Schorndorf Bewegungskindergarten kostet 1,5 Millionen Euro mehr

Bevor sich die Kinder im Bewegungskindergarten bewegen, bewegen sich erst einmal die Kosten – und zwar kontinuierlich nach oben. Foto: Palmizi / ZVW

Schorndorf. Obwohl die Sprecher fast aller Fraktionen die voraussichtlichen Mehrkosten beim Bauprojekt „Bewegungskindergarten mit Mehrzweckgebäude“ im Sportpark Rems mindestens als „ärgerlich“ empfinden, hat der Gemeinderat den Mehrkosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro – eine Million sind’s nach Abzug der noch einmal erhöhten Fördermittel – schlussendlich doch fast geschlossen zugestimmt.

Mittlerweile liegt das Projekt, in dem außer einem sechsgruppigen Kindergarten auch Sporthallenkapazitäten und Umkleidebereiche für das benachbarte SG-Stadion untergebracht werden, bei 8,3 Millionen Euro und damit um 1,5 Millionen oder 22 Prozent – 15 Prozent unter Berücksichtigung der höheren Fördersumme – über den dem Baubeschluss zugrundeliegenden Kosten in Höhe von 6,8 Millionen Euro. Ursprünglich war für das Projekt eine Obergrenze von sogar nur sechs Millionen Euro vorgegeben gewesen. Als Ursachen für die Kostensteigerungen führt die Verwaltung Baupreissteigerungen und Anpassungen beim pädagogischen Betriebskonzept geschuldeten Umplanungen (610 000 Euro), höhere Entsorgungskosten für die Reste des ehemaligen Altlache-Freibads (500 000 Euro), nicht realisierbare Einsparungen durch Flächenreduzierung (180 000 Euro) und einen Risikopuffer (210 000 Euro) an. Dafür aber, so Finanzbürgermeister Thorsten Englert, entstehe auch „etwas Einzigartiges, auf das Schorndorf stolz sein kann“. Im Übrigen, so Englert, seien die Kosten für den Bewegungskindergarten auch unter dem Aspekt „ein Stück weit vertretbar“, als es heutzutage normal sei, dass der Bau einer Kindergartengruppe 750 000 Euro koste („Manche zahlen schon eine Million“) und die Stadt beim Bewegungskindergarten gerade mal 30 000 Euro je Gruppe darüberliege.

Bauzeitplan verzögert sich um ein Vierteljahr

Gleichwohl zieht die Stadt Konsequenzen aus den Erfahrungen beim Bewegungskindergarten insofern, als sie bei den geplanten Kinderhäusern Haldenstraße in Haubersbronn – für dieses Vorhaben hat der Gemeinderat jetzt den Baubeschluss gefasst – und Stöhrerweg in Schorndorf-Nord auf ein Verfahren setzt, das außer Qualität auch Kostensicherheit und Termintreue garantiert. So soll die sechsgruppige Einrichtung an der Haldenstraße schlüsselfertig nur 4,35 Millionen Euro kosten und nach nur einjähriger Bauzeit in Betrieb gehen können. Im Gegensatz dazu verzögert sich der Bauzeitenplan für den Bewegungskindergarten um rund ein Vierteljahr, was bedeutet, dass er vermutlich erst im Juli 2019 eröffnet wird. Dann sollen erst einmal die vom Kindergarten „Sonnenbogen“ in die neue Einrichtung wechselnden Kinder eingewöhnt werden, ehe mit Beginn des Kindergartenjahres 2019/20 auch die neu angemeldeten Kinder aufgenommen werden.

Peter Erdmann freut sich trotzdem – „zähneknirschend“

„Es ist natürlich ärgerlich, wenn sich ein Gutachter so täuscht“, sagte im Gemeinderat FDP/FW-Stadtrat Peter Erdmann in Anspielung auf die zunächst nicht erkannten Probleme im Untergrund. Aber auch in Kenntnis dieser Probleme und ihrer finanziellen Auswirkungen hätte er, so Erdmann, „wahrscheinlich trotzdem zugestimmt“, weil das, was an dieser Stelle und als weiterer markanter Baustein des Sportparks Rems entstehe, „ein Highlight“ sein werde. „Ich freue mich trotzdem – zähneknirschend“, meinte der FDP/FW-Stadtrat. Von einem „Vorzeigeprojekt“, das Kindern und Sportlern gleichermaßen zugutekomme, sprach SPD-Stadträtin Silke Olbrich und stellte für ihre Fraktion fest: „ Wir sind auf jeden Fall dafür und stolz darauf, dass so etwas kommt.“

Hermann Beutels Abrechnung mit der „Idee des Oberbürgermeisters“

Zeit für CDU-Fraktionschef Hermann Beutel, „nach der SG-Phalanx etwas Wasser in den Wein zu gießen“. Und zwar zunächst mit dem an die SPD-Fraktion gerichteten Hinweis, dass sie es gewesen sei, die seinerzeit beim Neubau der Barbara-Künkelin-Halle sehr genau auf die Einhaltung des Kostenrahmens geachtet habe. Was das konkrete Projekt angehe, so sei es zunächst einmal „die Idee des Oberbürgermeisters“ gewesen, einen Bewegungskindergarten zu bauen und ihn an einem Standort zu bauen, bei dem von vornherein klar gewesen sei, dass alle Kinder mit dem Auto gebracht werden müssten. Und, so Beutel weiter, was den Untergrund angehe, „so hätte man eigentlich wissen können, mit was die Stadt ihr Freibad seinerzeit aufgefüllt hat“. Und da er schon mal in Fahrt war, kritisierte der CDU-Fraktionschef auch noch, dass die von der Stadt versprochene Kompensation durch den Wegfall von zwei Hallen hinfällig sei, weil zumindest die Turnhalle der Albert-Schweitzer-Schule noch viele Jahre erhalten bleibe. Insgesamt sei das Projekt „ein Negativbeispiel dafür, wie man so ein Bauvorhaben durchdrückt“, meinte Beutel und nannte die Mehrkosten „hochgradig ärgerlich“.

