Schorndorf Forscherfabrik: Kinder für Technik und Naturwissenschaften begeistern

Blick durchs Forscherfabrik-Zahnrad: Bildungsclown Jörn Birkhahn und Kinderreporterin Jette Degel stimmten mit einem Luftballon-Experiment auf die neue Schorndorfer Museums-Attraktion ein. Foto: Büttner/ZVW

Schorndorf. Es sind die Kinder, und vor allem auch die Mädchen, die in der Forscherfabrik für Technik und Naturwissenschaften begeistert werden sollen. Bei der Eröffnung haben sich am Montagnachmittag aber auch die 250 erwachsenen Gäste mit großer Freude auf die Experimente gestürzt, sich auf Lichtspiele eingelassen, eine Runde im Hamsterrad gedreht, Spinnen auf dem Erdbebentisch zittern und sich vom Staubsaugerlift nach oben heben lassen.

Video: Das erwartet die Nachwuchswissenschaftler bei der Forscherfabrik.

Wie die heiße Luft aus dem Toaster einen gelben Sack in die Höhe schweben oder sich ein blauer Plastikschlauch mit einigem Abstand ganz locker aufblasen lässt – was Bildungsclown Jörn Birkhahn mit den Kinderreportern vorgeführt hat, war als experimentelle Kostprobe gedacht, als lockerer Rahmen für die Talkrunden mit den politischen Wegbegleitern, den Planern und Stiftern, den Partnern für Bau und Gestaltung – und wirkte zugleich als Appetithappen: Die 250 geladenen Gäste aus Politik und Wirtschaft, die Förderer und Sponsoren, ließen sich begeistert auf die Experimente ein, die im ersten Satellitenstandort der Heilbronner „experimenta“ eigentlich bei Kindern zwischen vier und zwölf Jahren das Interesse für Technik wecken sollen.

Doch für Begeisterung ist es nie zu spät – und ganz bestimmt auch nicht zu früh: Weil Baden-Württemberg als Technologieführer dringend Naturwissenschaftler braucht, ist Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, nicht nur persönlich zur Eröffnung der Forscherfabrik nach Schorndorf gekommen. Die CDU-Politikerin hat auch die Schirmherrschaft für die Forscherfabrik übernommen und einen Bescheid über 50 000 Euro mitgebracht, zur Finanzierung von zwei Exponaten im Außenbereich und eines Imagefilms. Sie zeigte sich begeistert von der „inspirativen Atmosphäre“ und freute sich, dass die Forscherfabrik mit Emma und Gottlieb ein weibliches und ein männliches Maskottchen hat. Den Wissensdurst der Kinder stillen und den Forscherdrang entwickeln, das soll die Forscherfabrik leisten und – wie auch eine Landesinitiative mit mittlerweile 52 Bündnispartnern – insbesondere die Mädchen für Naturwissenschaften und Technik begeistern.

Einer der geistigen Väter der Forscherfabrik ist CDU-Landtagsabgeordneter Claus Paal: Nachdem seine Idee, ein großes Science-Center für Stuttgart aufzubauen, im Jahr 2011 gescheitert ist, entwickelte er die Vision, die „experimenta“ Heilbronn mit Satellitenstandorten in die Fläche zu bringen – und fand nicht zuletzt in Oberbürgermeister Matthias Klopfer einen begeisterten Partner. „Für mich“, sagte Paal bei der Eröffnung, „geht heute ein Traum in Erfüllung“. Schon in seiner Neujahrsrede vor zehn Jahren, erinnerte OB Klopfer in der von Jürgen Hörig moderierten Talkrunde, habe auch er die Idee eines Schorndorfer Mitmachmuseums formuliert. Und dann kam eins zum anderen: In Museumsleiterin Dr. Andrea Bergler war die richtige Projektleiterin gefunden, im Ehepaar Kelch großzügige Geldgeber, die sich für ihre Heimatstadt engagieren wollten, in der Stuttgarter Werbeagentur Milla & Partner ein innovativer Projektentwickler und in den spärlich besuchten Technik-Galerien ein Raum, in dem Neues denkbar war. Und die Rechnung scheint aufgegangen zu sein: Schon zur Eröffnung kann sich die Forscherfabrik über ausgebuchte Experimentierkurse bis zu den Sommerferien freuen. Und nicht nur aus dem Remstal ist Interesse an der gut erreichbaren Forscherfabrik da, es gibt Anfragen aus dem Neckar- und dem Filstal.

