Schorndorf Forscherfabrik feiert Geburtstag

Eine Ladung Kohlendioxid-Rauch gab’s fürs Publikum bei der Experimentiershow des Mannheimer Bildungsclowns Jörn Birkhahn. Foto: Büttner / ZVW

Schorndorf. Ein Jahr Forscherfabrik in der ehemaligen Technik-Galerie – nachdem zu Beginn der Woche geladene Gäste mit den Initiatoren, Wegbegleitern, Geldgebern und mit Staatssekretärin Katrin Schütz gefeiert haben, stieg am Wochenende eine Geburtstagsparty für die eigentliche Zielgruppe – und zum halben Eintrittspreis. Für Kinder gab’s eine offene Autowerkstatt und verblüffende Experimente mit dem Mannheimer Bildungsclown Jörn Birkhahn.

Über Besuchermangel kann die Schorndorfer Forscherfabrik seit der Eröffnung vor einem Jahr nicht klagen. Mit 37 000 Mädchen, Jungen, Müttern, Vätern und Großeltern wurden die Erwartungen um gut 10 000 zahlende Gäste übertroffen. Und ist der Ansturm normalerweise auch nicht mehr ganz so groß wie in den ersten Monaten: Auf dem Parcours mit 50 Experimenten und den ständig ausgebuchten Kursen ist immer was los. Erst recht natürlich bei der Geburtstagsparty am Wochenende, die am Sonntag wegen des großen Andrangs sogar zeitweise geschlossen war: Die Treppenstufen im Eingangsbereich, wo Bildungsclown Jörn Birkhahn in weißer Hose, weißem Kittel und rot-orangefarbenen Riesenschuhen naturwissenschaftliche Phänomene unterhaltsam erklärt, sind jedenfalls bis auf den letzten Platz besetzt. Und auch wenn er bei seinen kindgerechten Präsentationen vereinfacht, „die Herausforderung ist, es nicht zu verfälschen“, sagt Birkhahn, der schon zur Eröffnungsfeier vor einem Jahr mit seiner Experimentiershow begeistert hat.

Doch etwas Neues gibt es immer zu lernen: Und so erfährt das Publikum zum Warmmachen, dass beim jubelndem Geschrei chemische Energie in Schallenergie verwandelt wird, beim Klatschen ist es die Bewegungsenergie, die sich verändert. Und genau das, wünscht sich der Bildungsclown, soll passieren, wenn sich jemand traut, zu ihm nach vorne zu kommen. Die erste mutige Nachwuchsforscherin ist Svea: Sie hilft beim Umdrehen eines mit Wasser gefüllten Zylinders und wundert sich, dass es die Postkarte, die der Clown vor der Aktion aufgelegt hat, nicht mit einem satten Wasserstrahl in die bereitgestellte Waschschüssel spült. Mit Wasser festgeklebt, wie Svea vermutet, ist die Karte nicht. Sie wird, weil beim Umdrehen keine Luft in den Zylinder gelangt, vom Luftdruck festgehalten. Das funktioniert auch bei größeren Vasen – mit Alufolie und sogar mit einem auf einem Drahtbogen gespannten Feinstrumpf als Verschluss. In diesem Fall, erfährt das Publikum, bildet das Wasser mit seiner Oberflächenspannung an der Grenze Pfropfen und verschließt den Ausfluss so. Dieses Spiel ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen – „bis zu einer Wassersäule von neun Metern“, erklärt der Clown und macht sich schon bereit fürs nächste Experiment.

Da brodelt’s in der Waschschüssel wie in einer Hexenküche

Dabei geht’s um den Sauer- und Stickstoff, die wir einatmen, vor allem aber um das Kohlendioxid, das aus uns herauskommt. Mit vier Jungen und zwei Mädchen startet Jörn Birkhahn das Experiment: Um Kohlendioxid zu sammeln, sollen sie in einen zur Hälfte mit Wasser befüllten Glaszylinder pusten. Was ist zu sehen? Natürlich nichts. Doch als der Clown ein Tröpfchen Spülmittel ins Wasser und den Nachwuchsforschern Riesenstrohhalme an die Hand gibt, wird das Kohlendioxid plötzlich sichtbar. Es schäumt und blubbert im Zylinder – und wenn dann auch noch CO2 in Form von Trockeneis dazukommt, wird’s spannend: Da brodelt’s und raucht’s in der Waschschüssel wie in einer Hexenküche.

Dreimal am Samstag und dreimal am Sonntag hat der Bildungsclown mit dieser und zwei weiteren Experimentiershows in der Forscherfabrik für viel Spaß, vor allem aber für Wissenszuwachs gesorgt – mit Stärke und Wasser zu schubverdichtenden Flüssigkeiten und beim Riesentüten-Aufpusten zum Bernoulli-Effekt. Auf dem Parcours mit 50 Experimentierstationen und der neuen Tüftler-Terrasse konnten sich die Geburtstagsgäste dann weiter naturwissenschaftlich vergnügen: mit dem Wasserkraftwerk, den Skydancern, der Druckluftrakete, der Windmaschine, im Riesenhamsterrad und draußen mit dem Wassertornado, dem Labyrinth und weiteren fünf neuen Stationen.

Geöffnet war auch das Wolfgang-Kelch-Labor, wo an beiden Tagen Autobauer aktiv waren. Aus UMT-Lochstangen und Gummirädern konnten Kinder kleine Autos konstruieren. Mit Anleitung oder ohne, gemeinsam mit den Eltern oder alleine. „Am besten“, sagt Kursleiterin Adelheid Dörling, „assistieren die Eltern ihren Kindern“. Im regulären Kursprogramm ist das anders, da können Grundschulkinder mit Luft und Tönen, mit Strom, Wind- und Wasserkraft experimentieren. Für Kinder der Klassen fünf und sechs gibt es Kurse zur Stofftrennung und zur Elektrizität. In den Genius-Mobililtätskursen sind Raketen-Autos, Zahnradgetriebe und der Elektromotor Thema. Und zur Gartenschau wird es ein Grünes Klassenzimmer mit Pflanzforscherkursen geben sowie einen Klanggarten im Stadtpark. Und wer noch mehr erfahren möchte, für den gibt es neuerdings auch Tüftler-Hefte mit naturwissenschaftlichen Aufgaben und Rätseln. Doch allen Angeboten der Forscherfabrik ist eines gemeinsam: Sie sollen Mädchen genauso wie Jungen für die Naturwissenschaften begeistern.


Andrang am Sonntag

211 Geburtstagsgäste waren am Samstagnachmittag in der Forscherfabrik. Am Sonntag waren's um halb vier schon gut 530. Und zwischenzeitlich war der Andrang sogar so groß, dass am Sonntag zwischen 14.15 und 14.30 Uhr die Eingangstür geschlossen bleiben musste. Auch aus Rücksicht auf den Bildungsclown, dessen Experimentiershow, an dem alle vorbeigemusst hätten, sonst erheblich gestört worden wäre.

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