OB: Kein Prestigeobjekt, sondern ein sinnvoll überlegtes Projekt

Als Hermann Beutel auch noch von einem „Prestigeobjekt, bei dem sich alles schönreden lässt“, sprach und dem Oberbürgermeister nachweislich zu Unrecht vorwarf, der Gemeinderat sei zu spät über die sich abzeichnenden Mehrkosten informiert worden – tatsächlich ist das erstmals in nichtöffentlicher Sitzung im März dieses Jahres passiert -, griff Matthias Klopfer in die Debatte ein. „Unbestritten, die Kostensteigerung ist nicht gut, aber es handelt sich um kein Prestigeprojekt, sondern um ein sinnvoll überlegtes Projekt“, sagte er und ließ auch den Hinweis auf die fehlende Kompensation nicht unwidersprochen stehen. Klar sei, dass die Fuchshof-Schule samt Turnhalle bis 2025 und die Albert-Schweitzer-Schule samt Turnhalle bis 2030 wegfielen und damit nicht nur die Folgekosten bei den Sportstätten reduziert werden könnten, sondern überdies zwei Areale für Wohnbebauung frei würden, was der Stadt zusätzliche Einnahmen bringe.

Zumindest relativiert wurden Beutels Äußerungen auch von Grünen-Fraktionschefin Andrea Sieber. „Es geht hier nicht in erster Linie um die SG, sondern um die Beschaffung von dringend benötigten Betreuungsplätzen“, machte sie deutlich und ließ auch die unterschwellige Kritik, dass der Kindergarten bis zur Eröffnung der Remstal-Gartenschau nicht fertig werde, nicht gelten: „Das ist kein Gartenschau-Projekt.“ Und obwohl die Mehrkosten natürlich „ganz bitter“ seien – zumal das Gebäude schon stehe und sich nichts mehr korrigieren lasse –, so handle es sich doch um „ein Leuchtturmprojekt mit einem guten Konzept und einem Top-Träger“.

Nur ein Stadtrat stimmt explizit dagegen

Aus Sicht von Grünen-Stadtrat Werner Neher hätten sich die überraschenden Kostenentwicklungen sowohl beim Burg-Gymnasium als auch beim Bewegungskindergarten vermeiden lassen. Beim Burg-Gymnasium mit einem Aufruf an alte Schorndorfer Handwerker, die möglicherweise etwas zur alten Bausubstanz hätten sagen können, was sich in Archiven nicht so ohne weiteres finden lasse. Und beim Bewegungskindergarten, indem man das ehemalige Schwimmbad-Areal mit einer Drohne untersucht hätte, wie das in der Archäologie heutzutage gang und gäbe sei. Zumindest dem ersten Vorschlag stand SPD-Fraktionschef Thomas Berger skeptisch gegenüber: „Sich darauf zu verlassen, dass ein 87-jähriger Handwerker noch weiß, welche Schrauben er damals reingedreht hat – also ich weiß nicht.“

Als es schließlich bezüglich der Mehrkosten zum Schwur kam, stimmte nur CDU-Stadtrat Manfred Bantel explizit dagegen. Zwei Stadträte enthielten sich der Stimme.


Eine ständige stellvertretende Leitung

Die bei städtischen Einrichtungen bereits umgesetzte Soll-Regelung, wonach Kindergärten mit einer höheren Gruppenanzahl eine ständige stellvertretende Leitung zugestanden wird, gilt künftig für alle Träger mit einer Einrichtung von mindestens fünf Gruppen – und zwar mit sofortiger Wirkung. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Nachdem die Stadt bislang schon der Awo eine ständige stellvertretende Leitung für den im Bau befindlichen Bewegungskindergarten und für das Kinderhaus am Schloss zugestanden hatte, ist die nächste Einrichtung, die in den Genuss dieser Regelung kommt, der katholischen Kindergarten St. Markus in der Mittleren Uferstraße, der demnächst eröffnet wird. Die katholische Kirche hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Und die Stadt ist der Meinung, dass die Begründung der Kirche, die auf die höhere Gruppenzahl und die Anbindung des Treffpunktes Familie verwiesen hatte, nachvollziehbar ist. Die nächsten Einrichtungen, auf die die jetzt beschlossene Regelung Anwendung finden dürfte, sind die jeweils sechsgruppig geplanten Kindergärten Haldenstraße in Haubersbronn und Stöhrerweg in Schorndorf-Nord.

Bei der Eingruppierung der ständigen stellvertretenden Leitung sind die Tarifabschlüsse des öffentlichen Dienstes maßgebend. Die Verwaltung geht im Einzelfall von Mehrkosten in einer Größenordnung von maximal 50 000 Euro aus.

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