Schorndorf Flex-Fonds will Postturm verkaufen

100 000 Euro Mieteinnahmen im Jahr sollte die Kunstwand am Postturm einbringen. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Aktuell hängt noch immer die Werbung für die Blumenschau, die während der Remstal-Gartenschau im Schlosskeller zu bestaunen war, an der Fassade. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf.
Wie seine anderen Fonds, so will Gerald Feig bis ins Jahr 2021 auch den „Regio Flex-Fonds 1“ auflösen, in dessen Portfolio neben Gewerbeimmobilien im Ostalbkreis und im Filstal auch der Postturm gehört. Bis dahin soll auch das 44 Meter hohe Gebäude am Karlsplatz verkauft sein. Kaufinteressenten gebe es, sagt Feig. Ebenso einen Auflösungsbeschluss – und das Mandat der Anleger, „das Objekt heute zu verkaufen“.

Der Grund, warum er dem Fondsgeschäft den Rücken kehren will, liegt für ihn im 2013 in Kraft getretenen Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB), das den nach Skandalen um geschlossene Fonds bis dahin unregulierten grauen Kapitalmarkt regeln sollte und Erweiterung-Investitionen, die in die Grundrissgestaltung eingreifen, unmöglich mache. In diesem Restrukturierungsverfahren, so Feig weiter, kämpfe er seit Jahren damit, „dass die Altfonds ordentlich abgewickelt werden“.

Dazu gehören auch der „Private Flex-Fonds 1“ und der „Anspar Flex-Fonds 1“, die vor zwei Jahren in die Schlagzeilen kamen, weil Flex-Fonds die Ausschüttungen gestoppt hatte. Seit drei Jahren, sagt Feig, sei er damit beschäftigt, zu retten, was es zu retten gibt. Um Renditen gehe es zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr, „sondern es geht nur noch um Rückzahlung des Kapitals“. Ein Neugeschäft zu platzieren, sei unmöglich: „Irgendwann wird meine Ära als Flex-Fonds-Chef beendet sein, dann gibt es andere kreative Aufgaben, aber nicht mehr im Fondsbereich.“ Und der einzige alternative Investmentfonds im regulierten Bereich, der „Flex-Fonds Select 1“, den er 2017 nach den Bestimmungen des KAGB aufgelegt und im Juni 2019 geschlossen hat, wird auch nicht von Flex-Fonds, sondern vom Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger verwaltet – seitdem Feig die Flex-Fonds Invest AG Kapitalverwertungsgesellschaft dorthin verkauft hat.

Gerald Feig plant „ein sehr großes Projekt hier in der Region“

In Rente will Gerald Feig darum aber nicht gehen. Er könnte sich vorstellen, als Unternehmensberater und Krisenmanager in anderen Firmen Probleme zu lösen. Tatsächlich werde ihn in den nächsten fünf, sechs Jahren „ein sehr große Projekt hier in der Region, das Modellcharakter hat“, begleiten, für das er das leer stehende Erdgeschoss der ehemaligen Villa Veil frei hält. Und darum hofft Feig, dass auch die Staatsanwaltschaft endlich mit ihren Ermittlungen beginnt. Dass, wie berichtet, seit eineinhalb Jahren gegen ihn wegen Untreue und Betrugs ermittelt wird, das bezweifelt Feig: „Die Wahrheit ist, dass sie noch nicht mal die Kisten aufgemacht haben.“ Das, sagt Heiner Römhild als Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart auf Nachfrage, stimme nicht: „Das Ermittlungsverfahren dauert an. Die Auswertung der sichergestellten Unterlagen ist noch nicht abgeschlossen.“

Im Mai 2018 durchsuchten Fahnder von Staatsanwaltschaft und Polizei nach einer anonymen Anzeige die Schorndorfer Firmenzentrale sowie weitere Objekte in Stuttgart und Berlin. Der Vorwurf: Feig soll das Postturm-Carée, das er als Investor gebaut hat, zu einem überhöhten Preis an den von ihm gemanagten Fonds verkauft haben. Dabei gab es insbesondere Zweifel, ob die Kalkulation seiner Mieteinnahmen und die Einnahme aus der Werbetafel in Höhe von 100 000 Euro pro Jahr am Postturm nachhaltig korrekt waren. Dass Mieteinnahmen fehlen und die Kunstwand nicht das erwünschte Ergebnis bringe, das, sagt Feig, habe Flex-Fonds mit den Anlegern thematisiert und „mit jedem einzelnen Anleger eine Individualvereinbarung getroffen“. Diese haben damit „die Möglichkeit, rauszugehen, und wir zahlen ihnen das ganze Geld zurück“. Darin, dass die Anleger Bescheid wussten und dass keiner „auch nur einen Cent verliert“, sieht Feig seine Entlastungsbeweise.

