Schorndorf Ex-Rennfahrer und Unternehmer Paul Ernst Strähle ist tot

Paul Ernst Strähle am 15. Juni 2010 in der Galerie für Kunst und Technik, als der Halberstadt-Doppeldecker von 1918, eine Leihgabe von ihm, abgebaut wurde. Archivbild: Schneider Foto: ZVW

Im Alter von 83 Jahren ist der Schorndorfer am Mittwochabend gestorben / Trauerfeier am 3. November in der Stadtkirche

Schorndorf (mik). Er wurde in Schorndorf geboren und ist am Mittwochabend in seiner Heimatstadt nach kurzer, schwerer Krankheit auch gestorben: Paul Ernst Strähle. Der frühere Rennfahrer und Unternehmer wurde 83 Jahre alt. Die Trauerfeier findet am Mittwoch, 3. November, in der Stadtkirche statt. Sie beginnt um 11 Uhr.

Paul Ernst Strähle kam am 20. September 1927 als Sohn des schwäbischen Flugpioniers Paul Strähle im Haus Schlichtener Straße 4 zur Welt. Nach dem Krieg absolvierte er eine mechanische und kaufmännische Ausbildung im elterlichen Auto- und Motorradhandel, den er später zu einem Volkswagen- und Porsche-Handelsbetrieb ausbaute. Die Firma Strähle wurde vor 183 Jahren in der Schlichtener Straße 4 gegründet, zog dann in die Stuttgarter Straße um (bis 1997) und ist heute in Plüderhausen ansässig.

Mit großer Leidenschaft widmete sich Paul Ernst Strähle ab 1951 dem Motorsport. Seine ersten Erfolge erzielte er auf seinem „Dapferle“ genannten VW-Käfer mit Porsche-Motor. Auf dem Porsche 356 wurde er ab der zweiten Hälfte der 50er Jahre zu einem der erfolgreichsten deutschen Sportwagen-Rennfahrer in Europa. In seiner langen Erfolgsbilanz stehen unzählige Klassensiege bei großen Wettbewerben wie der Mille Miglia in Italien, dem 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring oder der Targa Florio auf Sizilien. Zu Strähles wichtigsten Rallyeerfolgen zählen Gesamtsiege bei der Rallye Adria (1953, 1956), der Tour de Belgique (1957), der Rallye Lüttich-Rom-Lüttich (1959) oder Tour der Corse (1960).

Seine aktive Motorsportlaufbahn beendete der ehemalige Deutsche Automobilmeister (1955), Rallye-Vizeeuropameister (1956) und Deutsche Rallyemeister (1958) im Jahr 1963, um sich stärker auf seinen Betrieb konzentrieren zu können. Doch schon 1966 folgte die Gründung des Rennstalls „Strähle Autosport“, der über einen Zeitraum von fast drei Jahrzehnten zahlreiche Erfolge mit Porsche-Modellen in verschiedenen Rennserien errang. Ab 1977 widmete sich Paul Ernst Strähle zudem dem historischen Motorsport. In seinem berühmten Porsche 356 A Carrera mit dem Kennzeichen „WN-V 2“ (mit diesem Fahrzeug war Strähle bis zuletzt immer wieder auch in Schorndorf unterwegs) wurde er zum Höhepunkt zahlreicher Oldtimer-Veranstaltungen.

Noch im Februar dieses Jahres berichtete Paul Ernst Strähle in der proppenvollen ASV-Halle in Schlichten über die von ihm vor 50 Jahren ins Leben gerufenen Bergrennen von Schorndorf in den heutigen Stadtteil. Mit der Daimlerstadt fühlte sich der Verstorbene immer verbunden. Nicht zuletzt deshalb überließ er Anfang 2005 der Galerie für Kunst und Technik einen Halberstadt-Doppeldecker von 1918 als Leihgabe. Es ist das Flugzeug, mit dem sein Vater, der Luftpionier Paul Strähle, am 3. Januar 1921 den ersten planmäßigen Luftverkehr von Stuttgart aus eröffnete. Die Geschichte mit der Leihgabe ging allerdings nicht gut aus. Im Juni 2010 ließ Paul Ernst Strähle sie aus Verärgerung über die Stadt Schorndorf wieder abbauen. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt.

Seine Verdienste um die Daimlerstadt sind allerdings unbestritten. Auszeichnungen belegen das: Bereits zu seinem 50. Geburtstag am 20. September 1977 erhielt Paul Ernst Strähle das Bundesverdienstkreuz. Und beim Neujahrsempfang 2008 die Daimlermedaille.

 

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