Schorndorf "CO2-neutral leben": Neuer Klima-Verein gegründet

Stefan Hafner (links) aus Reichenbach an der Fils und Karl von Baravalle aus Haubersbronn haben den Verein „CO2-neutral“ leben gegründet. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf.
Der Ingenieur Stefan Hafner und der Arzt Karl von Baravalle passen nicht so recht in das typische Bild von Klimaaktivisten. Das wollen sie auch überhaupt nicht sein. Greta Thunberg und die bestehenden Verbände, Organisationen oder Parteien, die sich fürs Klima starkmachen, sehen sie teilweise sogar kritisch. Trotzdem sind die beiden Familienväter der Meinung: Es wird zu viel CO2 ausgestoßen. Deshalb haben sie ihren eigenen Verein gegründet. Ihr erklärtes Ziel sowie der Name ihres gegründeten Vereins: „CO2-neutral leben“. Doch das heißt nicht, dass Gründer Stefan Hafner künftig auf seinen SUV verzichten will.

„Wir leben über unsere Verhältnisse“, sagt Karl von Baravalle, der in Schorndorf eine Arztpraxis hat. Er verweist auf die Zahlen: Auf das Konto jedes Deutschen gehen im Schnitt über elf Tonnen CO2 im Jahr. Damit liegen sie sogar noch über dem europäischen Durchschnitt, der sich zwischen acht und neun Tonnen bewegt, wie das Umweltbundesamt vorrechnet. Den beiden Männern, die sich in der Schule über ihre Kinder kennengelernt haben, gaben diese Zahlen zu denken.

Die weltweite Tierhaltung gehört mit rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen zu den wichtigsten Verursachern globaler Erwärmung. Vor allem Wiederkäuer haben einen extrem hohen CO2-Ausstoß. Pro Kilo Rindfleisch werden umgerechnet etwa 13 Kilo CO2 freigesetzt. Für ein Kilo Mischbrot nicht einmal ein Kilo CO2, rechnet Greenpeace etwa vor. Deshalb versuchen die beiden Vereinsgründer in ihrem Alltag, auf Fleisch zu verzichten. Doch komplett vegan oder vegetarisch wollen sie sich nicht ernähren. Aber auch mit Ökostrom, Biogas oder einer Fotovoltaikanlage sei einiges zu machen. Karl van Baravalle erzählt, dass er außerdem auch schon CO2-Zertifikate gekauft habe, um seine persönliche Bilanz zu verbessern.

Die beiden Gründer wollen die Mitte der Gesellschaft erreichen

Die beiden wollen aber nicht nur an ihrem eigenen CO2-Fußabdruck arbeiten, sondern mit ihrem Verein stärker auf die eigenen Möglichkeiten aufmerksam machen und informieren. „Wir wollen der breiten Masse das Thema zugänglich machen“, erklärt Stefan Hafner, der aus Reichenbach an der Filz kommt. Er und sein Schorndorfer Mitgründer erklären, mit ihrem Verein die bürgerliche Mitte erreichen zu wollen. Denn gerade diejenigen, die sich mit solchen Inhalten bisweilen weniger beschäftigen, müssten erreicht werden.

Hafner und van Baravalle betonen, niemandem vorschreiben zu wollen, wie er zu leben habe. Es gehe nicht darum, in Gut und Böse zu unterscheiden. Der Ingenieur Hafner erzählt beiläufig, dass er beispielsweise einen SUV fahre, genauer gesagt einen Volvo XC90. Er versuche aber, damit nicht mehr so schnell zu fahren, und verbrauche nur etwa acht Liter Diesel auf 100 Kilometern. Ein anderes Auto lohne sich aus seiner Sicht nicht, da er beruflich lange Strecken zurücklegen müsse und ein anderes Fahrzeug zu schnell verschleiße. Außerdem müsse er für seine Arbeit oft nach Asien fliegen. Er spricht von einem „Dilemma“, in dem er da stecke. Zumindest privat mit seiner Familie fliege er nicht, betont der Ingenieur Hafner.

„Unsere Generation ist mit schuld an der Misere“

Trotzdem geht es im Gespräch mit ihnen durchaus auch um die Frage, wer Verantwortung für den Klimawandel tragen muss. „Unsere Generation ist mit schuld an der Misere“, meint von Baravalle. Doch sie seien eben in einer Konsumgesellschaft aufgewachsen. Früher habe man sich etwa über die Auswirkungen des massiven Plastikkonsums keine Gedanken gemacht. „Vieles erkennt man eben erst im Nachhinein“, ergänzt sein Kollege Hafner.

Über den privaten CO2-Fußabdruck kommen die beiden Männer schnell auf ihr erstes geplantes Vereinsprojekt zu sprechen: Sie wollen im großen Stil Bäume pflanzen. Schließlich bindet jeder Baum CO2. „Wir wollen 500 bis 1000 Stück pflanzen“, sagt Karl von Baravalle. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern wolle man das Projekt in Winterbach angehen. Auf kommunaler Waldfläche sollen die Setzlinge eingepflanzt werden. Doch wann genau die Aktion stattfinden wird, ist noch nicht klar. Die Gemeinde Winterbach erklärt, sie wolle das Projekt unterstützen. Allerdings sei noch etwas Vorarbeit nötig, um die bestmöglichen Standortbedingungen zu gewährleisten. Finanzieren wollen die Vereinsgründer dieses erste Projekt erst mal aus eigener Tasche. Doch die Kosten für die Baumpflanzaktion sei überschaubar, meinen die beiden.

Auch andere Umweltthemen wie Mikroplastik sollen behandelt werden

Das großflächige Pflanzen von Bäumen könnte laut einer Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich tatsächlich helfen, den Klimawandel zu begrenzen. Dort rechneten Wissenschaftler vergangenes Jahr vor, dass eine weltweite Aufforstung von Wäldern auf einer Fläche von 0,9 Milliarden Hektar möglich wäre und zwei Drittel der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen aufnehmen könnte. Damit könne es ein wirksames Mittel sein, um Kohlenstoff in der Atmosphäre zu reduzieren. Die Studie der ETH Zürich zeigt auch, dass besonders Russland, die USA, Kanada, Australien, Brasilien und China wegen ihrer großen Flächen für Aufforstung geeignet wären.

Neben der Baumpflanzaktion wollen die beiden Vereinsgründer Informationsveranstaltungen organisieren und beispielsweise Filme zeigen, um auf die Klima- und Umweltfolgen des eigenen Handelns aufmerksam zu machen. Neben dem Klima soll es dabei auch um Umweltthemen, wie beispielsweise um die Folgen von Mikroplastik in der Natur, gehen.


Info

Der neu gegründete Verein ist über die Mailadresse info@co2-neutral-verein.de erreichbar. Den eigenen CO2-Fußabdruck können Interessierte mit Hilfe der Seite www.uba.co2-rechner.de des Umweltbundesamtes berechnen.

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