Sofort überzeugt: Wolfgang-Kelch-Stiftung

Im Talk mit den Planern und Stiftern kam dann auch Ehrenbürger Wolfgang Kelch zu Wort – und zeigte sich nicht weniger begeistert. Ein Projekt für die Jugend, die er als „unsere Zukunft“ begreift, waren er und seine Frau Helga gleich bereit, zu unterstützen: „Es brauchte keine Überzeugungsarbeit.“ Jetzt übernimmt die Stiftung jährlich mit einem sechsstelligen Betrag einen Teil der Personalkosten – auch, weil die Stifter „etwas zurückgeben wollen an die Gemeinschaft“. Von der Idee, mit weiteren Satellitenstandorten auch irgendwann ein ganzes Netzwerk für Baden-Württemberg als Hochtechnologieland zu knüpfen, ist auch Dr. Wolfgang Hansch, Geschäftsführer der „experimenta“ angetan: Wer sich in jungen Jahren in Schorndorf begeistern lässt, könne als jugendlicher Nachwuchsforscher in Heilbronn weitermachen. Und so wollte Johannes Milla auch weniger einen „Ort der Überwältigung“ gestalten, sondern einen „Ort der Partizipation“, mit dem die Kinder sich identifizieren können – nach dem Motto: „Das hier ist meins“. Inklusive Entwicklungspotenzial: Bei der Eröffnung kündigte Projektleiterin Dr. Andrea Bergler an, dass im Frühjahr in einem ersten Ausbauschritt die vom Land finanzierten Außenexperimente installiert werden und es bis zur Gartenschau eine kleine Filiale im Stadtpark geben wird.

Dass sich die Forscherfabrik in der ehemaligen Verladehalle der Eisenwarenfabrik L. & C. Arnold befindet, daran erinnerte Martin Schmidt, Geschäftsführer der Stadtbau, und verwies auf „das Tolle“ des Raumes: die Größe, die freie Fläche und den stützenfreien Dachstuhl. Auch Architekt Felix Stammler ist mit dem Ergebnis zufrieden: Die schlichte, zurückhaltende Architektur sollte den Raum keinesfalls erschlagen. Selbst das Holz, das für die Dachstühle von drei Einfamilienhäusern gereicht hätte, ist im denkmalgeschützten Raum dezent verbaut. Und Peter Karliczek freut sich über den in seiner Werbeagentur entwickelten Namen „Forscherfabrik“: In ihm – wie in allen Exponaten – komme die Kombination von Ernsthaftigkeit und Spaß zum Ausdruck.

Und nachdem dann die acht Kinderreporter, die den Ausbau der Forscherfabrik von Beginn an begleitet haben, einen von Zuckerbäckerin Esi Jaeger gebackenen Schlüssel überreicht bekamen, hieß es tatsächlich und ganz offiziell: auf die Plätze, Forscher, los.

Das Kursangebot

Für Kindergartengruppen (Alter: vier bis sechs Jahre) hat die Forscherfabrik zwei Experimenta-Kurse für maximal 15 Kinder zu bieten: „Farbenzauber – Wo fängt der Regenbogen an?“ und „Schwimmen und Sinken – Bastel dir ein Fantasie-Wassertier!“

Für die Klassenstufen 1 und 2 (sechs bis acht Jahre) gibt es die Kurse „LUFTikus – Die unsichtbare Superkraft“ und „Hast du Töne? – Geräusche und Musik“ für jeweils 28 Kinder.

Für die Klassenstufen 3 und 4 (acht bis zehn Jahre) gibt es folgende Kurse: „Unter Strom – Da ist Spannung garantiert“ sowie „Wind- und Wasserkraft – Was für eine Mega-Energie!“ für jeweils maximal 28 Kinder.

Für die Klassen 5 und 6 – oder zehn- bis zwölfjährige Kinder – sind die Kurse „Stofftrennung – Schätze aus der Mülltonne“ sowie „Grundlagen der Elektrizität - Volle Power“ für jeweils maximal 32 Kinder geeignet.

Außerdem gibt es Geniuskurse rund um die Mobilität – gesponsert von der jungen Wissens-Community von Daimler: „Das Raketen-Auto – Volle Kraft voraus“ für die Klassenstufen 1 und 2; „Das Zahnradgetriebe – Das läuft ja wie geschmiert“ für die Klassenstufen 3 und 4; „Der Elektromotor – Tanken an der Steckdose“ für die Klassenstufen 5 und 6.

Die Öffnungstermine für angemeldete Schulklassen und Kindergartengruppen sind dienstags bis freitags von 9 bis 13 Uhr. Ansonsten ist die Forscherfabrik dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montag ist Ruhetag. Alle weiteren Informationen gibt es unter www.forscherfabrik-schorndorf.de.

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