Schorndorf City-Streife sorgt für Beruhigung

Die Neue Straße war mal ein unruhiger Platz, der sich aber durch den Einsatz der City-Streife deutlich beruhigt hat. Foto: Schneider/ZVW

Schorndorf. Ungeachtet aller intensiven Diskussionen, die es vor allem in den sozialen Medien und speziell in Schorndorf zum Thema „Sicherheit im öffentlichen Raum“ gibt, kann an einer Stelle deutliche Entwarnung gegeben werden: In den Jahren seit 2015, in denen die Innen- und die Weststadt regelmäßig in der wärmeren Jahreszeit von Einsatzkräften der Sicherheitsfirma Bunk bestreift werden, ist die Zahl der festgestellten Verstöße deutlich zurückgegangen. Ein Trend, der durch eine Zwischenbilanz der diesjährigen Einsätze untermauert wird.

Die nackten, im Rahmen eines Pressegesprächs vom Geschäftsführer der Sicherheitsfirma, Tobias Bunk, präsentierten Zahlen, sehen so aus: Bei bislang 18 Einsätzen, verteilt auf neun Wochenenden zwischen Mitte April und Ende Juni, an denen in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag jeweils zwischen 0 und 4 Uhr eine Doppelstreife unterwegs war, sind 73 Feststellungen getroffen worden, von denen 37 und damit mehr als 50 Prozent Parkverstöße sind. Die bringen der Stadt zwar Geld, waren aber nicht der Grund, warum die City-Streife seinerzeit installiert worden ist, und haben, wie Tobias Bunk zutreffend feststellt, auch „nichts mit dem Sicherheitsgefühl zu tun“. Damals ging es, ausgehend zunächst von der Weststadt und dem Weststadtverein, in erster Linie um Lärmbelästigungen, Ruhestörungen und Sachbeschädigungen. Und die nehmen, wobei Ruhestörungen unter Lärmbelästigung subsumiert sind, in der Zwischenbilanz 2018 nur noch einen Anteil von zwölf beziehungsweise unter fünf Prozent (bei den Sachbeschädigungen) ein.

Wildpinkler: Rückläufig, aber mit hoher Dunkelziffer

Im oberen Bereich bei ebenfalls rund zwölf Prozent der Beanstandungen bewegen sich lediglich noch die Verweise von Personen von Orten, an denen sie sich nicht aufhalten sollen. Was schlichtweg damit zu tun hat, dass die Sicherheitsstreifen ihr Augenmerk auf Wunsch der Stadt stärker auf Schulhöfe gerichtet haben. Aber auch wenn sich dort Jugendliche aufhalten und sich vielleicht auch einmal etwas lauter unterhalten, als das zu nachtschlafender Zeit angebracht ist, sind sie, um es wieder mit Tobias Bunk zu sagen, „noch lange kein Sicherheitsrisiko“. Sondern allenfalls ein Ärgernis, wenn sie, wie in letzter Zeit häufiger im Bereich der Künkelin-Schule geschehen, ihren Müll und im schlimmsten Fall sogar Scherben hinterlassen. Und ebenfalls allenfalls ein Ärgernis und keinesfalls Ruhestörer sind die sogenannten Wildpinkler, von denen - Tendenz ebenfalls stark rückläufig – in diesem Jahr bislang nur einer ertappt und erfasst worden ist, wobei die Dunkelziffer im wahrsten Sinn des Wortes deutlich höher sein dürfte. Was so ein Verstoß kostet? 40 bis 100 Euro, sagt der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich, „je nach Schwere und Objekt“. Sprich: Eine Kirche anzupinkeln kommt vergleichsweise teuer. „Und das Rathaus hoffentlich auch“, meint Oberbürgermeister Matthias Klopfer scherzhaft.

Gastronomen sensibilisiert

So entspannt und ruhig, wissen sowohl Edgar Hemmerich als auch der Geschäftsführer der Sicherheitsfirma, war die Situation am Anfang durchaus nicht. Er sei am Anfang selber ab und zu mal in einer Streife mitgelaufen, um sich ein Bild machen zu können, sagt Tobias Bunk, der sich daran erinnert, dass damals vor allem die Neue Straße ein Problemfeld war. Was sich vor allem durch Veränderungen in der gastronomischen Szene relativiert hat. Zum einen dadurch, dass sich Gastronomie verlagert hat, zum andern aber auch dadurch, dass Gastronomen, sensibilisiert durch die Präsenz der Sicherheitsleute und deren Interventionen, selber stärker darauf achten, dass sich Gäste beim Verlassen der jeweiligen Lokalität oder generell beim Aufenthalt im Freien ruhig(er) verhalten. Was nicht heißt, dass jeder Verstoß von den City-Streifen auch bemerkt und in einem detaillierten Bericht dann auch an die Stadt weitergemeldet wird. Tobias Bunk gibt zu bedenken, dass die City-Streife ja nur an den Wochenenden und da in aller Regel auch nur vier Stunden pro Nacht unterwegs ist und dass es durchaus passieren kann, dass die Streife einen Bereich gerade passiert hat und es wenig später zu einem Zwischenfall und einer entsprechenden Anwohnerbeschwerde bei der Polizei kommt. Was wiederum dazu führen kann, dass die Polizei die City-Streife an den Ort des Geschehens beordert, so wie es umgekehrt natürlich auch vorkommt, dass die City-Streife die Unterstützung der Polizei braucht.

