Schorndorf Café Hallo: Ärger zwischen Betreiber und Vermieter

Daniel Rosner bestreitet, dass er sein Café schließen will: „Das Café wird nicht verkauft!“ Foto: ZVW/ Barbara Pienek

Schorndorf.
„Gastronomieobjekt mit Terrasse in bester Lauflage - Innenstadt/Fußgängerzone“ zu vermieten. Und obwohl bei „Immobilien-Scout 24“ weder Name noch Telefonnummer eines Ansprechpartners genannt wurden, sind Interessenten beim Besichtigungstermin in dem im Sommer 2017 eröffneten Café Hallo gelandet.

Mittlerweile ist die Anzeige gelöscht. Angeschaut hat sich das Objekt in der Gottlieb-Daimler-Straße 3 aber auch ein der Redaktion bekannter Gastronom, der ungenannt bleiben will. Betreiber Daniel Rosner bestreitet dennoch, dass es sich bei dem Gastronomieprojekt um sein Café handelt: „Das kann ich nicht bestätigen“, sagt er auf Anfrage und unterstreicht, er wolle garantiert nicht schließen: „Das Café wird nicht verkauft.“ Schließlich habe er Reservierungen, Gutscheine herausgegeben und seine Stammkundschaft.

Alles also nur ein großes Missverständnis? Rosners Vermieter Steffen Schuck jedenfalls ist überhaupt nicht gut auf ihn zu sprechen. Er habe nicht nur kein Okay zur Untervermietung gegeben, sondern auch schon seit einem Jahr keine Miete mehr gesehen – und davor auch nur sehr unpünktlich.

Kurzes Intermezzo in Esslingen endete mit einer Räumungsklage

Rosner begründet die fehlenden Mietzahlungen mit Meinungsverschiedenheiten auch über zugeparkte Mülltonnen. Für Schuck stellt sich die Sache anders dar: „Die ganzen Minderungsgründe, welche Herr Rosner aufgeführt hat, wurden von unserem Anwalt widerlegt.“ Rosner habe zusätzlich Flächen belegt, auf die er laut Nutzungsrecht und Mietvertrag gar keinen Anspruch hat. Und selbst wenn er einen Anspruch auf Minderung habe, legt Schuck nach, „kann auf keinen Fall die Miete komplett einbehalten werden“. Mittlerweile hat der Vermieter eine Räumungsklage gegen Rosner erwirkt, Verhandlungstermin vor dem Stuttgarter Landgericht ist am 1. April.

Dass bei Rosner offenbar einiges im Argen liegt, das hat Schuck schon bald nach Eröffnung des Cafés gemerkt – an den Anfragen, die ihn als Vermieter immer wieder erreicht haben. Vor einem halben Jahr bekam er auch einen Anruf von Angelika Goll aus Esslingen, die einen Betreiber für die Gastronomie im Theater Scala gesucht und zum 1. August 2019 an Rosner vermietet hat.

Da der Schorndorfer aber nie Miete bezahlt, die Kaution schuldig blieb und seinen Betrieb gar nicht eröffnete, hat sie eine Räumungsklage erwirkt – und recht bekommen. Rosner erklärt den Fall im Nachhinein so: Er habe nicht bezahlt, weil die Räumlichkeiten nicht wie vereinbart renoviert gewesen wären. Darüber hinaus sei die Räumungsklage für ihn „die schnellste Möglichkeit gewesen, aus der Sache rauszukommen“.

„Er kann sehr überzeugend sein“

Dem widerspricht Angelika Goll aus Esslingen entschieden: „Es wurde alles vertragsgemäß erledigt.“ Inzwischen hat sie ihr Restaurant vermietet. Sie habe sich, sagt sie, nur ihre eigene Naivität vorzuwerfen: Obwohl sie von der Insolvenz von Rosners Heldenreich-Event-Agentur wusste, habe sie nicht weiter recherchiert. Mittlerweile weiß sie über Rosner: „Er kann sehr überzeugend sein.“

Dabei kam es im Oktober 2017 sogar zu einer Demonstration von Gläubigern vor dem Café in der Gottlieb-Daimler-Straße. Die aufgebrachte Gruppe warf Rosner und seinem Bruder vor, nach der Insolvenz ihrer Stuttgarter Heldenreich-Event-Agentur Geld, das sie ihren Gläubigern vorenthalten hatten, in das neue Café in Schorndorf gesteckt zu haben. Dem widersprachen die Gebrüder Rosner damals: Die insolvente Heldenreich GmbH habe nichts mit der GbR zu tun, die das Café betreibt, auch wenn die Geschäftsführer dieselben seien. Nachdem damals mehrere Anzeigen wegen Insolvenzverschleppung eingegangen waren, hat die Staatsanwaltschaft mit Ermittlungen begonnen, die noch nicht abgeschlossen sind.

