung des Starts in das neue Schuljahr von Frühjahr – nach den Osterferien – auf Herbst – nach den Sommerferien – gab es zwei Kurzschuljahre.

Kein Abischerz, kein Abiausflug und kein Abiball

Das erste Kurzschuljahr war zugleich das letzte Schuljahr besagter Damen und Herren. Es dauerte nur wenige Wochen, von den Osterfreien bis zu den Pfingstferien, dann war schriftliches Abitur, nach den Sommerferien mündliches Abitur. Es gab keinen Abischerz, keinen Abiausflug und keinen Abiball. Und dann ging es in den nächsten Lebensabschnitt. Die Abiturienten von 1966 hatten sozusagen ein frühes G 8 hinter sich.

Viele Ehemalige erschienen zum "Goldenen Abitur" im Oktober 2016

Zur Vorbereitung des „Goldenen Abiturs“ im Herbst 2016 gab es den nostalgisch anmutenden Vorschlag, auch die Schule zu besuchen. Die Enttäuschung war groß, als dem Tippgeber mitgeteilt werden musste, dass anstelle des Blicks in die Vergangenheit nur der Blick in die Baugrube des Burggymnasiums möglich sei.

Zum „Goldenen Abitur“ im Oktober 2016 erschien eine beachtliche Zahl Ehemaliger, auch Lehrer, in Schorndorf, genoss zunächst den Blick von der Skybar über die Stadt, wandelte dann auf den Spuren Gottlieb Daimlers durch die Stadt und beschloss den Tag im „Kesselhaus“.

Zwischen Idee und Umsetzung vergingen mehr als zwei Jahre

Zwei der 1966er-Abiturienten leben schon seit vielen Jahren in Norwegen. So kam zu sehr später Stunde die Idee auf, nicht nur die alten Schorndorfer Pfade auszutreten, sondern auch „auswärts“ ein Treffen zu veranstalten. Am folgenden Tag stand im Theaterhaus Stuttgart der Besuch der Ausstellung „Airlines-Vogelspuren in der Luft“ des Co-Abiturienten Lothar Schiffler auf dem Programm. Der Abschluss im Höhencafé Killesberg, die Höhenluft, ließ die späte Idee des Vorabends nicht verwehen, sondern vertiefte sie.

Nach längeren Planungen des dreiköpfigen Organisationsteams startete das Projekt knapp zwei Jahre später in Oslo. Eine Woche verbrachte die Gruppe in Norwegen, erlebte dabei sehr viel und ließ noch mehr Erinnerungen aufleben.

Flieger verpasst, Gepäck später angekommen und Fähre zu früh abgefahren

Alles verlief reibungslos, ohne spektakuläre Ereignisse. Aber die Trolle, listenreiche Kobolde, haben auch die Gruppe nicht verschont. Es begann damit, dass einer in Frankfurt beim Umsteigen das Flugzeug verpasste, dass ein Teil des Gepäcks erst drei Stunden nach den Passagieren mit einem anderen Flugzeug in Oslo ankam und dass drei die acht Minuten zu früh (!) abfahrende Fähre nach Bergen verpassten und die Strecke mit dem Bus zurücklegen mussten. Auch das bot aber einen eindrucksvollen Blick auf die norwegische Küstenlandschaft. Letzten Endes haben sich die Trolle nicht durchgesetzt. Beim Abendessen war die Gruppe immer komplett, jeder hatte rechtzeitig vor der Nachtruhe, die allerdings in Norwegen um diese Jahreszeit sehr kurz ist, seinen Koffer wieder und viel zu erzählen.


Der Schlusssatz

Klaus Ehmann aus Schorndorf hat die Infos zu diesem außergewöhnlichen Abiausflug zusammengetragen. Am Ende schreibt er: „So viel zum Abiausflug des Jahrgangs Herbst 1966, zur Ausgestaltung einer guten Tradition. Tradition heißt nicht Asche aufbewahren, sondern die Flamme weiterzutragen (Jean Jaures). Was haben wir gemacht? Weder das eine noch das andere. Wir sind einfach – wenn auch spät – gemeinsam auf Reisen gegangen, und es hat mächtig Spaß gemacht.“

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