Schorndorf Café wird zur Zielscheibe der Gläubiger

„Hier wurde kein Geld verschwendet“, sagen die Betreiber des Café Hallo. Foto: Gabriel Habermann

Schorndorf. Als Betreiber von Streetfood-Märkten sind Oliver und Daniel Rosner bekannt geworden. Mit ihrer Event-Agentur organisierten die Brüder, die aus Winterbach stammen und jetzt in Schorndorf wohnen, zahlreiche Großveranstaltungen. Im Sommer eröffneten sie mit einer anderen Firma ein Café in der Innenstadt. Doch nun musste die Agentur Insolvenz anmelden. Gläubiger erheben öffentlich schwere Vorwürfe: Geld, das ihnen nicht ausbezahlt wurde, soll in dem Café stecken. Die beiden Brüder widersprechen vehement.

Events bei Großkonzernen, Hunde-Messen in Kongresszentren, Street-Food-Märkte in Stuttgart und der Region oder das Holi-Festival auf dem Flugfeld in Böblingen: Die Event-Agentur Heldenreich hat in den letzten Jahren viele Großveranstaltungen organisiert. Und sich dabei durchaus einen guten Ruf erarbeitet. Doch in diesem Sommer ist Heldenreich in die Krise geraten. Einnahmen blieben aus, an Heldenreich gestellte Rechnungen konnten nicht mehr beglichen werden. Am 14. September haben die beiden Geschäftsführer Daniel und Oliver Rosner deshalb offiziell den Insolvenzantrag für ihre Stuttgarter Agentur gestellt. Noch gibt es die zweieinhalb Jahre zuvor gegründete GmbH. Über das, was mit dem Kapital passiert, können sie aber nicht mehr frei entscheiden. Ein Insolvenzverwalter hat jetzt die Kontrolle.

Anzeigen wegen Insolvenzverschleppung

Soweit sind die Fakten unstrittig. Doch wie es dazu kam und ob dabei alles mit rechten Dingen zuging, darüber sind sich die mittlerweile gut organisierten Gläubiger und die beiden Brüder uneinig. Bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart gingen in den letzten Wochen mehrere Anzeigen wegen Insolvenzverschleppung ein. Die Berechtigung der Anzeigen wird aber erst noch geprüft, wie Jan Holzner, Erster Staatsanwalt und Pressesprecher, betont.

Ausgangspunkt ist ein Event bei einem großen Automobilzulieferer

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung ist ein Firmen-Event bei einem großen Automobilzulieferer. Anfang Juli hat Heldenreich dieses veranstaltet, wurde aber – das bestätigen sowohl die Gläubiger als auch die Gebrüder Rosner – nicht in der vereinbarten Höhe bezahlt. Geld, das der Firma fehlte und eine Anhäufung unbezahlter Rechnungen zur Folge hatte. Beim kurz darauf stattfindenden Holi-Festival in Böblingen konnten Sicherheitsdienste, Essensstände oder Messebauer nicht mehr ausreichend bezahlt werden. Weitere Veranstaltungen mussten abgesagt werden, zuletzt ein Street-Food-Markt auf dem Flugfeld in Böblingen Anfang September. CCBS, Betreiber der Anlage, beklagte in einer Mitteilung, dass Heldenreich im Vorfeld weder Besprechungstermine wahrgenommen, noch Kunden und Besucher über die Absage informiert habe.

Der Vorwurf: „Mit Absicht auf die lange Bank geschoben“

Michael Strohmaier, der mit seiner Welzheimer Firma Animations-Tanzshows anbietet, hat bis heute nach eigener Aussage eine unbezahlte Rechnung über etwa 6000 Euro vorliegen. Und stellte irgendwann fest, dass er nicht der Einzige ist, dem Heldenreich Geld schuldet. „Da steckt System dahinter“, meint Strohmaier. Auch Michael Koschitzky macht für seine Fellbacher Sicherheitsfirma Forderungen von knapp 50 000 Euro geltend. „Die haben das mit Absicht auf die lange Bank geschoben“, vermutet Koschitzky. Die beiden glauben nicht, dass erst mit dem Firmen-Event die Finanzen der Agentur in die Schieflage gerieten. Sie vermuten vielmehr, dass diese schon länger im Argen lagen – und den Geschäftspartnern solide Verhältnisse nur vorgegaukelt wurden: mit Versprechungen und Ausreden. Spätestens beim Holi-Festival Mitte Juli, so der Vorwurf, sei klar gewesen, dass Rechnungen nicht mehr bedient werden können. Und doch habe die GmbH weitergearbeitet wie zuvor.