Einer, der auch noch richtig viel Geld bekommt, ist Oliver Schönek. Mit seiner Schorndorfer „Light & Soundtechnic“ macht er seit Jahren die Beschallung bei der SchoWo, war bei der Gartenschau verpflichtet, hat im Jahr 2017 Bühne, Licht und Ton für das von Heldenreich organisierte Holi-Festival in Böblingen gemacht und von den Gebrüdern Rosner nie das versprochene Geld gesehen. Jetzt steht er im Insolvenzverfahren der Event-Agentur unter der Nummer 158 auf der Gläubigerliste. „Ich bin“, sagt Schönek, „seit 25 Jahren im Geschäft, aber so etwas habe ich noch nie erlebt“.

Trotz Aufforderung hat Rosner seine Außenterrasse nicht abgebaut

Ehemalige Angestellte, die anonym bleiben wollen, weil ihre Gerichtsverfahren noch laufen, berichten außerdem von einer ganzen Reihe von Bedienungen, die noch immer auf ihr Geld warten würden und in ihrer Verzweiflung sogar bei Rosners Vermieter vorstellig wurden. Manche, erzählen sie, hätten das Glück gehabt, dass sich Rosner von deren Vätern beeindrucken ließ, die ins Café gestürmt seien, um der Gehaltsforderung ihrer Töchter Nachdruck zu verleihen. Rosner bestreitet das, er will die Löhne „selbstverständlich bezahlt“ haben.

Schlecht zu sprechen ist auch Ulrich Fink, Geschäftsführer von Schorndorf-Centro, auf den Café-Betreiber: Und nicht nur, weil Rosner die Beiträge und Umlagen für den City-Marketingverein unregelmäßig bezahlt, sondern weil er auch noch eine Rechnung für die Teilnahme am Stadtmarkt schuldig ist: Trotz Aufforderung hat Rosner am Stadtmarkttag seine Außenterrasse nicht abgebaut – und dann die Rechnung über seine Teilnahme ignoriert. Auch hier läuft ein Verfahren.

Einen Riesenstreit gab’s auch schon wegen der SchoWo 2018: Die Außenfläche vor dem Café, traditionell fest im Belegungsplan der Vereinsgemeinschaft (VG) und mit zehn Bierbänken Stammplatz des TSV Haubersbronn, wollte Rosner nicht räumen und war weder für eine Ausweichfläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu gewinnen noch für eine gemeinsame Nutzung.

„Das musste dann das Ordnungsamt machen“

Wenn er seine Außenfläche räumen müsse, beklagte Rosner damals, wären ihm während des Stadtfestes fünfstellige Umsatzeinbußen sicher. Doch anstatt eine einvernehmliche Lösung mit der VG zu suchen, prangerte er die „Ungerechtigkeit“ auf Facebook an und stellte der Vereinsgemeinschaft ein Ultimatum. Für 2019 haben beide Parteien eine Lösung gefunden, dennoch hat Rosner für den SchoWo-Aufbau nicht, wie vereinbart, die Palmen vor seinem Café weggeräumt: „Das musste dann das Ordnungsamt machen“, sagt VG-Sprecher Jürgen Dobler.

Als unzuverlässig hat den Café-Betreiber nicht zuletzt auch die Stadtverwaltung erlebt: Während der Remstal-Gartenschau, sagt Julia Geiger, Fachbereichsleiterin Kommunales, habe Rosner sechs Termine für „Tapas im Grünen“ in der Freiluftküche im Stadtpark gebucht. Nachdem er den ersten Termin kurzfristig abgesagt und den zweiten einfach in sein Café verlegt hatte, zog die Stadt die Reißleine und hat alle weiteren Termine gecancelt. Geigers Fazit: „Das war nicht so ganz zufriedenstellend.“

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