„Schorndorf bringt’s“ Schülerfirma liefert Markteinkäufe nach Hause

Nick Ruoff tritt in die Pedale und liefert Kartoffeln und vieles mehr aus. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. Wer auf dem samstäglichen Wochenmarkt einkauft, hat ab sofort mehr Zeit zum entspannten Bummeln und Verweilen - ohne Gemüsebeutel am langgezogenen Arm. Die Schülerfirma „Schorndorf bringt’s“ transportiert die Einkäufe von Schorndorfern, Weilermern und Winterbachern mit dem Lastenfahrrad vor die Haustür.

Zwischen zwei Lieferzeiten können die Wochenmarktbesucher dabei auswählen. Bis die jeweilige Radlrunde startet, werden die Einkäufe im kühlen Rathaus gelagert. Für besonders leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch und Milchprodukte gibt’s sogar Kühlschränke und eine Kühlung während der Lieferfahrt. Finanziert wird das Angebot von der Stadt Schorndorf. Das Team von sechs Schülern wird nach Stunden bezahlt. Für die Kunden ist der Lieferservice vorläufig kostenlos. In Kontakt gekommen waren Stadtverwaltung und Schülerfirma, weil die Burggymnasiasten vor längerem bereits die Firma „Greenbooks“ gegründet hatten. Auf ihrem Weg von der Innenstadtschule nach Hause nehmen sie seither Buchbestellungen vom Osiander mit in ihren jeweiligen Wohnort. Wer in Buhlbronn wohnt, liefert dort aus, wer in Winterbach lebt, bringt die Bücher dort an den Leser.

Markt für Zukunft fitmachen, Neues ausprobieren

Mitarbeiter der Stadtverwaltung hatten sich schließlich überlegt, dass ein ähnliches Angebot den Wochenmarkt noch attraktiver machen könnte. Immerhin - nicht nur die Marktbeschicker werden älter, auch die Kunden haben Jahr für Jahr mehr Kerzen auf der Torte brennen. Zudem stehen die Beschicker längst nicht mehr Schlange, um auf einem bestimmten Wochenmarkt ihre Waren anbieten zu können. Wer seinen Markt für die Zukunft fitmachen will, muss also auch Neues ausprobieren, sich einen guten Ruf erarbeiten, findet Lars Scheel vom Fachbereich Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr der Stadt Schorndorf. Und nur weil der Wochenmarkt schon wirklich gut sei, heiße das nicht, dass er nicht noch besser werden könne. „Man kann auch Gutes noch verbessern.“

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Angesichts der Gartenschau ist die aktuelle Schorndorfer Parkplatzsituation einigermaßen angespannt. Nicht nur, dass es mehr motorisierte Gäste in der Stadt gibt als je zuvor. Dem langen Kulturtisch am unteren Marktplatz und etlichen Blumenkübeln an Straßenrändern sind Parkplätze zum Opfer gefallen. Wer zum Wochenmarkt will, muss häufig mehr Fußmeter zurücklegen als bisher. Ab einer gewissen Altersklasse ist das ein Problem. Vor allem, wenn Einkaufskorb und Jutetüten auf dem Rückweg vollgestopft sind mit Sellerie, Äpfeln, Kartoffeln und Co.

Die Kunden sind begeistert

Schnell kam die Stadt mit den Jugendlichen überein. Die Schülerfirma „Schorndorf bringt’s“ wurde gegründet, Flugzettel wurden gedruckt, Schichten eingeteilt. Informationstafeln wurden an die Stände auf dem Wochenmarkt verteilt. Und nun sind Svenja Breitenbücher und Nick Ruoff aus der elften Klasse des Burggymnasiums an diesem Samstagvormittag das erste Mal am Start. Direkt neben dem Haupteingang des Rathauses stehen die beiden von 8 bis 13 Uhr, daneben das schnittige E-Lastenrad, das die Stadt Schorndorf eigens zu diesem Zweck angeschafft hat.

Ein Schüler nimmt die Adressdaten der Kunden auf, der andere räumt die Lebensmittel in die Kühlung und packt sie später in das Lastenrad. Das E-Bike lässt sich erstaunlich gut lenken, findet Ruoff, der an diesem ersten Einsatztag fürs Strampeln zuständig ist. Allerdings ist er auch frisch von einer Langstrecken-Radtour zurückgekommen und deshalb so etwas wie im Training. Die Strecken, die er heute motorisiert zurücklegt, sind dagegen ein Klacks.

Und die Kunden? Die sind begeistert. Viele haben das Angebot erst auf dem Wochenmarkt wahrgenommen und waren deshalb ohnehin mit ausreichend Transportmöglichkeiten vor Ort. Also gab’s am Premierensamstag zunächst nur sechs Aufträge. „Etliche haben aber gesagt, dass sie das nächste Mal mit dem Rad oder zu Fuß kommen und sich die Parkplatzsuche sparen wollen“, berichtet Svenja Breitenbücher. So sind die Jugendlichen jetzt ordentlich gespannt auf den Ansturm, der sie hoffentlich am kommenden Samstag erwartet.

Bis Oktober 2019 soll das Angebot der Stadt in jedem Fall bestehen bleiben, was danach passiert, hängt vom Erfolg des Angebotes ab.

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