Schorndorf Café im Streit mit SchoWo-Machern

Diese Außenbestuhlung muss während der SchoWo zehn Bierbänken weichen. Foto: Habermann/ZVW

Schorndorf. Die anstehende SchoWo wird von einem Streit überschattet. Daniel Rosner, Besitzer des Café Hallo, fühlt sich vom Veranstalter übergangen. Muss der Wirt doch seine Außenbestuhlung während des Stadtfestes abbauen. Weil er dadurch finanzielle Einbußen befürchtet, hat Rosner sich in mehreren Briefen und im Internet an eine breite Öffentlichkeit gewandt.

Nicht weniger als einen „Schildbürgerstreich“ nennt der Café-Betreiber das, was ihm die Vereinsgemeinschaft Schorndorfer Vereine (VG) als Angebot unterbreitet hat. Die VG als Veranstalter hingegen hält den Bogen mittlerweile für deutlich überspannt – und sieht keinen Grund für jene Eskalation, wie sie rhetorisch in den letzten Wochen von Seiten des Cafés stattgefunden hat.

In mehreren Briefen und bei Facebook hat sich Daniel Rosner an eine breite Öffentlichkeit gewandt. Angeschrieben wurden unter anderem der Oberbürgermeister, der Bürgermeister, die Vereinsvorstände des TSV Haubersbronn, Schorndorf Centro sowie unsere Redaktion.

Café rechnet mit Umsatzeinbußen in fünfstelliger Höhe

Der Vorwurf in Kürze: Das Café Hallo, das seit Sommer 2017 in der Gottlieb-Daimler-Straße 3 in den ehemaligen Räumen einer Bäckerei seinen Sitz hat, werde bei der SchoWo massiv benachteiligt. Direkt vor dem Laden, wo aktuell eine Außenbestuhlung steht, sind während des Stadtfestes nämlich traditionell zehn Bierbänke aufgebaut, die zum Stand des TSV Haubersbronn gehören. Das Café müsste also für mehrere Tage auf seine Außenbestuhlung verzichten. Rosner rechnet mit fünfstelligen Umsatzverlusten und sieht bereits genehmigte Urlaube seiner Mitarbeiter in Gefahr. Denn während der SchoWo müsste das Café realistischerweise seinen Betrieb einstellen. Mit Auf- und Abbauphase wären das zehn Tage ohne Einnahmen.

Nichts zu rütteln am festen Raster?

Die zehn Bierbänke mit Überdachung würden benötigt, meint hingegen die VG – und verweist darauf, dass die Vereine bei dem Stadtfest überdachte Sitzplätze anbieten müssen. „Da gibt es ein festes Raster, an dem wir erst einmal nichts ändern“, sagt VG-Vorstand Jürgen Dobler. Bis zu 100 Plätze stünden an dieser Stelle zur Verfügung. Bliebe die Außenbestuhlung des Café Hallo stehen, wären es deutlich weniger.

„Im Filetstück der SchoWo Sitzplätze wegnehmen, das macht man doch nicht“, sagt Dobler, der für das anstehende Stadtfest keine Alternative zu den Biergarnituren an dieser Stelle sieht – der Platz sei nun mal sehr begrenzt. Einen entsprechenden Beschluss hat der VG-Vorstand bei der letzten Sitzung bereits einstimmig getroffen. Und dabei zugleich betont, dass eine direkte Teilnahme im kommenden Jahr nicht ausgeschlossen ist: „Im Übrigen ergeben sich im Laufe der Jahre erfahrungsgemäß immer wieder Änderungen an Gegebenheiten bei der SchoWo, die dann neue Möglichkeiten eröffnen. Insofern kann es auch gut sein, dass wir, ein gutes Miteinander vorausgesetzt, bereits im nächsten Jahr neue Ideen miteinander besprechen können“, heißt es in einem offiziellen Antwortschreiben an das Café.

Veranstalter: Gemeinsame Nutzung der Bierbänke möglich

Außerdem ist die Entscheidung mit einem Kompromissangebot verbunden: Dem Café steht es demnach frei, in Abstimmung mit dem TSV die Bänke gemeinsam zu nutzen und „durch Deko, Speisekarten oder Servicekräfte angemessen auf sich aufmerksam“. Die Versammlung sei sich einig gewesen, dass der beschriebene Kompromiss, der bereits seit Jahren für die jeweils ansässige Bäckerei umgesetzt werde, auch für dieses Café ohne wirtschaftlich absehbaren Schaden und im guten Miteinander angewendet werden könne.

