Schorndorf Baustelle auf B 29 und auf Remsbahn-Linie

Schorndorf. Die Männer von der Schwarzkolonne haben einen heißen Job. Nicht das Finanzamt macht ihnen das Leben zur Vorhölle, sondern die Arbeit an der zu erneuernden B 29 im stabilen Hoch – samt stabilen Höchsttemperaturen.

Das ist für uns der Inbegriff von Italien: Dieses Flirren und Flimmern über der Piazza. Die Menschen, die wandelnden, erscheinen komisch entmaterialisiert. Sie schweben auf einem instabilen Luftkissen, kommen einem seltsam dürr vor. Derweil das Auge links und rechts der Strada nichts Grünes findet. Alles verdorrt.

Gut, verdorrt ist das Straßenbegleitgrün hier nicht. Noch nicht. Freilich auch nur, weil es gnädigerweise am Sonntag und Montag regnete.

Aber wer die Luftmoleküle tanzen sehen will, der begebe sich doch bitte an diesen Arbeitsplatz. Es ist, versetzen wir uns in die Lage der Helden der Arbeit am Remstal-Highway, so brütend wie in einem Backofen. Nur hat der keine Umlufttechnik. Luft zufächelnder Wind? Null. Die Kuchenmasse fließt ins Blech respektive ins freigefräßte Straßenbett, der Schwarzteig hat eine Temperatur um die 150 Grad. Dazu brennt der Planet gnadenlos auf Körper, die heute sehr viel bedeckter sein müssen. Der Straßenarbeiter hat längst auch schon was von Hautkrebs gehört. Die Sicherheitsvorschriften verlangen Starkfarbiges am Leib.

Zu all dem gibt es noch Artgenossen unter den Autofahrern, die man asozial nennen sollte. Sie stehen im Stau, drücken auf den Scheiben-Runterlasser und blaffen raus: Ihr Lahmä ... , könnt ihr nicht schneller arbeiten.

Arme Autofahrer jammern, sie hätten keine Klimanlage und stehen hier nun wie festgeklebt. Das Gejammer wirkt wie Hohn auf die Arbeiter. 60, 70 Grad ohne Schatten muss kein Autofahrer aushalten. Es ist übrigens nicht mehr so, dass besonders viele relativ sonnenresistente Süditaliener beim Straßenbau arbeiten. Die Quote der Südeuropäer sei in diesem Segment des Tiefbaus auch nicht mehr anders als anderswo. Geschwitzt wird solidarisch. Die Firma kann dann schon mal mit einem höheren Posten für Getränke rechnen.

Bitte mehr Solidarität mit den Straßenarbeitern!

Um auch gleich mal das abzuhandeln: Die Schimpfer unter den Autofahrern schimpfen gerne, dass da ja niemand auf der Baustelle zu sehen sei. Elmar Nuding, der Leiter der Maßnahme von Seiten des beauftragenden Regierungpräsidiums, hält dagegen. Es könne schon sein, dass eine Schnellstraßenbaustelle gleich mal auf zehn Kilometer abgesperrt wird und nur auf einem wird gearbeitet. Aber die Verkehrssicherer, meist ein eigener Job von Nachunternehmen, müssen eben auch ihren Job so machen, dass der Autofahrer nicht gefährdet wird – und sie selbst auch nicht.

Mindestens 25 Mann der Arbeitsgemeinschaft Kirchhoff mit Wolff&Müller sind täglich am Schwitzen, vom Fahrer der Großfräse bis zum Brückensanierer. Dazu kommen nochmals so viele Fahrer für die Lastwagen des abgeraspelten Abraums. Der übrigens zu 100 Prozent wieder eingebaut wird. Nicht in die Deckschicht, aber in die Tragschichten drunter.

Wann ein Straßenbelag hinüber ist, sehen Straßenbauer etwa dann, wenn der Regen abtrocknet. Es bleiben an den Stellen länger dunkle Stellen, die Risse aufweisen. Für die Experten des Regierungspräsidiums war es Zeit, sich wieder die B 29 vorzunehmen. Es soll hier im Süden nicht so weit wie in Nordrhein-Westfalen kommen, wo kurz mal eine Brücke einer Hauptverkehrsschlagader gesperrt werden muss. Weil sie baufällig ist. Wer zeitig eingreift, muss auch nicht von Grund auf sanieren. Im Remstal reicht es, die oberste Schicht den rotierenden Fräßmeißeln auszusetzen. Wobei es immer Stellen gibt, bei denen punktuell tiefer gegangen werden muss.

Zum Einsatz für die neue Decke kommt Splittmastic-Asphalt (SMA) 8 S – für den, der es genau wissen will. Material, bei dem Steinchen auf Steinchen steht. Gut verklebt mit Bitumen. Das sei Voraussetzung, sagt Nuding, dass es nicht so schnell zu Verdrückungen kommt, damit zu Spurrillen.

Im Vorfeld baten die Kommunen um den Einbau von Flüsterasphalt. Dann freilich hätte viel mehr abgefräst werden müssen, die Nutzungsdauer ist zudem geringer. Der neue Belag ist um zwei Dezibel leiser, was freilich kaum wahrgenommen wird.

So also schaffen sie. Eine „sehr harte Arbeit“, sagt der Kirchhoff-Vormann, der seit Wochen vor seinem Bauzeitenplan sitzt. Ein sehr abstraktes Ding für den, der einmal draufschaut. Der Baustellenleiter hat es ja gut. Er sitzt im Container in der Schorndorfer Baumwasenstraße. Ein Baum wirft Schatten. Hier ist es angenehm, derweil die Schwarzkolonne ihrem kriminell heißen Geschäft nachgeht.

Nichts Einfaches

Die Schornbach-Brücke bekommt bei der Gelegenheit einen prüfenden Blick. Nix Tragisches, sagen die Baustellenleiter. Von „punktuellen Schadstellen“ spricht Elmar Nuding. Dass immer wieder Autobahnbrücken saniert werden müssen, habe oft mit deren Alter zu tun. Neuere, und dazu gehört die Schornbach-Brücke, haben einen viel besseren Standard. Wobei, sagt Nuding: „Es gibt auf der ganzen Welt nichts Einfaches mehr.“

Die beiden Tunnel auf Höhe Schorndorf kommen ebenfalls dran. Freilich sind es nur vorbereitende Arbeiten etwa für neue Leitungen. Damit später etwa Wechselverkehrszeichen an den Tunnelmündern aufgestellt werden können. Die Sicherheitsvorschriften verschärfen sich laufend.

Die sieben Wochen Bauzeit werden als ambitioniert bezeichnet. Noch ist die Arbeit im Plan, auch wenn am Montag irgendwann aufgehört werden musste. Der Starkregen war zu stark.

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