Schorndorf Die Weilermer feiern die 90-jährige Geschichte ihres Bädles

Stimmungsvoller kann ein Bädlesfest nun wirklich nicht aussehen. Die Weilermer wissen, wie man feiert! Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf-Weiler. Die Weilermer Bädlesfreunde hatten was zu feiern an diesem Samstagabend. Zum einen den 90. Geburtstag des Bades, zum anderen aber auch ein Versprechen: Oberbürgermeister Matthias Klopfer hatte in seinem Grußwort zugesichert, dem Gemeinderat im Herbst vorzuschlagen, das Bad zu sanieren. Bis zum 95. Geburtstag soll alles im neuen Glanz erstrahlen, wenn es nach dem Stadtoberhaupt geht.

„Das Wichtigste zuerst“, eröffnete Oberbürgermeister Matthias Klopfer am Samstagabend seinen Redeteil und ließ eine kleine Kunstpause folgen. Während dieser hielten die Anwesenden im Bädle den Atem an. Schließlich hatte beinahe jeder die Hoffnung, dass an diesem Abend genau das geschehen sollte, was dann auch geschah. Und kaum war das Versprechen Klopfers raus, dem Gemeinderat im Oktober die Sanierung des Bädles vorzulegen, stieß so mancher erleichtert die Luft wieder aus. Applaus und Jubel folgten. Ein Geburtstagsgeschenk der Stadt in Höhe von 900 Euro fürs Bad gab’s dann auch noch. Ortsvorsteher Klaus Beck spendierte zudem individualisierte Bädles-Klappstühle, die, einmal versteigert, dem Bad auch noch den ein oder anderen dringend benötigten Euro einbringen werden.

Wohlwollen fürs Bädle aus allen Fraktionen

Dennoch: Die Zusage des OB, dem Gemeinderat im Oktober die gemeinsame Rettung des Bädles vorzuschlagen, toppte alles. Auch wenn die Stadträte naturgemäß der Sache auch noch zustimmen müssen. Allerdings, so der Vorsitzende des Fördervereins, Michael Dürr, in seiner Rede: Sowohl vor der Wahl als auch hinterher habe er von allen Fraktionen großes Wohlwollen dem Bädle gegenüber verspürt. Ein großes Glück ist das. Schließlich löst das Becken sich inzwischen tatsächlich Stück für Stück auf. Jahr für Jahr werden mehr Reparaturen an dem Betonbecken nötig. Ohne das Eingreifen der Stadt ist ein Überleben des Bädles bis zum 95. Geburtstags kein Selbstläufer. Zu hoch wären die zu stemmenden Kosten für den Verein. Aber mit einem Dreiklang aus städtischer Unterstützung, Spenden und dem ehrenamtlichen Engagement müsse die Rettung des Bädles zu schaffen sein, freute sich auch Ortvorsteher Klaus Beck am Samstagabend.

Natürlich gab’s noch ganz viel Dank für alle Ehrenamtlichen, die im Verlauf der vergangenen 90 Jahre das Bädle am Leben gehalten hatten. „Es ist sensationell, so ein Bad ehernamtlich zu führen“, lobte OB Klopfer. Ortvorsteher Klaus Beck stellte bewundernd fest, dass es wirklich wahnsinnig viele Menschen brauche, um alles zu bewältigen. Stellvertretend für alle Helfer erhielt der aktuell wohl Aktivste im Bad, der technische Leiter Jürgen Erdmann, ein besonders dickes Danke. Dazu gab’s noch eine Familiendauerkarte auf Lebenszeit, falls er im Alter mal nicht mehr aktiv sein könne oder wolle. Für seine Frau Sabine gab’s einen schicken Strauß, schließlich lässt sie ihren Mann wieder und wieder gen Bädle ziehen und verzichtet derweil auf seine Anwesenheit zu Hause.

„Erpfenbrass“ hat den Weilermern ordentlich eingeheizt

Gerahmt wurde der rührige Festakt von der jungen Big Band des Musikvereins Weiler. Die jazzigen Melodien ließen die Gründungzeit des Bädles am Ende der 20er Jahre ein wenig näherrücken. Und so konnte man sich inmitten all der Dankbarkeit ein klein wenig verbunden fühlen, mit denen, die das Bad den Weilermer Nachfahren mit Spaten und Pickeln überhaupt erst ermöglicht hatten. Immerhin – dank der plakativen Fotoausstellung am Bädlesrand waren etliche von ihnen zumindest in Form eines Schwarz-Weiß-Bildes mit dabei beim Fest.

Und wo nun schon alle gerührt und beglückt über den so vielversprechenden Start ins 91. Bädlesjahr waren, konnte auch die Partyband „Erpfenbrass“ aufspielen. Schließlich wollten die Weilermer an diesem Abend so richtig feiern. Und diese Musiker haben beileibe kein Erbarmen mit Stimmungsmuffeln. Die Regenbogenfarben ihrer Hosen machten schon vor dem ersten Ton klar: Diese sechs Herren meinen es ernst: Die wollen Spaß haben mit ihrem Publikum. Also gaben sie ordentlich Gas – mit Groove, Witz und Bläser-Know-how. Mit freigiebigen Weilermern teilten sie sich so manches Weizenbier, forderten ihr Publikum zum stehenden Mitklatschen und Anfeuern ihrer Bandkollegen auf, machten mit ihren Instrumenten auch sonst ordentlich Druck. Die Bädlesgäste ließen sich das nur allzu gerne gefallen, feierten und schmausten nebenher, plauschten und genossen die Beats.

Rund ums Kinderbecken leuchteten die Lichter. Bunte Glühbirnen sowie Wimpelketten schmückten den Himmel und auch auf den Tischen funkelten die Kerzen. Als sich die Brass-Musiker in einer kleinen Pause erholten, um anschließend nur noch doller aufzuspielen, gab’s ein kleines Video zu sehen, das die Geschichte des Weilermer Bädles zeigte.

Ein rundum gelungener Abend war’s in jedem Fall, findet Vereinsvorsitzender Michael Dürr. Viele der 250 Gäste haben sich bei ihm im Nachhinein für das schöne Fest bedankt. Da fällt das Aufräumen am nächsten Morgen direkt ein Stückchen leichter.

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