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Schorndorf Demo gegen die rasenden Ruhestörer

Schorndorf. Fast 80 Menschen standen am Samstagnachmittag zu beiden Seiten der Schlichtener Straße. Mit Transparenten und Tröten begrüßten sie die vorbeifahrenden Motorräder. Sie wollen mit der Aktion auf den für sie unerträglichen Lärm aufmerksam machen, den vor allem einige Möchtegernrennfahrer auf der kurvenreichen Strecke verursachen. Ein Ärgernis, mit dem die Schorndorfer nicht allein sind.

Einer der Demonstranten ist extra aus dem Rudersberger Ortsteil Krehwinkel hergeradelt. Dort hätten sie das gleiche Problem, meint er. „Am Wochenende bei schönem Wetter kann man eigentlich so gut wie nicht in den Garten.“ Als er in der Zeitung von der Demo gelesen habe, habe er sich aus Solidarität aufgemacht. Die meisten, die im Bereich der Bushaltestelle am Ebersbacher Weg zu beiden Seiten der Landstraße zwischen Schorndorf und Schlichten stehen, sind jedoch Anwohner. Viele sind Bewohner des Spittler-Stifts und des umliegenden Wohngebiets dahinter.

Lärm gegen Lärm

Aufgerufen zu der Demo hatte das Spittler-Stift. Heimleiterin Michaela Salenbauch ist zugleich selbst als Anwohnerin betroffen. Sie steht am Samstag mit zwei metallenen Topfdeckeln an der Straße. „Da kommt wieder einer“, ruft sie und haut die Deckel gegeneinander, als sich ein Motorradfahrer nähert – bricht dann aber ab: „Ach, des isch der Jürgen.“

Optimale Bedingungen für Motorradfahrer

Jürgen Häfele kommt selbst zum Demonstrieren und stellt sein Motorrad ab, eine Tourenmaschine, kein aufgemotzter Rennofen. Er weiß, warum die Strecke zwischen Schorndorf und Schlichten bei Zweiradfahrern so beliebt ist: „Du hast von den Kurven her fast optimale Bedingungen, und der Straßenbelag ist sehr griffig, so dass du hier richtig um die Kurven pfeifen kannst.“ Jürgen Häfele ist da, weil er zeigen will: Es gibt auch Motorradfahrer, die normal fahren. Zwischen dem Spaß am Fahren und dem, was die, wie er sagt, „Knieschleifer“ mit ihren „Supersportmaschinen“ und den extralauten Auspuffanlagen machen, besteht für ihn ein deutlicher Unterschied.

Und dann geht es „hoch, runter, hoch, runter“

Die „Knieschleifer“ heißen so, weil sie sich mit ihren Maschinen so flach in die Kurven legen, dass sie mit dem Knie über den Asphalt schleifen. Diese Möchtegernrennfahrer kommen an Wochenenden mit schönem Wetter in Scharen, sagen die Anwohner der Landstraße. Der Waldparkplatz links oben vor Schlichten sei ein Sammelplatz. Und dann gehe es „immer hoch, runter, hoch runter“. Videos, die die „Knieschleifer“ mit Helmkameras machen oder indem sie sich gegenseitig filmen, findet man auch öffentlich im Internet. Aus den Kurven heraus drehen die Maschinen richtig auf. Christina Wittmann wohnt erst seit Oktober im Wohngebiet unterhalb der Landstraße und sagt: Wenn sie gewusst hätte, dass das so schlimm sei, dann wäre sie nicht hergezogen.

Polizei kann wenig ausrichten

Die Polizei, so die Erfahrung der Anwohner, kann wenig ausrichten. Bis die da sei, seien die Raser meist schon weg. Oder es stehe auf jeder Seite der Strecke einer Schmiere und warne die anderen, wenn ein grünes Auto anrücke.

Löst Tempo 50 das Problem?

Was aber gegen das Lärmproblem tun? Die Ausweitung von Tempo 50 weiter den Berg hoch ist in der Diskussion. Ein Gutachten der Stadt Schorndorf im Rahmen des Lärmaktionsplans hat 2016 gezeigt: Sogar ohne die Motorradraser, auch bei normalem Verkehr kommt es im Bereich des Spittler-Stifts zu Überschreitungen der zulässigen Grenzwerte. Anordnen müsste Tempo 50 allerdings das Regierungspräsidium beziehungsweise der Landkreis, da es sich um eine Landesstraße handelt. Manche Anwohner sind jedoch skeptisch, ob Tempo 50 alle Probleme löst: Die Motorradfahrer würden dann eben danach hochbeschleunigen und der Lärm trotzdem vom Wald herunterhallen. Einer bringt die Idee eines kompletten Fahrverbots für Motorräder ins Spiel, das es auf anderen Kurvenstrecken schon gebe. Dazu meint allerdings Biker Jürgen Häfele: Es gebe genauso die Raser unter den Autofahrern mit aufgemotzten Karren und auf rennwagenartigen Lärm ausgelegten Auspuffanlagen.

„Wenn wir nichts tun, tut sich nichts“

Wichtig ist aber allen, dass sich überhaupt mal was tut. Der direkte Effekt der Demonstration, der sei nicht sehr groß, so schätzt Michaela Salenbauch die Lage ein, selbst wenn am Samstag viele Motorradfahrer an den Transparenten vorbeikamen. Aber: „Wir wollen auf das Problem aufmerksam machen. Wenn wir nichts tun, tut sich nichts.“

Unfälle?

Auch die Polizei weiß, dass die Schlichtener Straße bei Motorrad- und Sportwagenfahrern eine beliebte Strecke ist und viele dort zu schnell unterwegs sind.

Überdurchschnittlich viele Unfälle im Bereich des Ebersbacher Wegs, der in die Schlichtener Straße einmündet, gibt es aber laut Polizei nicht (Stand 2016).

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