Schorndorf Beleidigung eines Polizisten kostet 1750 Euro

, aktualisiert am 14.08.2019 - 13:12 Uhr
Symbolbild. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Schorndorf. Obwohl mehrfach und auch schon einschlägig vorbestraft, ist ein 26-Jähriger, der ihm Rahmen einer Verkehrskontrolle einen Polizisten beleidigt hatte, mit einer Geldstrafe davongekommen. „Ist vielleicht besser, er steht bei seiner Freundin unter Bewährung als bei uns“, erklärte Richterin Petra Freier scherzhaft, warum sie keine Freiheitsstrafe verhängt hat.

Dies mit Blick darauf, dass sich der in einer Schurwaldgemeinde außerhalb von Schorndorf lebende Angeklagte, der bis 2016 vier Eintragungen ins Strafregister – darunter auch zwei wegen Beleidigung – gesammelt hat, allem Anschein nach sowohl privat wie beruflich stabilisiert hat. Privat dadurch, dass er mit seiner Freundin zusammenlebt, die ihm vor allem seinen unkontrollierten Alkoholkonsum abgewöhnt hat, und beruflich durch eine Festanstellung. Zugute hielt die Richterin dem Angeklagten aber auch, dass die letzte Beleidigung eines Polizeibeamten fünf Jahre zurückliegt und dass er seine jüngste Bewährung durchgestanden hat. Wobei die zum Tatzeitpunkt zwar schon abgelaufen, aber noch nicht förmlich widerrufen war. „Wir sollten nicht gleich wieder das Damoklesschwert einer Bewährung über ihm schweben lassen“, meinte Petra Freier und sah von der von der Vertreterin der Staatsanwaltschaft georderten kurzen Freiheitsstrafe ab, obwohl sie, so die Richterin, diesen Strafantrag durchaus nachvollziehen könne. Stattdessen wurde der Angeklagte zu einer Geldstrafe in Höhe von 1750 Euro verurteilt, die er in 150-Euro-Raten abstottern kann.

Angeklagter schämt sich

„Ich schäme mich allein schon dafür, dass ich hier sitze“, sagte der Angeklagte und entschuldigte sich beim als Zeuge geladenen Polizeibeamten für seine Beleidigung und beim Gericht für die von ihm verursachten Unannehmlichkeiten. Das hatte sich am 2. Januar dieses Jahres noch ganz anders gehört. Da war der mit insgesamt drei Personen besetzte auffällige Pkw eines Bekannten, der ohne gültige Fahrerlaubnis, dafür aber mit reichlich Alkohol am Steuer saß – der Mann ist mittlerweile zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden – gegen 23.30 Uhr in der Rosenstraße von einer Polizeistreife angehalten worden – zur „allgemeinen Verkehrskontrolle“, wie es beamtendeutsch heißt. „Vielleicht weil unser Auto so komisch aussah“, vermutete vor Gericht der Angeklagte, der seinerzeit einen Polizeibeamten – mittlerweile war eine zweite Streife zur Verstärkung angefordert worden – als „Schmog“ und mit dem Satz „Was für ein Schwanz, Alter“ beleidigt hatte. Er habe „erst geredet und dann erst nachgedacht“, versuchte der 26-Jährige seinen Aussetzer zu erklären, für den er sich auch gleich entschuldigt habe. Allerdings habe der Polizist die Entschuldigung damals nicht angenommen. Auch das sah jetzt vor Gericht anders aus: „Passt schon“, reagierte der als Zeuge geladene Polizeibeamte auf das „Tut mir leid“ des Angeklagten. Und, so fügte der Zeuge („Normalerweise bin ich nicht der, der gleich jede Beleidigung anzeigt“) hinzu: „Es ist ja gut, wenn Sie aus der Sache etwas gelernt haben.“

Bezüglich seines damaligen Alkoholkonsums vermochte der Angeklagte auf Frage der Richterin nur sagen, dass er mit seinen beiden Kumpels zuvor in einer Kneipe war – „Aber fragen Sie mich nicht, in welcher“ – und dass er schätzungsweise drei oder vier Whisky-Cola getrunken hatte. Diese alkoholbedingte Enthemmung könnte auch nach Einschätzung der Vertreterin der Staatsanwaltschaft ein Grund für den Ausraster des 26-Jährigen gegenüber der Polizei eine Rolle gespielt haben. Genauso wie der von seinem Verteidiger ins Feld geführte Umstand, dass er zu dieser Zeit einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten hatte: Seine Freundin hatte nämlich zwei Monate vorher im sechsten Schwangerschaftsmonat Zwillinge verloren.

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