Schorndorf Chez Amis: Ein kleines Stück Paris in Schorndorf

Nico Burkhardt und seine Partnerin Bianca Vergeraki haben sich mit dem Chez Amis ihren kleinen französischen Traum erfüllt. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf.
Als Entrée ein Tartar de Boeuf oder ein Salade Niçoise, dann eine Elsässer Zwiebelsuppe oder eine Bouillabaisse, danach Boeuf Bourguignon oder Coq au Vin, und das alles abgerundet mit Crème brûlée oder einer Tarte au Chocolat – oder alternativ mit einer Käseplatte (Plateau de Fromage): So könnte, ergänzt noch um ein Fischgericht, ein französischer Abend mit Freunden, bei Freunden oder unter Freunden aussehen. Oder, wie der Franzose sagt: „chez amis“.

Und genau so, nur groß geschrieben, also „Chez Amis“, heißt auch die neue Lokalität, die Pfauen-Pächter und -Küchenchef Nico Burkhardt und seine Lebens- und Geschäftspartnerin Bianca Vergeraki seit kurzem in der Hirschgasse 3 betreiben – dort, wo zuletzt das „Gundi’s“ war und wo schon einmal ein „Pfauen“-Koch, Timo Stephan nämlich, sein – freilich nur sehr kurzes - Glück mit einer Brasserie versucht hat. Allerdings mit einem weitaus weniger ambitionierten Konzept als dem, mit dem Nico Burkhardt und Bianca Vergeraki an den Start gegangen sind.

Problem mit dem feuchten Gewölbekeller ist „gut eingedämmt“

Für Nico Burkhardt ist dieses französische Bistro in der Hirschgasse mit seinen gerade mal 21 Plätzen (und ein paar weiteren an der Bar) insofern ein „Zurück zu den Wurzeln“, als er seine Ausbildung zum Koch in einer französischen Brasserie in Berlin begonnen hat und es schon lange sein Ziel war, sich seinen Traum von einem eigenen kleinen französischen Restaurant zu erfüllen. Dass das jetzt in Schorndorf passiert und auch noch strategisch und logistisch geschickt in unmittelbarer Nähe des „Pfauen“, hat sich dadurch ergeben, dass der Besitzer des Gebäudes Hirschgasse 3 des Öfteren im „Pfauen“ gespeist und Nico Burkhardt eines Tages gefragt hat, ob er sich nicht vorstellen könnte, auch noch die Lokalität in der Hirschgasse zu übernehmen.

Ein Vorschlag, mit dem sich Burkhardt erst recht angefreundet hat, als er den alten Gewölbekeller gesehen hat – wohl wissend, dass es nicht zuletzt die Feuchtigkeit in diesem Kellergewölbe war, die den früheren Pächtern Probleme gemacht hat. „Das Problem haben wir gut eingedämmt“, sagt Nico Burkhardt, der den Gewölbekeller nicht als Gastraum, sondern – mit Platz für maximal 50 bis 70 Personen – als Raum für eigene Partys (etwa zu Fasching), private Feiern oder Stehempfänge nutzen und zur Verfügung stellen will.

„Es war immer mein Traum, so einen Gewölbekeller zu haben“, sagt der „Chez Amis“-Betreiber, der in seinem Bistro auf „klassische französische Küche ohne viel Schnickschnack und so gut kalkuliert, dass man auch vier Gänge essen kann“ setzt und sich dafür mit Kay Lurz, der vorher Küchenchef bei Feinkost Böhm war und auch schon in verschiedenen Sterne-Restaurants gearbeitet hat, extra noch einen Koch ins Haus geholt hat, der Nico Burkhardt an den Tagen, an denen er nicht im Chez Amis zugange ist und dort die zuvor in der „Pfauen“-Küche vorbereiteten Speisen zubereitet, auch im „Pfauen“ unterstützt.

Nur original französische Produkte – bis hin zum Bier

Umgekehrt wollen sich aber Nico Burkhardt und seine Partnerin, die sich im „Pfauen“ ums Hotel kümmert, das Service-Team leitet und ganz persönlich den Service im Gourmet-Restaurant „Nico Burkhardt“ übernimmt, die Zeit nehmen, um sich immer mal wieder im Chez Amis zu zeigen. Zumal das Bistro außer am Freitag und Samstag von 18 bis 23 Uhr und am Sonntag von 10 bis 14 Uhr auch am Montag von 18 bis 23 Uhr geöffnet ist – und damit an einem Tag, an dem viele Restaurants wie auch der „Pfauen“ Ruhetag haben. Aber auch am Sonntag können sich Nico Burkhardt und Bianca Vergeraki, zumal sie auch noch ganz in der Nähe wohnen, ganz auf das Chez Amis konzentrieren – wobei Burkhardt Wert darauf legt, dass er seinem Küchenchef Kay Lurz auch bei der Speisenauswahl viel freie Hand lässt und sich ganz allgemein voll und ganz auf ihn verlässt.

Der Sonntag ist im Bistro in der Hirschgasse, mit dem Nico Burkhardt – angefangen von der Einrichtung und den Farben – „ein kleines Stück Paris nach Schorndorf bringen“ wollte, insofern ein besonderer Tag, als es zunächst ein reichhaltiges Frühstücksangebot gibt, bei dem die Palette von „Rue Saint Denis“ über „Élysée“ bis zu „Chez Amis Grand“ reicht. Als Mittagessen wird am Sonntag, abweichend von der regulären Karte, die so klein ist, dass sie auch auf einer Wandtafel Platz findet, in aller Regel einen Braten oder auch mal Geflügel mit den entsprechenden Zutaten serviert.

Entscheidend für Nico Burkhardt, der ja auch im „Pfauen“ mit einer allerdings deutlich moderneren französischen Note kocht, ist, dass es sich bei allen Produkten, die im „Chez Amis“ auf den Tisch kommen, um original französische Produkte handelt. Und das gilt bei den Getränken nicht nur für den Wein, der aus ganz unterschiedlichen französischen Regionen kommt, sondern auch fürs Bier, bei dem sich Burkhardt für die im Elsass gebraute Traditionsmarke Kronenbourg entschieden hat, die sein Getränkelieferant speziell für ihn importiert hat und die bei seinen ersten Gästen, von denen aber manche gleich ein zweites oder drittes Mal wiedergekommen seien, sehr gut angekommen sei.

„Die Leute sollen sich bei uns einfach wohlfühlen“

Genauso wichtig aber wie die Qualität der Speisen und Getränke ist Nico Burkhardt eine gemütliche Atmosphäre und ein Service, der nicht steif, sondern locker und freundlich daherkommt. „Die Leute sollen sich bei uns einfach wohlfühlen“, sagt er. So, wie man sich das halt bei Freunden, mit Freunden, unter Freuden – ganz egal, wie man Chez Amis nun genau übersetzt – vorstellt. Übrigens: Die eher scherzhaft gemeinte Frage, ob er sich nicht auch noch vorstellen könnte, die verwaiste Bar im Postturm zu übernehmen, beantwortet Nico Burkhardt mit einem unzweideutigen Nein.

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