Dass es sich beim Postturm aber – und dieser Eindruck ist für Feig in dem Artikel über das Ende der Skybar und den Streit mit Pächter Alexander Dohnt entstanden – um eine Schrottimmobilie handele, dagegen wehrt er sich entschieden. Es gebe Mängel – einen Wasserschaden im zweiten Obergeschoss mit Auswirkungen auf die unteren Etagen sowie defekte Windwächter an den Jalousien –, außerdem Leerstände und die ungeklärte Situation um die Verpachtung der Skybar. Bei den hellen Ausblühungen, die an der Fassade des Postturms auffallen, indes handele es sich aber um keinen Bau-, sondern einen physikalischen Mangel, der sich abwaschen lasse. Im Grunde also alles keine Mängel, die sich für Feig nicht beheben lassen: „Dann steht das Gebäude wieder da.“ Und auch erst in diesem Zustand wolle er den Postturm verkaufen.

Streit über Wasserschäden, den Aufzug und das Bar-Konzept

Der Streit mit seinem Pächter kann nur vor Gericht geklärt werden: Die Aussagen der beiden könnten konträrer nicht sein – und sind für Außenstehende kaum zu durchschauen. Beklagt Alexander Dohnt Wasserschäden, die durch geplatzte Heizungsrohre und von Schäden an Terrasse und Fassade herrühren, sieht Feig in Dohnt den Hauptschuldigen: An dessen Geschirrspülmaschine habe es einen Wasserrohrbruch gegeben. Daraufhin sei das gesamte neunte Obergeschoss unter Wasser gestanden, das nicht abfließen konnte, „da das Abwasserrohr durch die Zugabe von Fetten verstopft war“ und Feuchteschäden verursacht habe. Für die beiden Wasserschäden im zweiten Obergeschoss, infolgedessen die Barmer-Ersatzkasse erst sechs Wochen lang ihre Geschäftsstelle schließen und mittlerweile in den dritten Stock ausweichen musste, macht Feig den Bauunternehmer beziehungsweise dessen Subunternehmer verantwortlich: Dieser habe die Eckventile im Heizungssystem fehlerhaft eingebaut und „unzweifelhaft mit falschen Materialien gearbeitet“. Das, sagt Feig, „ist ein Versicherungsschaden“, wie er in jedem Haus vorkommen könne.

„Alles Humbug“, entgegnet daraufhin Alexander Dohnt, auf die Vorwürfe angesprochen, und hat seinerseits schon Beweise gesammelt. Beweise legt auch Gerald Feig vor – zum Beispiel in Sachen Aufzugsausfall: Dass der Aufzug in den vergangenen Jahren geschätzt mehr als hundertmal gestreikt habe, wie Dohnt beklagte, sei nicht wahr. In einem Bericht der Fidelius Stuttgart GmbH, die seit September 2019 das Mandat für die Hausverwaltung übernommen und die Auftragsprotokolle des Aufzugsbauers zusammengefasst hat, gab es seit Ende 2017 „insgesamt acht Aufzugsausfälle“, die länger als eine Stunde andauerten. Und unter diesen Störungen sei auch der sechstägige Ausfall gewesen, verursacht von einem aus der Rolle gesprungenen – nicht gerissenen – Seil, das sich verhakt hat.

Ganz generell, führt Feig in diesem Zusammenhang aus, liege das Problem mit dem Aufzug darin, dass er im Postturm mit einer Grundfläche von 450 Quadratmetern keine zwei Aufzüge einbauen konnte, sondern nur einen, „der natürlich eine neuralgische Position hat“. Doch für Feig ist auch klar: „Die Mieter wussten das von Anfang an, dass es das Risiko eines Aufzugsausfalls gibt.“ Und wenn es einen längeren Ausfall gebe, wie der im September, dann hat der Mieter aus Sicht von Feig „dafür zu sorgen, dass er eine Unterbrechungsversicherung, eine Betriebsausfallversicherung abschließt und diese Kosten übernommen werden“. Für Feig ist das „das unternehmerische Risiko, wenn man sich in so einen Turm einmietet“. Dass ihm Alexander Dohnt wegen der Aufzugsausfälle erst die Mietzahlung gekürzt und diese schließlich ganz gestrichen habe – „in Summe gesehen hat der Pächter schon über zwei Jahre keine Miete mehr bezahlt“–, das will Feig nicht hinnehmen. Und wegen „seiner Zahlungsmoral“ habe er ihm auch fristlos gekündigt und eine Räumungsklage hinterhergeschickt.

