Schorndorf Bald bessere Buslinie nach Oberberken

Möglicherweise müssen Jugendliche aus Oberberken künftig seltener aufs Handy schauen, um zu wissen, wann ein Bus fährt. Foto: ZVW/Gaby Schneider (Archiv)

Schorndorf. Die Oberberkener und vor allem die Jugendlichen aus Oberberken dürfen sich freuen: Schon zum 1. Oktober könnte zwischen Schorndorf und Oberberken ein besser getakteter und zeitlich ausgeweiteter Busfahrplan gelten. Möglich macht das die Bereitschaft des Landkreises und der Stadt, pro Jahr jeweils Zusatzkosten in Höhe von knapp 9000 Euro zu übernehmen.

Lange war die von der Regiobus Stuttgart betriebene Buslinie 260 zwischen Schorndorf und Göppingen mit Stopps in Ober- und Unterberken aus Sicht der Stadt „ein Sorgenkind“ – im Gegensatz zur Linie 261, die Schorndorf mit Schlichten verbindet und die laut Manfred Beier, Leiter des städtischen Fachbereichs Stadtentwicklung und Baurecht, „wesentlich besser funktioniert“. Was sich formal damit erklären lässt, dass für die eine Linie der Landkreis Göppingen und die andere der Landkreis Esslingen zuständig ist. Mit Blick auf die bisherige Linie 260 sprach Beier im Ausschuss von einem „Fahrplan, der alles andere als im Takt ist“, gar von einem „chaotischen Fahrplan, der nicht mehr zeitgemäß ist“.

Weil im direkten Kontakt mit dem Landkreis Göppingen und der Regiobus Stuttgart keine Verbesserung zu erreichen war, hat sich die Stadt schon vor einiger Zeit an den Landkreis Rems-Murr gewandt mit dem Ansinnen, einen dichteren und in die Abendstunden hinein ausgeweiteten Takt für die Linie 260 zu erreichen. Was natürlich nicht mit dem vereinbarten Basisangebot und nicht ohne zusätzliche Fahrtenpaare zu erreichen war. Was aber auch bedeutete, dass zusätzliche Kosten am Landkreis Rems-Murr und an der Stadt Schorndorf hängenbleiben würden. Dabei geht es jährlich um genau 8931,92 Euro beziehungsweise in diesem Jahr um den anteiligen Betrag für ein Quartal. Was der Stadt deshalb weniger wehtut, weil sie seit der Übetragung des Busliniennetzes auf den Kreis jährlich knapp 170 000 Euro einspart.

Entscheidend ist, nicht ständig über Fahrzeiten nachdenken zu müssen

Dass es jetzt tagsüber zu den Hauptverkehrszeiten einen Halbstundentakt und ansonsten einen Einstundentakt und in den Abendstunden und vor allem an den Wochenenden spätere Fahrten gibt – die letzte ab Schorndorf um 21.20 Uhr und am Wochenende um 21.23 Uhr – ist aus Sicht von Manfred Beier genauso erfreulich, wie die Tatsache, dass es endlich einheitliche Taktzeiten gibt. „Das Entscheidende für einen funktionierenden ÖPNV ist doch, dass die Leute nicht ständig über die Fahrzeiten nachdenken müssen“, sagte bei der Vorberatung im Technischen Ausschuss der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Berger und nannte es mit Blick auf Manfred Beier „super, was sie da für 9000 Euro erreicht haben“. Zuletzt im Juni hatten zwei Jugendliche aus dem SOS-Kinderdorf über die unregelmäßigen Taktzeiten und darüber geklagt, dass abends vor allem am Wochenende teilweise schon nach 17 Uhr kein Bus mehr von Schorndorf nach Oberberken fährt.

Die Mitglieder des Technischen Ausschusses ließen keinen Zweifel daran, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung am 26. September dem Verwaltungsvorschlag folgen und der Übernahme der Kosten für die Taktverdichtung auf der Linie 260 zustimmen wird.

Dieser Betrag sei mehr als gerechtfertigt, auch wenn die Verbindungen vor allem am Wochenende immer noch nicht perfekt seien, meinte SPD-Stadtrat Marcel Kühnert, der die aktuelle Situation als „völlig unbefriedigend“ einstufte. „Danke für Ihre Hartnäckigkeit“, sagte er an die Adresse von Manfred Beier. Die Bürger in Oberberken hätten zumindest den Mindeststandard verdient, sagte FDP/FW-Stadträtin Kirsten Katz, und auch CDU-Stadtrat Thomas Schaal fasste sich mit seinem Lob kurz: „Applaus! Das ist seit vielen Jahren überfällig.“ Und weil sich manche wie etwa GLS-Stadtrat Werner Neher oder der Oberberkener Ortsvorsteher Siegbert Doring vor allem für die Abendstunden und fürs Wochenende noch mehr erhofft hatten, kommentierte FDP/FW-Stadtrat Gerald Junginger die jetzt erreichten Verbesserungen so: „Besser als nix.“


Vorläufiger Verzicht aufs Ruftaxi

„Auf ein Ruftaxi wird dauerhaft verzichtet“: Diese Formulierung in der Sitzungsvorlage für den Technischen Ausschuss, brachte Grünen-Stadträtin Kirsten Katz zu der Frage, wie es zu diesem kategorischen Ausschluss komme. Sie sei der Meinung, dass es das Ruftaxi zumindest am Wochenende brauche, „Kosten hin oder her“.

Woraufhin sich SPD-Fraktionschef Thomas Berger daran erinnerte, dass das Ruftaxi deshalb nicht mehr fährt, weil sein Einsatz teurer käme, als wenn jedem einzelnen Nutzer die normale Taxifahrt bezahlt würde. Was der zuständige Fachbereichsleiter Manfred Beier bestätigte und um den Hinweis ergänzte, dass sich die Ruftaxifrequenz in der Regel auf ein bis zwei Personen beschränkt habe. Die grundsätzliche Frage, so Beier, sei halt, für wen man etwas tun wolle. Und im Fall Oberberken sei die Verwaltung der Meinung, dass es richtig sei, sich auf die Hauptverkehrszeiten und Taktfahrplan zu konzentrieren.

Weil aber auch Ortsvorsteher Siegbert Doring die Formulierung mit dem dauerhaften Verzicht nicht gefiel, schlug Oberbürgermeister Matthias Klopfer vor, „dauerhaft“ durch „vorläufig“ zu übersetzen. Wobei es, so Manfred Beier, dem Gemeinderat jederzeit und unabhängig von der Formulierung jederzeit möglich sei, wieder ein Ruftaxi zu fordern.

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