Schorndorf Eltern beklagen hygienische Zustände in der Rainbrunnenschule

Fachbereichsleiter Steffen Schultheiß, Bürgermeister Thorsten Englert und Schulleiterin Karola Gross (von links) machen sich noch mal ein Bild vom Wasserschaden im Kunstraum der Rainbrunnen-Grundschule: Über die Sommerferien ist durchs Dach Regenwasser getropft. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Schorndorf. Im Sommer hat die Stadt fast eine halbe Million Euro in die Sanitäranlagen der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen investiert, Toiletten erneuert und Behinderten-WCs eingebaut. Dass zum Schuljahresbeginn trotzdem Elternklagen bis zum Gemeinderat vordrangen über den schlechten Hygienezustand in der Schule, erklären Bürgermeister Thorsten Englert und Steffen Schultheiß, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, mit einer „Verkettung unglücklicher Umstände“.

Auch wer nicht dabei war, kann sich die Situation bildlich vorstellen: Gleich am zweiten Schultag findet abends um sieben ein Elternabend für die neuen ersten Klassen statt – unter denkbar ungünstigen Bedingungen: Wegen der aufwendigen Umbaumaßnahmen fiel in den Sommerferien die sonst übliche jährliche Grundreinigung flach. Aus den Toiletten im Eingangsbereich der Grundschule, die erst im vergangenen Jahr für 100 000 Euro saniert wurden, an diesem Tag aber noch nicht geputzt waren, stank es an diesem Abend gewaltig. Und im Kunstraum im Altbau, in dem bis zu den Sommerferien eine Vorbereitungsklasse unterrichtet wurde, war über die Ferien Wasser durchs undichte Dach eingedrungen. Bis der Wasserschaden zum Schuljahresbeginn bemerkt wurde, hatte sich nicht nur schwere, feuchte Luft gesammelt, es hatte sich an der Wand des Klassenzimmers auch Schimmel gebildet.

Grundschul-Toiletten: „Hier stinkt’s wie im Puma-Käfig“

Für Mütter und Väter – und vor allem, wenn ihre Kinder noch nicht mal eingeschult sind – ein Bild des Grauens. Und für die Stadt Schorndorf nicht von der Hand zu weisen: Dass es in den Toiletten im Eingangsbereich stinkt, will selbst Bürgermeister Thorsten Englert beim Pressetermin morgens um 11 Uhr in der Schule nicht kleinreden. Als sich die Tür öffnet, bricht es aus ihm heraus: „Hier stinkt’s wie im Puma-Käfig.“

Um einen Baumangel, sagt Fachbereichsleiter Steffen Schultheiß, handele es sich dabei nicht. Ist die Putzkolonne abends durch, sei der Geruch beseitigt: „Morgens um sieben“, versichert er, „stinkt es nicht“. Und auch Rektorin Karola Gross sieht die Ursache nicht in der Ausstattung und auch nicht in zu langen Putzintervallen. Jungs, die absichtlich danebenpinkeln, Erstklässler, die es noch nicht schaffen, richtig zu treffen – die Schule ist dran, Kinder und Eltern zu sensibilisieren, wie Toiletten in der Schule so genutzt werden, damit sich der Ekelgrad in Grenzen hält.

Seitdem Schultheiß – nach Klagen in der Schulleiterkonferenz und von Elternvertretern – die Sauberkeit an Schulen zur Chefsache gemacht hat, findet Gross, dass sich die Situation grundsätzlich verbessert hat. Sie ist zufrieden – auch mit der mittlerweile sehr guten Toilettenausstattung. Doch dass es in der Schule wie im Fünf-Sterne-Hotel ist, wo eine Reinigungskraft den ganzen Tag neben der Tür steht und nach jedem Toilettengang sauber macht, „das kann man nicht erwarten“, sagt Bürgermeister Englert.

 

"Verkettung unglücklicher Umstände"

Dass die neuen Erstklässlereltern die Schule in einem derart desolaten Zustand kennenlernen mussten, ist für Englert und Schultheiß „eine Verkettung unglücklicher Umstände“. Nach den großen Umbaumaßnahmen im Sommer, sei der Schuljahresbeginn einem Kaltstart gleichgekommen. „Wir sind etwas holprig ins neue Schuljahr gestartet“, sagt auch Schulleiterin Gross. Und weil die Stadt als „verlässlicher Partner der Schulen“ wahrgenommen werden möchte, wird jetzt nachgebessert: In den Herbstferien wird die Grundreinigung des Schulgebäudes nachgeholt. Der Kunstraum wird saniert – sobald abschließend untersucht ist, ob sich womöglich auch Schimmelsporen im Raum befinden. Das Dach, durch das noch immer Regenwasser tropft, wird repariert.

Der Kostenrahmen, kann Schultheiß jetzt schon sagen, liegt in einer „schmerzlichen Größenordnung“. Erneuert wird die Dachfläche nicht, ist doch auf lange Sicht ein Grundschulneubau im Rainbrunnen geplant. Vor 2025 freilich wird das aber nicht geschehen, räumt Englert ein. Dass sich die Stadt aber überhaupt Gedanken über eine Immobilienstrategie machen muss, will Bürgermeister Englert gar nicht verhehlen: In Schorndorf sind einige (Schul-)Gebäude schon sehr in die Jahre gekommen.

 

Es muss sich grundsätzlich was tun

Für die Gemeinschaftsschule Rainbrunnen wünscht sich die Rektorin, die Dieter Leins zum neuen Schuljahr abgelöst hat, dass die Primarstufe in absehbarer Zeit auf das bauliche Niveau der Sekundarstufe kommt. Vor allem für den Ganztagsbereich wünscht sie sich bessere Bedingungen: „Das ist mir ein großes Anliegen.“ Die Kolleginnen, sagt sie, seien auch bereit, die Räumlichkeiten mit Farbe etwas aufzuhübschen. Doch es müsse sich grundsätzlich was tun.

Steffen Schultheiß kann zum jetzigen Zeitpunkt zumindest in Aussicht stellen, dass die Stadt einen kleinen finanziellen Spielraum hat: Gut 20 000 Euro günstiger als veranschlagt sei der Umbau im Sanitärbereich gekommen. Geld, das jetzt für Malerarbeiten ausgegeben werden könne.

 

Inklusion

Inklusion ist in der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen ein großes Thema: Voriges Jahr hat die Stadt – mit Zuschüssen des Landes – elektromotorische Zugänge geschaffen und Barrieren entfernt. In den Sommerferien wurden die Bedingungen für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung weiter verbessert: In der Elementar- und in der Sekundarstufe gibt es neue Toiletten, mit höhenverstellbaren Waschbecken und Wickel-/Duschliege. Im Herbst wird eine neue Eingangstür für den barrierefreien Zugang eingebaut.

100 000 Euro waren’s im Jahr 2016. In diesem Jahr hat die Stadt – in Sachen Inklusion – mehr als eine halbe Million Euro in die Sanitärbereiche im Rainbrunnen investiert. Vier Kinder mit Behinderungen besuchen das Schulzentrum. Im neuen Schuljahr wird eines in der Grundschule dazukommen. Und geht’s nach der Schule, könnten weitere aufgenommen werden.

 

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