Gläubiger demonstrierten öffentlich vor Café

Zahlreiche Gläubiger teilen diese Ansicht und verbreiten sie seit geraumer Zeit munter und ziemlich offensiv in den sozialen Medien. Sie haben sich zudem in einer WhatsApp-Gruppe zusammengetan, um ihren Unmut zu organisieren. Ende September trafen sie sich sogar öffentlichkeitswirksam vor dem Café in der Daimlerstraße und stellten die Rosner-Brüder als Betrüger an den Pranger. Geld, das Heldenreich an seine Gläubiger nicht bezahlt habe, so der Tenor, stecke genau in diesem Café. Die Insolvenz der Firma sei gar mit voller Absicht geplant worden.

Inhaber dementieren Vorwürfe

Ein Vorwurf, dem Daniel Rosner vehement widerspricht. „Das ist völlig falsch. Beides ist völlig unabhängig voneinander zu betrachten“. Die Insolvenz der GmbH habe nichts mit der GbR zu tun, die das Café betreibt – auch wenn die Geschäftsführer dieselben seien. Natürlich habe er Verständnis für den Unmut der Gläubiger. Dass sie aber nun zu solchen Mitteln der öffentlichen Denunzierung greifen, empört ihn: „Das ist eine übertriebene Reaktion auf die Insolvenz. Eine Situation, die heute leider oft vorkommt.“ Die GbR, argumentiert Rosner, sei bereits im Dezember 2016 gegründet worden, also lange bevor sich für Heldenreich eine solch schwierige finanzielle Situation abzeichnet habe. Die Vorwürfe seien darum „völlig haltlos“. Dass die Finanzprobleme von Heldenreich mit der Eröffnung des Cafés zusammenfielen, sei letztlich nur ein unglücklicher Zufall. Und, so versichert der Schorndorfer: In beiden Firmen habe man stets einen korrekten Umgang mit den Geschäftspartnern gepflegt.

Rosner: „Ein Oberwitz“ und „Märchenstunde vom Feinsten“

Auch handle es sich bei dem Café keineswegs um einen teuren Designerladen. Hier sei viel in Handarbeit entstanden, etwa die aus Dachlatten gezimmerten Tischplatten. „Es trifft nicht zu, dass hier Geld verschwendet wurde“, sagt Rosner. Wenn jetzt unter den Gläubigern Summen kursierten, die unterstellen würden, man habe eine Summe nahe der Millionengrenze aus der GmbH gezogen und in das Café gesteckt, sei das ein „Oberwitz“, eine „Märchenstunde vom Feinsten“.

Drohbriefe und aufgestochene Reifen

Denjenigen, die jetzt mit ihren Anschuldigungen an die Öffentlichkeit gingen, gehe es vielmehr um Rufschädigung und um Rache. In den letzten Wochen habe es anonyme Drohbriefe an das Café gegeben, ihnen seien Reifen eingestochen worden und man habe ihnen per WhatsApp-Sprachnachricht mehrfach mit körperlicher Gewalt gedroht. „Die provozieren, dass es knallt.“

Statement auf Facebook veröffentlicht

Darum sind Daniel und Oliver Rosner nun auch in die Offensive gegangen. Auf der Facebook-Seite des Cafés haben sie ein längeres Statement zu den Vorwürfen veröffentlicht. Tenor: „Ziemlich viel inhaltsloser Mist, der hier verbreitet wird, der nun dem Café schaden soll.“ Allen, die an der öffentlichen Aktion Ende September teilgenommen haben, ließen sie über ihren Anwalt Abmahnungen zukommen. „Da wurde deutlich eine Grenze überschritten“, sagt Rosner, der die Methodik der Gläubiger für Selbstjustiz hält und auf ein rechtsstaatliches Verfahren pocht. So wie er selbst das schließlich handhabe. “Uns schulden auch viele eine Menge Geld“.

Insolvenzverfahren ist noch nicht eröffnet

Seine Event-Agentur mag insolvent sein, doch Daniel Rosner wähnt sich im Recht. Ob die Vorwürfe der Gläubiger zutreffen und für eine Anklage ausreichen, darüber muss nun die Staatsanwaltschaft entscheiden. Auch ob, und wenn ja, wie viel Geld die Gläubiger am Ende tatsächlich bekommen, ist noch ungewiss. Das Insolvenzverfahren ist erst eingeleitet, aber noch nicht eröffnet. Den Anzeigen wegen Insolvenzverschleppung sieht Rosner aber ziemlich entspannt entgegen.

Insolvenzantrag

  • Wann genau juristisch bei einer GmbH eine Insolvenzverschleppung vorliegt, ist gar nicht so leicht zu bestimmen. Die Pflicht, einen Insolvenzantrag zu beantragen, entsteht ab dem Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit oder der Überschuldung.
  • Wird dieser Antrag zu spät gestellt, liegt eine Straftat vor, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden kann. Mangelnde Absicht schützt in diesem Fall nicht vor der Verurteilung. Auch wer fahrlässig handelt, kann sich strafbar machen.
  • Bewertung
    51
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!