Mal ein Auge zudrücken und auf Durchzug schalten

Das gilt vor allem auch für die Feststellung von Personalien, soweit die nicht freiwillig angegeben werden. Wobei es aber aus Sicht von Tobias Bunk für die höfliche und respektvolle Art, in der seine Mitarbeiter ihrer Klientel in der Innen- und Weststadt begegnen, spricht, dass in 95 Prozent der Fälle eine Personenfeststellung auf freiwilliger Basis erfolgt. Wenn das nicht der Fall ist, müssen die Sicherheitsleute, die über keinerlei hoheitliche Rechte verfügen, von Fall zu Fall entscheiden, ob sie die Polizei hinzuziehen oder nicht. Wobei sie die Möglichkeit, eine Person festzuhalten, auch dann nur haben, wenn zum Beispiel eine Körperverletzung vorliegt – und zwar unter Berufung auf das allgemeingültige „Jedermannsrecht“. Wenn’s ansonsten einer vorzieht, nicht freiwillig auf die Polizei zu warten, muss die City-Streife das akzeptieren. Wie es überhaupt manchmal besser ist, ein Auge zuzudrücken oder auf Durchzug zu schalten – bei Angetrunkenen zum Beispiel, bei denen es keinen Sinn macht, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.

Lob für das „notwendige Fingerspitzengefühl“

„Es war uns von Anfang an wichtig, präventiv und proaktiv tätig zu sein“, sagt Tobias Bunk. Eine Strategie ganz im Sinne der Stadt, wie der Erste Bürgermeister bestätigt. „Bestimmend und gleichzeitig deeskalierend“ sei das Auftreten der Sicherheitsleute, sagt Edgar Hemmerich und lobt das „notwendige Fingerspitzengefühl“ im Umgang mit einer nicht immer ganz einfachen Klientel. Und umso besser, wenn dabei auch noch die gewünschte Wirkung erzielt wird. Was offensichtlich der Fall ist: „Die Rückmeldungen von Schorndorf Centro und vom Weststadtverein sind überaus positiv“, sagt Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Derweil laufen bei der Stadt bereits die Planungen fürs nächste Jahr, und die sehen vor, dass dann der neu eingerichtete Kommunale Ordnungsdienst die nächtlichen City-Streifen, so weit noch erforderlich, übernimmt. Ob’s ganz ohne die Firma Bunk geht, weiß Edgar Hemmerich noch nicht. Er beziehungsweise der Gemeinderat, der ja die notwendigen Mittel bewilligen muss, sollten sich aber nicht zu viel Zeit lassen, weil auch Tobias Bunk bereits das Jahr 2019 plant – und zwar, wie er deutlich macht, ohne die Abstellung von Personal für die City-Streifen.

Die Firma Bunk und die SchoWo

In die SchoWo ist die Firma Bunk seit mittlerweile 28 Jahren involviert – zunächst nur als Nachtwache, in den letzten Jahren aber mehr und mehr auch im Streifendienst und als stille Reserve für den Fall, dass eine Entfluchtung vom Festgelände Marktplatz organisiert werden muss. Zu derlei dramatischen Vorkommnissen freilich ist es in all den Jahren nicht gekommen. „Wir haben immer nur das Normale erlebt, nichts Weltbewegendes“, sagt Geschäftsführer Tobias Bunk, der es auch der eigenen guten Personalauswahl zuschreibt, dass die SchoWo-Einsätze immer so gut und einvernehmlich – sowohl in der Zusammenarbeit mit der Vereinsgemeinschaft als Veranstalter als auch im Umgang mit den SchoWo-Besuchern – funktioniert haben.

Tobias Bunk macht aber auch keinen Hehl daraus, dass solche Einsätze wie die auf der SchoWo, die im Extremfall schon mal zehn Prozent seiner etwa 300 Mitarbeiter umfassenden Belegschaft an einem Ort binden, nicht zu den Lieblingsaufgaben seiner Mitarbeiter gehören. Formal ganz einfach deshalb, weil die Präsenz auf Veranstaltungen nicht zum Kerngeschäft der im Alltagsbetrieb vor allem auf Werkschutz spezialisierten Sicherheitsfirma Bunk gehört. Gleichwohl, versichert der Geschäftsführer – und Oberbürgermeister Matthias Klopfer und der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich bekräftigen diese Einschätzung –, sind die auf der SchoWo eingesetzten Bunk-Sicherheitskräfte immer motiviert. Und das nicht nur, so Tobias Bunk, weil das in der Dienstanweisung so geregelt ist.

Gleichwohl stößt das Engagement der Firma Bunk bei der SchoWo, das – wie auch bei anderen Veranstaltungen wie etwa dem Volksfest oder dem Rudersberger Adventswald – bis zur nächtlichen Wiesel-Zugbegleitung reicht, personell mittlerweile so an seine Grenzen, dass die Firma Bunk dazu übergeht, das Geschäft einem qualifizierten und auf Veranstaltungen spezialisierten „Nachunternehmer“ zu übertragen. „Auch bei uns gibt es Fachkräftemangel“, nennt Tobias Bunk als Grund dafür, warum er sich künftig wieder verstärkt auf das Kerngeschäft konzentrieren will – zu dem weiterhin auch die Nachtbewachung der SchoWo gehört. Und im Übrigen blieben er und seine Firma auf ausdrücklichen Wunsch der VG auch weiterhin der erste Ansprechpartner, wenn es um den Einsatz von Sicherheitskräften auf der SchoWo gehe.

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