Schorndorf Buchhorn: Heimat der Abenteurer

Seit knapp 60 Jahren gibt’s das CVJM-Zeltlager schon / Das Ziel: Jungs die Gelegenheit zum Austoben geben

Schorndorf. Ein nicht ganz rundes Jubiläum feiern die Freunde des Buchhorn-Lagers derzeit: Vor 59 Jahren fand die erste Auflage statt, und bis heute zieht’s abenteuerlustige Jungs auf die Anhöhe bei Schwäbisch Hall. Trotz dieser ungeraden Zahl wird heuer jubiläumsgleich gefeiert, schließlich ist nicht klar, ob das jemals wieder stattfinden kann.

Bislang bevölkerten die jungen Leute vom Zeltlager Buchhorn den benachbarten Bauernhof nämlich sommerein, sommeraus mit Leben. Dort konnten die Jugendlichen und ihre Betreuer sanitäre Einrichtungen nutzen. Auch gekocht werden konnte dort zeitweise. Mittlerweile ist aber auch der Hofbesitzer wie das Lager selbst in die Jahre gekommen. Das alljährliche Treiben auf seinem Anwesen ist ihm zu anstrengend geworden, er selbst wurde schwer krank. Das macht den Fortbestand des Lagers unsicher. Schließlich müsste Ersatz für die sanitären Einrichtungen des Hofes gefunden werden. Verhandlungen finden derzeit statt, Ergebnisse gibt’s noch keine. Und in Anbetracht der Unsicherheit, ob’s ein 60-jähriges Bestehen des Lagers zu feiern gibt, wurde nun die 59. Buchhornfreizeit zum Jubiläumslager erklärt.

Die Entstehungsgeschichte der abenteuerlichen Sommerferien ist eine lange. Walter Meng war 1951 Jugendreferent im Dekanat Gaildorf. Dort war er zuständig für die evangelische Jugendarbeit und hatte viel mit Flüchtlingskindern zu tun. Schnell merkte er, dass zu wenig für deren Integration getan wurde. Gerade in den Ferien war die Not an Betreuungsplätzen groß und so ersann er mit Kollegen das Konzept des mittlerweile legendären Zeltlagers. Schnell war mit dem Buchhorn in der Nähe von Schwäbisch Hall der optimale Platz gefunden. Der Kegel, umgeben von einem Burggraben, auf dem einst eine mittelalterliche Burg gestanden hatte, lud zum Toben, Streunen und Entspannen ein. Die Versorgungseinheiten waren auf dem benachbarten Bauernhof untergebracht. Dessen Besitzer freute sich über die sommerliche Unterhaltung durch die jungen Freizeitler.

20 Minuten Marsch bis zum Zahnputzbach

Sich gewaschen wurde im Adelbach. „Oben Füßewaschen und unten Zähneputzen – das war unsere Faustregel“, erklärt Walter Meng, der heute längst in Buchhorn-Rente gegangen ist. Wer die 20 Marschminuten zum Bach unternahm, musste aus dem nahe gelegenen Wald einen trockenen Ast mitbringen, nur so konnte ein warmes Mittagessen gekocht werden. Schließlich gab’ keine Herdplatten, sondern Töpfe über’m Lagerfeuer. Mit dabei waren nur Buben. „Mädchen könnte man die sanitären Umstände nicht zumuten“, berichtet Freizeitvater Meng. Nur in der Küche waren einige Mädels dabei, die für die Verpflegung der Jungs zuständig waren.

Das Konzept der Freizeit war einfach: „In jedem Jungen in dem Alter steckt ein Abenteuerpotenzial, das einfach nur geweckt werden muss.“ Mengs Theorie ist logisch: „Wenn die Abenteuerlust nicht positiv befriedigt wird, kann sie schnell ins Negative umkippen“, weiß der Pädagoge. Das urige Gelände des Zeltplatzes steuerte sein Übriges dazu bei. „Und irgendwann hat man sich an einem schattigen Plätzchen zur Bibelarbeit gesammelt.“ Dabei wurden die biblischen Geschichten richtig zum Leben erweckt. Unvergessen ist bis heute der Moment, als während eines Busausflugs ein Polizeiauto anbrauste und einen Mitarbeiter aus dem Bus herauszog, um ihn zu verhaften. In der folgenden Andacht ging’s dann um die Verhaftung des Petrus, die Teenies waren voll im Thema angekommen.

Von der Straße aufs Buchhorn und rein in die Jungschar

Mengs Konzept - „Von der Straße aufs Buchhorn, vom Buchhorn in die Jungschar“ – ging auf. „Das war ein Integrationsprogramm in drei Schritten.“ Das Lager nahm er mit, als er in Schorndorf seine Arbeit bei der Diakonischen Bezirksstelle aufnahm. Mitarbeiter des CVJM halfen als Mitarbeiter in den Lagern mit und fingen die Jugendlichen auch wieder auf, wenn sie zurück in Schorndorf und in ihrem Alltag angekommen waren. 1970 ging die Trägerschaft vollends an den CVJM Schorndorf über.

So können bis heute 70 Jugendliche je zwei Wochen das Lager bevölkern. Insgesamt drei Lager werden sommers innerhalb der Ferien auf dem Buchhorn abgehalten. Viele Mitarbeiter nehmen sich Urlaub, um ihre Freizeit für die Jugendlichen einzusetzen. Immer gibt’s eine Zwei-Tage-Tour mit einer Außenübernachtung, und zweierlei ist auch immer mit dabei – ganz viel Abenteuer und ganz viel Naturerlebnis, das Buchhorn ist nämlich noch immer nicht de luxe – darauf legt Walter Hieber vom CVJM Schorndorf wert.

 

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