Schorndorf Neue Pflastersteine in Fußgängerzone

Teile der Höllgasse wurden (wie im Vordergrund) bereits saniert. Der Rest soll nun auch neue Pflastersteine bekommen. Foto: Gaby Schneider

Schorndorf. Vor drei Jahren wurde der Abschnitt zwischen Unterem Marktplatz und Konstanzer-Hof-Gasse saniert – nun soll der Rest der Höllgasse folgen. In den nächsten zwei Monaten wird dort der in die Jahre gekommene Pflasterbelag erneuert und barrierefrei umgestaltet. Rechtzeitig zur Eröffnung der angrenzenden H&M-Filiale soll die Baumaßnahme beendet sein.

Zahlreiche lose Steine, die beim Auftreten gautschen, Splitt, der von der Abnutzung bereits zermalmt ist, und eine ganze Reihe von Stolperstellen: Der Gang durch die Höllgasse kann für Menschen mit körperlichen Einschränkungen mitunter zu einer ungemütlichen Angelegenheit werden. Zumindest auf weiten Teilen des Abschnitts von der Konstanzer-Hof-Gasse bis zum Kaufhaus Bantel.

Bessere Orientierung für Sehbehinderte

Wer vom Unteren Marktplatz her kommt, hat es da besser. Vor drei Jahren wurde hier bereits barrierefrei, also fußgänger-, rollatoren- und rollstuhlfreundlich saniert. In der Straßenmitte befindet sich dort feiner Naturgranitstein in Anthrazit, am Randbereich etwas gröberer, rötlich schimmernder Porphyrstein. Damit sollen sich Sehbehinderte besser orientieren können. (Das Seniorenforum hat die Steine vorab testen dürfen und für geeignet befunden.) Der mittlere Bereich ist dort leicht abgesenkt und mit einer Drainage versehen worden, um den Pflasterbelag gut zu entwässern und auch die häufig aus Sandstein bestehenden Gewölbekeller der Anlieger vor Nässe zu schützen.

So wie dieser Abschnitt soll nun auch der Rest der Straße saniert werden. In einem ersten Schritt beginnt ab Montag, 5. Februar, die Baumaßnahme zwischen Konstanzer-Hof-Gasse und Moserstraße. Vier Wochen sind laut Herbert Schuck, Fachbereichsleiter Infrastruktur bei der Stadt Schorndorf, dafür eingeplant. In einem zweiten Schritt soll dann der Bereich bis zum Kaufhaus Bantel saniert werden. Spätestens zur für den 22. März angekündigten Eröffnung der H&M-Filiale auf dem ehemaligen Veil-Areal soll die Sanierung abgeschlossen sein.

Baustelle ist problemlos von zwei Seiten befahrbar

Ob der Pflasterbelag bis dahin tatsächlich vollständig erneuert werden kann, hängt allerdings vom Wetter ab. Bleibt der Winter (wie bislang) weiterhin aus, ist das Zieldatum laut Schuck aber realistisch. Bereits im letzten Jahr hätte die Stadt gerne mit der Sanierung begonnen, dann aber kein Bauunternehmen mehr gefunden. Immerhin: Die Pflastersteine sind bereits 2017 erworben worden.

Was die Baumaßnahme zudem erleichtert, ist der Umstand, dass auch der Bereich, in dem die Moserstraße kreuzt, bereits erneuert wurde. Wegen des Schwerlastverkehrs, der dort häufiger unterwegs ist, mit größeren, belastbareren Steinen als im restlichen Bereich. Die Baustelle wird daher problemlos von zwei Seiten befahrbar sein. Im Zuge der Maßnahme sollen auch, wenn möglich, die Zugänge zu den Geschäften barrierefrei erschlossen werden. Vollständige Barrierefreiheit sei jedoch in der Höllgasse mit ihren vielen historischen Gebäuden wahrscheinlich nicht möglich, meint Schuck.

350 000 Euro Kosten sind für die Sanierung veranschlagt

Für die Sanierung der beiden noch fehlenden Abschnitte in der Höllgasse sind Kosten von rund 350 000 Euro veranschlagt, vom Land liegt eine Förderzusage über 166 300 Euro vor.

Weil öffentlicher Raum und Privatgebäude hier direkt aneinander, besteht zudem die Möglichkeit, sich Glasfaserkabel direkt ins Gebäude legen zu lassen. Allerdings müssen die Besitzer dafür 1300 Euro zahlen, was bei einer Anliegerversammlung am Montag bereits moniert worden sei. Wofür Schuck angesichts des relativ hohen Betrags durchaus Verständnis zeigt. Zugleich aber darauf hinweist, dass dies für die Besitzer eine Investition in die Zukunft sei, mit der sie sich einen Wettbewerbsvorteil auf dem Immobilienmarkt verschaffen würden. Das Geld also mit Sicherheit gut angelegt sei. Und die nächste Möglichkeit, sich mit dem schnellen Internet zu verbinden, wohl erst wieder in einigen Jahren böte.

Mit einer Sache immerhin habe er die Anlieger beruhigen können: Während der gesamten Baumaßnahme, verspricht die Stadt, werden die Geschäfte für Fußgänger stets zugänglich sein. Schwierig könnte es höchstens zeitweise für das Kaufhaus Bantel werden, das seinen Zugang für Lastzüge in der Höllgasse hat.

Straße soll für die Gartenschau begrünt werden

Und noch etwas wird sich in den kommenden Monaten hier tun. Mit Blick auf die kommende Gartenschau soll die Straße nämlich begrünt werden. 2019 wird sie, so die Erwartung der Stadt, für Besucher eine der Hauptverbindungen zwischen Marktplatz, Forscherfabrik und Stadtpark sein – die sollte daher optisch auch etwas hergeben. Bäume werden dafür in der schmalen Straße aber nicht eigens gepflanzt. Stattdessen sollen Pflanzenkübel aufgestellt werden. Und im Idealfall übernehmen Anlieger dann die Patenschaft.


Faire Steine

Die Herkunft der Pflastersteine ist keine banale Frage. Denn Naturstein wird oft unter ökologisch fragwürdigen Bedingungen hergestellt. Auch Kinderarbeit, fehlende Schutzausrüstung und Schuldknechtschaft sind bei der Produktion keine Seltenheit.

In diesem Fall hat sich die Stadt für Naturgranitstein aus China und einen Porphyr aus europäischer Herstellung entschieden.

Beide Steinarten sind zertifiziert mit dem „Fair Stone“-Label. Damit wird garantiert, dass die Steine ohne Kinder- und Zwangsarbeit sowie unter Beachtung von Sicherheit und Gesundheit der Arbeiter hergestellt sowie auf den Umweltschutz geachtet wurde.

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