Schorndorf Dorfladen in Schlichten sucht Ehrenamtliche

Matthias Hetzel, Jochen Schmid, Nadine Wild und Gisela Albrecht (von links nach rechts) freuen sich darüber, im Dorfladen inzwischen schwarze Zahlen schreiben zu können. Foto: ZVW/Lea Krug

Schorndorf-Schlichten. Der Dorfladen in Schlichten steht vor großen Schwierigkeiten: Von ehemals 35 Ehrenamtlichen sind nur noch 20 aktiv. Ohne unentgeltliche Unterstützung kann der Laden nicht dauerhaft bestehen. Das Team kann aber auch positive Nachrichten verkünden.

Waren einräumen, kassieren, Artikel auf das Mindesthaltbarkeitsdatum prüfen – all das gehört zu den Aufgaben von Gisela Albrecht. Als ehrenamtliche Helferin macht sie in Schlichten das, was in anderen großen Supermärkten von bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erledigt wird. Was sie dazu antreibt? „Ich wollte in meinem Ruhestand etwas Sinnvolles tun und habe bedauert, dass es in den Jahren vor der Eröffnung keinen solchen Laden gab“, erklärt die pensionierte Lehrerin. Als Mädchen und junge Frau arbeitete sie früher ab und zu in dem Lebensmittelgeschäft ihrer Mutter, sie weiß also, was zu tun ist. Albrecht will mit ihrer Arbeit denjenigen helfen, die kein eigenes Auto haben und kaum mobil sind.

Viele, die sich anfangs engagierten, sind nicht mehr dabei

Doch engagierte Helferinnen und Helfer wie Gisela Albrecht fehlen derzeit, und der Vorstand und Aufsichtsrat des Ladens, der als Genossenschaft organisiert ist, macht sich Sorgen, wie es weitergehen soll. Sollten sie gezwungen sein, mehr bezahltes Personal zu beschäftigen, würde der Laden rote Zahlen schreiben und könnte sich langfristig nicht halten. Viele von denen, die sich am Anfang engagierten, seien inzwischen nicht mehr dabei, berichten Matthias Hetzel, der im Vorstand, und Jochen Schmid, der im Aufsichtsrat sitzt. Auch sie sind unentgeltlich tätig.

In den Sommerferien spitze sich die Lage nochmals zu, da viele in den Urlaub fahren. „Jetzt darf keiner krank werden“, sagt Hetzel. Ihm ist wichtig, die Ehrenamtlichen nicht zu überfordern, deshalb sucht er händeringend nach mehr Leuten.

Öffnungszeiten wurden verkürzt

Vor Ort ist immer eine bezahlte Mitarbeiterin wie Nadine Wild, eine ausgebildete Fachkraft. Aber eine Person alleine im Geschäft reicht nicht aus. Wenn beispielsweise eine Anlieferung kommt, dann braucht es mindestens zwei Personen, eine, die die Kunden bedient, und eine, die sich um die Waren kümmert. Um dem Personalproblem Herr zu werden, wurden bereits die Öffnungszeiten verkürzt. Mittwochnachmittags bleibt der Laden inzwischen dicht.

„Selbst jemand, der mal nur zwei Stunden in der Woche hilft, wäre schon eine Unterstützung“, meint Matthias Hetzel. Ihm ist klar, dass die meisten Bürgerinnen und Bürger nicht die Möglichkeit haben, den ganzen Tag unentgeltlich zu arbeiten.

Im Jahr 2018 schrieb der Laden erstmals schwarze Zahlen

Dass es schwierig werden könnte, einen solchen Laden zu betreiben, ahnten die Schlichtener bereits, bevor sie das Projekt angingen. „Betriebswirtschaftlich lohnt sich so ein Laden nicht“, sagt Hetzel, das habe man durchaus gewusst. Mit seinen 860 Einwohnern ist das Dorf eigentlich zu klein. Doch die Gruppe wollte sich nicht aufhalten lassen. Entgegen der Prognosen hat es der Dorfladen inzwischen geschafft, schwarze Zahlen zu schreiben. Im vergangenen Jahr hat die Genossenschaft erstmals Gewinn gemacht. Die höchsten Umsätze bringen Gemüse, Fleisch, Backwaren und Milchprodukte, berichtet Matthias Hetzel.

Noch im vergangenen Jahr klagte der Vorstand über den Verlust, den man eingefahren hatte. Seither hat das Team die ein oder andere Veränderung vorgenommen: Preise erhöht, Kosten gesenkt, Rabattaktionen eingeführt und alle 14 Tage einen Werbeflyer verschickt.

1600 Artikel im Angebot

Nicht nur das Nötigste bekommen die Kunden im Dorfladen, auch ein Wocheneinkauf lässt sich hier gut erledigen. Zwar kann die Verkaufsfläche nicht ansatzweise mit den großen Supermärkten mithalten, trotzdem gibt es dort alles für den täglichen Bedarf – insgesamt immerhin 1600 Artikel, erklärt Matthias Hetzel stolz. Neben den konventionellen Produkten bietet der Laden außerdem auch ein breites Bio-Sortiment an. Verstärkt achte man darauf, regionale Waren anzubieten.

Doch damit sich der Aufwand für so viele Artikel lohnt, sei es wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht nur Kleinigkeiten einkauften, erklärt das Team. Auch die Kundschaft werde dafür sensibilisiert.

Dorfladen ist zentraler Treffpunkt in Schlichten

Dabei geht es aber nicht nur um das Geschäftliche, sondern auch um das Menschliche. Matthias Hetzel und die anderen betonen, der Laden sei ein zentraler Treffpunkt in Schlichten, wo man sich über das aktuelle Geschehen austausche. Innen und außen gibt es kleine Sitzecken, um sich mit Nachbarn und Bekannten zu treffen. Außer in der Kirche und bei den Vereinen gebe es kaum solche Orte für die Dorfgemeinschaft.


Mitmachen

Wer helfen möchte, kann sich per E-Mail unter info@dorfladen-schlichten.de melden, die Anmeldemaske auf www.dorfladen-schlichten.de/ehrenamt nutzen oder direkt im Laden (Baierecker Straße 23) vorbeischauen.

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