Schorndorf Ehrenwert: Putzen mit Tiefsinn

Schorndorf. Staub wischen, Fenster putzen, Böden schrubben. Babette Walter putzt so leidenschaftlich gern, dass sie sogar als Schauspielerin in die Putzfrauenrolle schlüpft. Als Carola Petzold tritt die Stuttgarterin auch immer wieder in Schorndorf auf – und wirbt jetzt, mit dem pinkfarbenen Staubwedel in der Hand, für den Weltputzfrauentag, der am Dienstag, 8. November, im Teatro Zanni gefeiert wird.

Im Putzen einen tieferen Sinn sehen, das ist eine Kunst. Und nichts anderes ist Reinemachen für Babette Walter. Ordnung schaffen, damit in einem Raum Neues entstehen kann und dabei – ganz nebenher – die persönliche Rumpelkammer räumen. Wer sich, wie Babette Walter im Putzen verlieren kann, ist plötzlich offen für ganz neue Seiten am Reinemachen. Für die 36-jährige Schauspielerin, die schon als Kind Putzjobs annahm, um die Familienkasse aufzubessern, hat Putzen durchaus auch eine meditative Seite. Und nicht nur, weil sie zweimal die Woche ganz privat in einem Stuttgarter Yogazentrum saubermacht. Ist’s doch ein großer Unterschied, ob man griesgrämig über verschmutzte Böden wischt oder den Staub gerne von den Möbeln nimmt. „Dann fühlt man sich danach auch gut“, sagt Babette Walter und versucht, seitdem sie vor zwei Jahren bei Reinigungsfachfrau und Buchautorin Linda Thomas sogar ein Putzseminar gemacht hat, auch immer achtsam zu putzen.

Zu Unrecht: Manche Putzfrau fühlte sich schon veräppelt

Und das meint die 36-Jährigen, auch wenn ihre Putzfrauenrollen auf der Bühne durchaus humorvolle Seiten hat, wirklich ernst. Das zu betonen ist ihr wichtig, weil sich schon manche Putzfrau von ihr veräppelt fühlte. Zu Unrecht: Babette Walter möchte Reinigungskräfte, deren Zahl nach Informationen des Statistischen Bundesamtes immer mehr zunimmt, die aber dennoch in Sachen Anerkennung auf den hintersten Plätzen rangieren, „oben aufs Treppchen stellen“. Sie will Anerkennung für einen Job, der stets im Verborgenen Schönes schafft – und nichts anderes hatte auch Krimiautorin Gesine Schulz im Sinn, als sie mit dem 8. November 2004 den ersten Weltputzfrauentag ins Leben gerufen hat: Jetzt bekommen am Geburtstag von Schulz’ Romanheldin, der putzenden Privatdetektivin Karo Rutkowsky, Reinigungskräfte mancherorts eine weiße Rose überreicht. Und so soll’s auch in Schorndorf sein. Am kommenden Dienstag, 19 Uhr, steigt im Teatro Zanni die erste Party zu Ehren der Sauberfrauen und -männer. Dabei wird Babette Walter über den tieferen Sinn des Putzens referieren – und als Carola Petzold eine Kostprobe ihres „Rausgeputzt“-Programms geben. Putzfrauen und -männer, Mitarbeiter der Müllabfuhr und der Stadtreinigung sind eingeladen und werden, sofern sie sich mit Besen, Putzlappen oder Staubwedel ausweisen können, eine weiße Rose bekommen.

Und alle Putzlaien können bei dieser Gelegenheit gewiss eine Menge nützlicher Tipps und Tricks bekommen: So wirbt Babette Walter, die auch jenseits der Bühne eine Überzeugungstäterin in Sachen Putzen ist, für qualitatives Putzwerkzeug – und macht wegen des „richtigen Putzgefühls“ doch niemals mit Gummihandschuhen sauber. Dafür nimmt sie ihren pinkfarbenen Staubwedel mit echten Straußenfedern wirklich gern zur Hand: „Die nehmen den Staub am besten auf und halten ihn auch“, schwärmt Walter und möchte auch auf die Mullwindeln, die sie sich aus der Babyphase ihres Sohnes bewahrt hat, nicht verzichten: „Nichts saugt so gut wie das.“ Und selbst die schwäbische Kehrwoche hält die gebürtige Leipzigerin nicht nur wegen der Sauberkeit für eine tolle Sache: „Reinemachen ist eine Gelegenheit, mal wieder mitzukriegen, was läuft so in der Nachbarschaft.“ Damit wird aus der Kunst zu putzen eine ganz soziale Angelegenheit.

Info


Die Feier zum Weltputzfrauentag beginnt am Dienstag, 8. November, um 19 Uhr im Teatro Zanni im Röhm-Areal. Nach einem Sektempfang sollen alle Reinigungskräfte mit einer weißen Rose ausgezeichnet werden. Im Anschluss gibt Babette Walter als Carola Petzold eine Kostprobe aus ihrem Komik-Musik-Programm „Rausgeputzt“.

Babette Walter und die Putzfrauenrolle

Zu ihrer Putzfrauenrolle kam Babette Walter bereits während ihrer Schauspielausbildung in Frieder Nögges Schule für Improvisationstheater und Schauspiel in Backnang. Weil sie sich dort immer über den Dreck und Schmutz aufgeregt hat, bekam sie irgendwann eine Kittelschürze geschenkt. Heute ist diese Schürze – in ihrer Paraderolle als Carola Petzold – ihr wichtigstes Kostümstück.

Vor ihren Auftritten putzt die 36-jährige Schauspielerin die Bühne am liebsten selbst: „Das macht mir keiner recht“, sagt Walter – und ist als Putzfrau nicht nur regelmäßig im Teatro Zanni zu sehen, sondern auch im Theaterhaus Stuttgart und im Kabirinett in Spiegelberg sowie auf Bühnen in Aachen, Dresden und Leipzig.

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