Rosner sieht das völlig anders: Es gehe im Prinzip doch nur um zehn Bierbänke, die sich aus seiner Sicht mit ein wenig Umplanung auf die gegenüberliegende Seite stellen ließen. Er fragt sich: „Wo ist die Verhältnismäßigkeit, jemanden wegen ein paar Bänken so zu schädigen?“ Zumal andere Wirte wie Bui oder Rosato ja sogar in die SchoWo integriert würden (wohingegen das Café Mack, worauf die VG verweist, seit jeher während der SchoWo seinen Außenbereich komplett schließt). Die gemeinsame Bierbank-Nutzung ist für Rosner kein gangbarer Weg. Denn ohne eigene Außenbestuhlung rechnet der Café-Betreiber mit einem Nahezu-Totalausfall. Im Sommer wollten die Gäste in der Regel nicht drinnen sitzen. Das Hauptgeschäft werde zudem mit ausgedehnten Frühstücken gemacht. Dass sich jemand dafür auf eine Bierbank setze, sei eher unwahrscheinlich. Eine gemeinsame Nutzung mit dem TSV sei deshalb nur theoretisch eine gute Idee.

In einem erneut über einen breiten Verteiler gestreuten Antwortschreiben hat das Café deshalb eine Reihe von Forderungen an die VG gestellt. „Wir akzeptieren die alternative Bestuhlung während der Festzeit, bekommen als Ausgleich aber einen Verkaufsstand direkt in erster Linie, welcher die Bestuhlung nicht beeinflussen wird“, heißt es dort. Außerdem, so eine weitere von insgesamt sieben Forderungen an den Veranstalter, solle die Bestuhlung bis zum Aufbau der Biertischgarnituren stehen bleiben und bereits ab Mittwochmorgen wieder aufgebaut werden. So würde keine Lücke von zehn Tagen entstehen.

(Was, wie die VG auf Nachfrage antwortet, aus Sicherheitsgründen aber nicht möglich sei, da beim Aufbau Stapler und Lastwagen fahren, große Holzbalken abladen, um den Vereinsstand, der direkt neben der Aussenfläche des Café liegt, aufzubauen. Und am Tag nach der SchoWo die Vereinsstände wieder abgebaut werden müssen und die Feuerwehr die gesamte Festfläche abspritzt.)

Rosner kündigt Aktionen während der SchoWo an

Dafür würden sie für die Sauberkeit im Bereich der Biertischgarnituren sorgen, sich beim Verkauf der Getränke und Speisen an die festüblichen Preise halten und eine „angemessene Standgebühr“ zahlen. Der gesamte Außenbereich und die Biertische dürfte dann aber auch vom Café selbst dekoriert werden.

Für eine Antwort setzte Rosner eine Frist bis Mittwoch, 27. Juni. „Sollte bis zum genannten Zeitpunkt kein fairer Kompromiss zustande kommen, sehen wir uns gezwungen entsprechende Gegenaktionen in die Wege zu leiten.“

Da der Vorstand der Vereinsgemeinschaft nicht vorhat, auf das Ultimatum von Daniel Rosner einzugehen, dürfen die Schorndorfer gespannt sein, mit welchen Aktionen die Betreiber des Café Hallo während der SchoWo auf sich und ihr Gefühl, bei dem Stadtfest massiv benachteiligt worden zu sein, aufmerksam machen.

Facebook-Streit

Auf der Facebook-Seite seines Cafés hat Rosner in einem langen Beitrag die Vorwürfe noch einmal wiederholt und „mögliche Veranstaltungsaktionen im SchoWo-Zeitraum“ angekündigt für den Fall, dass die VG nicht auf seine Forderungen eingeht.

In den vielen Kommentaren unter dem Beitrag bekommt das Café vor allem Zuspruch. Dabei geht es, wie in sozialen Netzwerken üblich, mitunter recht ruppig zu.

Jürgen Dobler, der sich dort zu den Vorwürfen geäußert hat, kann sich dagegen nicht mehr wehren. Seine Wortmeldung wurde vom Café Hallo umgehend gelöscht, sein Account für die Seite gesperrt.

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