SchoWo 2016 Eine Stadt im Ausnahmezustand

Luxusband vor Luxuskulisse: Die SchoWo lockt Tausende aus nah und fern. Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf. Da ist sie wieder, die SchoWo und hat die ganze Stadt im Griff. Klassisches Sinfoniekonzert, Gospel, Kinderballett, Motorradrocker, Kung-Fu-Kinder, Oldtimerparade, von Hand Gemachtes auf dem Hobbymarkt, Leckereien bis zum Abwinken, SchoWo-Bähnle, Zeit zum Freundetreffen, Gottesdienst – auf der SchoWo gibt’s nichts, was es nicht gibt. Eine Stadt im Ausnahmezustand.

Pickepackevoll ist der Archivplatz am Samstagnachmittag. Schorndorfs Jugend stellt sich vor – mit einem Programm, das bunter kaum sein könnte. Die Bläserkids zeigen, was sie ihren Instrumenten schon entlocken können, hochkonzentriert, mit flinken Fingern und einem genauen Ansatz. Der Applaus danach ist ihnen sicher. Begeisterung folgt: Die Kinder, die in Yu Luans Shaolin KungFu-Klasse trainieren, lassen es krachen – und zwar reichlich, mit Holzstecken und Muskelkraft. Sie tanzen beinahe in Kampf-Choreografie über die Bühne, um von der Schulband der VKL-Klasse abgelöst zu werden. Jugendliche aus Kongo, Vietnam, Russland, Rumänien, Kosovo und Polen haben sich zusammengefunden, um gemeinsam mit Lehrer Peter Heußer Emotionen in Musik zu verpacken.

Dann wird’s niedlich, Schülerinnen der Ballettschule Princess trippeln auf die Bühne – im Glitzerkleid mit Korsage und Tütü. Die Haare zu strengen Dutts aufgezwirbelt. Sie tanzen Szenen aus Aschenputtel. Die kleinsten Ballettmädchen müssen von den großen noch mitgezogen werden – zu groß ist die Aufregung auf der großen Bühne. Immerhin, Organisatorin Susanne Väth, die den Nachmittag seit vier Jahren im Auftrag der VG Schorndorf ausrichtet, weiß, dass etliche Vereine sich das ganze Jahr auf diesen Nachmittag vorbereiten, um ihr Können zu präsentieren. „Drum wird das Programm auch von Jahr zu Jahr dichter“, erklärt sie. Dass dieses außerdem mit so einer Berechenbarkeit überzogen wird, wie einst Gottschalks „Wetten, dass“, ist Gesetz.

Video: Unterwegs auf der SchoWo

Gesetze gibt’s auch bei den Motorradrockern, die am Samstagnachmittag in der Kirchgasse ihr Defilee geben: Alleine geht keiner der Biker über die SchoWo, es könnte sich womöglich jemand provoziert fühlen, erklärt man. Und weil keiner Ärger will an diesem lauschigen Samstagnachmittag, passt man eben aufeinander auf. Die „Brotherhood“ (Brüderschaft) wird großgeschrieben, der Respekt verlangt es auch, dass der Schorndorfer Vizepräsident Danny Basic erst mehr Infos über seinen Motorradclub Omen weitergibt, als Präsident Jock, der nicht mehr als diese vier Buchstaben von seinem Namen preisgeben will, anwesend ist.

Warum sie hier sind? „Damit die Schorndorfer mal echte Motorradfahrer kennenlernen und unsere Clubmitglieder die SchoWo genießen können“, sagt Tätowierer Danny. Da kommt grad Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich im gediegenen Anzug an braunen Lederschuhen ums Eck. Er, selbst passionierter Motorradfahrer, fachsimpelt mit dem schwarzbelederten und goldbezahnten Biker. Was einen echten Motorradfahrer denn nun ausmacht? „Der Lebensstil. Er ist frei und fährt Motorrad, wo er will. Das entspannt die Seele“, erklärt der Schorndorfer Biker. Die Liebe zur Maschine, die Liebe zur Natur, durch die er heizt, gehörten genauso dazu wie Geradlinigkeit, Respekt untereinander und die gegenseitige Unterstützung. Wie sehr man sich unterstütze, das zeige schon die Anreise der Clubmitglieder aus ganz Baden-Württemberg, die extra für den Besuch beim Schorndorfer Chapter [Ortsgruppe, Anm. d. Red.] bis zu zwei Stunden Anreise hinter sich gebracht haben.


Kontrastprogramm im Finanzamtsinnenhof. Den sonst langweiligen Parkplatz haben die Mitarbeiter der Evangelischen Allianz einmal mehr in den Adventure-Park verwandelt. Auf der Spielstraße können Kinder Entchen angeln, sich an einer Kletterwand austoben. Die Pfadfinder haben ihr hölzernes Riesenrad aufgestellt. Dazu gibt’s Torwandschießen und Trimm-Dich-Räder, die in ein lustiges Spiel integriert sind. Und falls dann noch immer Energie übrig ist, kann die in der Hüpfburg abgebaut werden – ein Glück für Kinder und Eltern gleichermaßen. So abgekämpfte und vergnügte Sprösslinge halten vergleichsweise still aus, bis ihre Eltern sich durch die Verpflegungsstände der Allianz gekämpft haben.


Und im Schlosshof haben SchoWo-Flaneure dann ein Wochenende lang das „Zimt & Koriander“-Ambiente genießen können, das in der Römmelgasse seit dem Aus für Mirian Lehles Vinothek fehlt: Ein roter Schaukelstuhl, bunt gepolsterte Paletten, gemütliche Flohmarktsessel, ja sogar ein kleines Schaukelpferdchen laden zum Verweilen ein. Dazu gibt’s Bio-Käse-Teller, Antipasti-Kompositionen, ausgesuchte Weine – und das bewährte Konzertprogramm des Kulturforums: Nach der Salsa-Nacht am Freitag ging’s am Samstagabend ambitioniert-laut mit den Bands der Jugendmusikschule weiter und am Sonntag dann der Dreiklang aus Stuttgarter Saloniker zur Matinee, schwäbischer Nachmittagsstunde mit Bernhard Bitterwolf und „The Good, The Bad and The Ugly“ am Abend.


Bewährt am SchoWo-Sonntag ist auch der Kunst- und Hobbymarkt: Zum 25. Mal hat die VG Schorndorf die Kreativen in die Barbara-Künkelin-Halle geladen. Und was müssen in den vergangenen Wochen und Monaten die Strick- und Häkelnadeln geklappert haben und die Nähmaschinen heiß gelaufen sein. Dazu: handgemalte und -geschriebene Bilder, Ketten, Bärchen, Püppchen, Bonsaibäumchen. Insgesamt 57 Ausstellerinnen und Aussteller waren beim Kreativmarkt dabei, der am Sonntag an die 650 Neugierige in die Halle gelockt hat.

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