Schorndorf Bahnlärm stört Anwohner

Archivbild. Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf-Weiler. Was stört die Ruhe in den Sommerferien, fragt die Weilermerin Doris Vogel? Wespen? Rasenmähende Nachbarn? Nein. „Es sind diese kleinen gelben Dinger entlang der Schienen.“ Die Rede ist von Signalanlagen: Wenn sich ein Zug der Baustelle am Weilermer Bahnhof nähert, blinken sie auf und produzieren einen Lärm, der durch Mark und Bein dringt. Das nervt. Hat aber gute Gründe, versichert die Deutsche Bahn.

„Achtung! Sehr laute Warnsignale. Bitte Abstand halten“. Niemand kann behaupten, die Deutsche Bahn hätte nicht gewarnt. Doch ist das irgendwie auch kontraproduktiv. Denn die weißen Zettel, die an den Signalanlagen angebracht sind, sorgen naturgemäß für Neugierde. Was steht da doch gleich auf diesen blinkenden Lampen neben dem gelben Kasten? Wer sich im ungünstigsten Zeitpunkt zum Lesen nach vorne beugt, kriegt zur Strafe was auf die Ohren: Ein penetrantes Sirenengeräusch ertönt für Sekunden aus den Lautsprechern, sobald sich ein Zug dem Bahnhof nähert. Das Geräusch ist kilometerweit zu hören, versichern Weilermer, Winterbacher und Schorndorfer. Manch ein Fahrgast zuckt zusammen, wenn die schiefen Töne erklingen. Im besten Fall auch die Gleisarbeiter. Ihnen gilt die kakofonische Beschallung.

Sirenenlärm muss lauter sein als Maschinen- und Baulärm


Bei den Arbeiten zwischen Fellbach und Schorndorf wird derzeit eine Menge Staub aufgewirbelt. Riesige Maschinen erneuern die Gleise. Es scheppert, hämmert und rattert. Die Gleisumbaumaschine ist ein Koloss. Sie fährt über die gesperrten Gleise und wechselt in einem Abwasch Schotter, Schwelle und Schiene aus. Männer mit orangefarbenen Warnwesten wuseln um den Umbauzug, wohlweislich mit Ohrenschützern ausgestattet. Die brauchen sie, um sich vor dem Lärm zu schützen. Und genau diese Schalldämpfer sind das Problem für die Weilermer, die seit Tagen fast 24 Stunden täglich belästigt werden, erklärt Roland Kortz von der Deutschen Bahn.

Damit der Zugverkehr zwischen den Städten nicht gänzlich zum Erliegen kommt, wird abschnittsweise immer nur ein Gleis erneuert, das andere wird weiterhin befahren. „Die Mitarbeiter müssen vor diesen Zügen gewarnt werden“, sagt Kortz. Das Problem: Weil die Maschinen so viel Lärm produzieren, müssen die Sirenen noch lauter sein. Das Warnsystem funktioniert auf dreierlei Weise: Die Lampen neben den Lautsprechern blinken auf, wenn sich ein Zug nähert. Gleichfalls erhalten die Bauarbeiter über Funk ein Warnsignal in ihre Ohrenschützer. Falls diese beiden Sicherheitsvorkehrungen nicht greifen, soll die laute Sirene die Mitarbeiter als letzte Instanz vor Zügen warnen. Da die Arbeiter im Schichtdienst auch nachts schaffen, ertönt auch zur Schlafenszeit in regelmäßigen Abständen das grässliche Sirenengeheul.

Und das nervt einige Weilermer, auch weil sie vorher nicht informiert wurden. „Eine Warnung vorab wäre lobenswert gewesen“, sagt ein junger Mann. Dem widerspricht der Bahnsprecher. Im Internet und auch in den Zeitungen habe man die Menschen vorgewarnt. Nur wenn Baumaßnahmen größeren Ausmaßes anstehen, schreibe man die betroffenen Haushalte direkt an. Darauf habe man in Weiler verzichtet.

Andere Anwohner zeigen sich verständnisvoll, beispielhaft der Winterbacher Georg Moritz: „Das macht mir nichts aus. Die Reparaturen müssen ja gemacht werden.“ Ein Mann sagt schicksalsergeben: „Es nervt nur so lange, bis man eingeschlafen ist.“

Kortz versichert, dass man die akustische Belästigung der Anwohner in Grenzen halten will. Eben darum würden die Schienen ja im laufenden Betrieb und auch nachts erneuert – bewusst in der Ferienzeit, weil es dann weniger Pendler gibt. „Die Signalanlage gehört zu den arbeitsrechtlichen Schutzmaßnahmen“, erklärt er. „Die Arbeiter müssen die Sirene auch mit Ohrenschützer hören können. Das lässt sich nicht vermeiden“, bittet er um Verständnis.

Ob die Technik nicht etwas antiquiert sei? Als finale Schutzmaßnahme könne man noch nicht auf die Sirene verzichten, auch weil man am Tag die blinkenden Lampen kaum sehen könne. Wie lange das noch so weitergehen wird? „Solange wie gebaut wird, gibt es die Signale.“ Etwas Trost kann er den gebeutelten Weilermern spenden: „Solche Baumaßnahmen stehen nur alle 20 bis 30 Jahre an.“ Und der Zeitplan werde derzeit eingehalten. Heißt: Am 2. September um 4.30 Uhr ist es wieder ruhig.

Nicht barrierefrei

Die Hoffnungen, dass bei den Gleisarbeitern auch gleich ein barrierefreier Bahnhof gebaut wird, trügen. „Es werden ausschließlich Gleisarbeiten durchgeführt“, sagt Herbert Schuck, Tiefbauamtsleiter. Seit Jahren gebe es Planungen der Deutschen Bahn, den Weilermer Bahnhof barrierefrei zu gestalten. Derzeit laufe ein abschließendes Verfahren. Schon im nächsten Jahr könnten die Bauarbeiten beginnen – wenn entsprechende finanzielle Mittel vorhanden sind. Die Bahn will keinen festen Termin nennen.

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