Schorndorf Brückenbaustelle noch bis 2013

Nach der monatelangen Zwangspause wird auf der Brückenbaustelle zwischen Schorndorf und Urbach endlich wieder gearbeitet. Im Moment treiben Spezialmaschinen tiefe Rammpfähle für das Brückenfundament in den Untergrund. Foto: Schneider/ZVW

Schorndorf/Urbach. Schweres Gerät rechts und links der Gleise: Endlich tut sich wieder was auf der Brückenbaustelle zwischen Schorndorf und Urbach. Landratsamt und ausführende Baufirma haben sich nach fast einem halben Jahr in Sachen Tiefengründung geeinigt. Im Herbst 2013 soll der schienengleiche Bahnübergang Geschichte sein.

Auch wenn die Baustelle über Monate ruhte, das Landratsamt ist optimistisch, dass die Baufirma den Zeitplan dennoch einhalten kann. Vergangene Woche haben die Bauarbeiter – während nächtlicher Streckensperrungen – etwa ein Viertel der Rammpfähle für das Brückenfundament gesetzt. Bis Mitte August sollen auch die von den Gleisen weiter entfernten Pfähle mit Spezialmaschinen in den Untergrund getrieben sein. Na endlich, schließlich war gerade die Art und Weise der Tiefengründung Ursache für eine monatelange Auseinandersetzung zwischen Kreisverwaltung und Baufirma. „Nach mehreren Gesprächen“, kann das Landratsamt jetzt informieren, „konnten sich die Vertragspartner auf eine Ausführungsvariante mit dem Innenrohrrammverfahren einigen“. Mit diesem Verfahren lassen sich größere Tiefen erreichen als mit der von der Baufirma ursprünglich favorisierten Außenrammung.

Schienengleicher Übergang: Rarität, Ärgernis und Gefahrenquelle

Bis Jahresbeginn sollen dann die Brückenwiderlager und die Brückenpfeiler stehen. Anschließend wird die Montage des Leergerüsts für den Brückenüberbau folgen. Steht das Brückenbauwerk, wird die Straße der neuen Verkehrsführung angepasst und in nordwestlicher Richtung verschoben. Der schienengleiche Bahnübergang wird Geschichte sein. Eine Rarität im Straßenverkehr ist er schon jetzt. Und ein Ärgernis obendrein: Etwa 19 000 Fahrzeuge fahren täglich auf der Kreisstraße zwischen Schorndorf und Urbach, 92 Züge queren den beschrankten Bahnübergang auf der Bahnlinie Stuttgart-Aalen – mit der Folge: Stau, Stau und noch mal Stau. Eine Gefahrenquelle ist der Bahnübergang außerdem. Vor allem wegen des Rückstaus, der sich hinter Linksabbiegern Richtung Hegnauhof bilden kann.

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen sind im Anschluss geplant: Im Bereich der alten Fahrbahn werden Flächen entsiegelt und naturnah angelegt. Es wird ein Auwald gepflanzt, Fledermauskästen aufgehängt, Magerwiesen geschaffen und die Straßennebenflächen in Sachen Umweltschutz verbessert. Diese Ausgleichsmaßnahmen sind Teil der Gesamtkosten, die sich inklusive Verwaltungskosten auf 6,3 Millionen Euro belaufen. Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz sind je zu einem Drittel der Rems-Murr-Kreis als Straßenbaulastträger, die Deutsche Bahn und die Bundesrepublik Deutschland an den Kosten beteiligt. Der Rems-Murr-Kreis hat auf sein Kostendrittel nach dem Entflechtungsgesetz einen 75-Prozent-Zuschuss beantragt, so dass der Eigenanteil des Kreises noch etwa 500 000 Euro beträgt. Die Bauherrenaufgaben für die Bauausführung hat die Kreisverwaltung übernommen.

Brückenbauwerk und Fliegerbombe

Das Brückenbauwerk, das den schienengleichen Bahnübergang zwischen Schorndorf und Urbach ersetzen soll, ist 100 Meter lang. Die Hauptgewerke für den Brücken- und Straßenbau wurden im Frühjahr 2011 ausgeschrieben. Mit einer Summe von 3,86 Millionen Euro wurden die Leistungen an die Firma Wolff & Müller als den wirtschaftlichsten Bieter vergeben. Offizieller Baustart mit Spatenstich war im Oktober 2011. Als Fertigstellungstermin war der Herbst 2013 in der Ausschreibung vorgegeben. Diesen Termin will die Baufirma – trotz der verstrichenen Zeit – einhalten. Um das zu schaffen, wurden Beschleunigungsmaßnahmen vereinbart.

Bevor jetzt die zwischen Landratsamt und Baufirma umstrittene Tiefengründung starten konnte, sind bei Bauarbeiten Ende 2011 aber nicht nur 20 000 Kubikmeter Erde bewegt und der Boden mit Zement angereichert worden. Es ist auch eine 500 Pfund schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zutage getreten, die der Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärft hat.
  • Bewertung
    0
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!