Wie er überhaupt kein gutes Haar lässt an seinem Noch-Pächter, mit dem er im Übrigen auch nie befreundet gewesen sein will: Das Konzept der Bar habe nicht Dohnt, sondern Feig selbst zusammen mit dem Stuttgarter Architekten Steffen Haas entwickelt – inspiriert von zwei Bars in Miami. Auch die Einrichtung – mit Ausnahme der Holzstammbar im zehnten Obergeschoss – hat Feig als Eigentümer gestellt. Kostenpunkt: 507 963,89 Euro. Darüber hinaus bemängelt Feig eine schlechter gewordene Qualität im Service und einen damit verbundenen Reputationsverlust, er beklagt Hygiene- und Müllprobleme und die mangelnde Umsetzung „eines von vornherein abgestimmten Barfood- und Beverage-Konzepts“. Dass sein Pächter eine Unterdimensionierung der Lüftungsanlage als Mangel anführt, weist Feig von sich: „Die Wahrheit ist, wir haben eine Bar vermietet und kein Restaurant.“ Der Teppanyaki-Grill, auf dem Steaks und Hamburger gebraten wurden, sei dafür gar nicht ausgerichtet, sondern nur für „das Anwärmen von Speisen“. Frittierte Speisen anzubieten, so Feig weiter, sei sowieso nicht gestattet: „Würde er Sushi anbieten oder Tapas, gäbe es keine Geruchsbelästigung.“ Auch das sieht Dohnt ganz anders: Nicht für das Anwärmen von Shrimps für einen Salat, wie von Feig angeführt, sei der Grill angeschafft worden, sondern ausdrücklich für das Anbraten von Steaks. Und das habe er im Übrigen von Anfang an so beworben.

Den „wirklich einzigen Schaden“, den er beziehungsweise Flex-Fonds als Gebäudeeigentümer zu verantworten habe, sagt Feig, „das ist die Schimmelbildung im Keller“. Die wiederum hänge mit dem Altbau, in dem sich das Café Moser befindet, zusammen: „Dort hatten wir lange Zeit Wassereintritt an der Außenfassade, die tatsächlich zu einer Durchfeuchtung der Kellerwände geführt hat.“ Doch das sei mittlerweile erledigt.

Feig: Nicht vergessen, „dass hier jemand großen Mut besessen hat“

Dass wegen dieser Mängel aber das ganze Objekt und die Vision infrage gestellt werden, das will Feig nicht hinnehmen – und sieht sich als verantwortungsvoller Unternehmer demontiert und in der Rolle des Opfers: „Ich glaube“, sagt Feig, „dass ich hier in Schorndorf genug gemacht habe; ob es dieses Gebäude (in der Friedensstraße, Anm. d. Red.) war, der Pfauen, der Postturm.“ Bei allem, betont Feig, sollte man nicht vergessen, „dass hier jemand großen Mut besessen hat, das umzusetzen“. Allein, was er aus dem Altbau des Postturm-Carrés gemacht habe, „das hat jetzt 100 Jahre Bestand“. Dazu kommt für ihn: In 31 Jahren an der Spitze eines Finanzunternehmens habe er „noch nie vor einem Richter gesessen, der gesagt hat, Herr Feig, Sie haben Unrecht getan“.


Skybar

Zum Jahresende will Alexander Dohnt die Skybar räumen. Wiedereröffnen will Gerald Feig im April 2020, spätestens im Mai 2020. Das vierte Obergeschoss, das Flex-Fonds im Postturm bisher genutzt hat, soll dann Teil des neuen Barkonzepts werden – als Fläche für geschlossene Veranstaltungen und mit der Terrasse als Event-Fläche und Smokerbereich. Feig: „Das Einzige, das wir brauchen, ist ein Profi, der mit Leidenschaft dieses Konzept umsetzen möchte.“ Noch ist die Suche nicht abgeschlossen.

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