Schorndorf Gefährlicher Volkssport: Verkehrsschilder klauen

Symbolbild. Foto: Schneider / ZVW

Schorndorf. Tunichtgute montieren Schilder ab, klauen Warnleuchten, werfen mobile Ampeln in den Fluss: Immer mehr Klau und Zerstörungswut registrieren Simone und Denis Zander, die in Haubersbronn eine Verkehrssicherungsfirma betreiben. Sie fischen ihre Schilder aus der Rems oder aus Dornengebüsch – und fragen sich zunehmend erbost: Wer tut so was und warum? Das ist gefährlich!

Letztens ist Simone Zander wagemutig in die Rems gestiegen, um ein Verkehrsschild herauszufischen – „und dann bin ich echt wütend geworden“. Nicht nur wegen der nassen Füße und der Plackerei. Was Zanders wirklich aufregt, ist die Gedankenlosigkeit der Leute, die Absicherungen an Baustellen stehlen oder ein Einbahnstraßenschild entfernen. Offenbar verschwenden die Täter nicht den Hauch eines Gedankens an die Folgen: Was kann wohl passieren, wenn ein Einbahnstraßenschild fehlt oder jemand mit 80 in die Baustelle saust, weil ein Möchtegernheld des Nachts das 30er-Schild hat mitgehen lassen?

„Ich würde mir wünschen, dass die Leute mal aufwachen und erkennen, dass das kein Spaß ist. Da kann es um Leben und Tod gehen. Und wenn dann was passiert, ist das Geschrei groß“, sagt Simone Zander. Neulich prahlte jemand auf Facebook damit, eine Baustelle „abgeräumt“ zu haben, erzählt sie. Auf ihren Kommentar dazu reagierte der Betreffende mit Pöbeleien. Wenigstens sprangen andere Facebook-Nutzer Simone Zander zur Seite.

Verkehrssicherung ist in Deutschland streng geregelt

Im März 2016 haben Zanders ihre Firma in Haubersbronn gegründet. Davor war Denis Zander schon viele Jahre in der Branche tätig; heute beschäftigt das Haubersbronner Unternehmen sieben Mitarbeiter. Sie entwerfen Pläne etwa für die Absicherung von Baustellen oder Veranstaltungen, bringen Warnbaken oder Abschrankungen, mobile Ampeln und Schilder vor Ort und übernehmen, sofern der Kunde diesen Teil nicht selbst abdeckt, die Kontrollgänge. 60 bis 80 Baustellen betreuen Zanders; der weit überwiegende Teil der Kunden sind Baufirmen.

Denis Zander wundert’s, dass es für Verkehrssicherung keinen eigenen Ausbildungsberuf gibt. Die Firmen in dieser Branche – mehr als 600 in Deutschland – müssen eine Vielzahl von Vorschriften kennen und einhalten. Nirgendwo sonst in Europa sei dieses Segment – zu Recht – so streng geregelt wie in Deutschland, sagt Denis Zander. Ist der Verkehrszeichenplan richtig umgesetzt, sind die an einer Baustelle nicht mehr gültigen stationären Schilder alle ausgekreuzt, verfügen mobile Verkehrsschilder über die vorgeschriebene Zahl an Fußplatten – das und mehr prüfen die Behörden, bevor der Verkehr um eine Baustelle herum fließen kann.

Wir schikanieren nicht, wir schützen

Zugegeben, so ganz glatt fließt der Verkehr dort oft nicht. Autofahrer reagieren genervt an Baustellen – schon wieder eine neue Ampel, und natürlich zeigt sie Rot. Denis Zander versteht schon, dass man als Autofahrer leicht in Stress geraten kann – aber: „Wir schikanieren niemanden. Wir lenken und leiten den Verkehr – und schützen die Leute.“

Dafür gehen die Sicherungsfirmen hohe Risiken ein: Pro Jahr rechnen jene, die an Autobahnen oder autobahnähnlichen Baustellen arbeiten, mit einem Toten aus ihren Reihen, erzählen Zanders. Sie selbst nehmen keine Aufträge an für Sicherungen an Bundesstraßen oder Autobahnen.

Diebe werden nur ganz selten erwischt

Sicherheitsfragen stellen sich lange bevor eine Verkehrssicherungsfirma zur Tat schreitet. Warnbaken oder anderes Material durchläuft aufwendige Prüfungen, sonst erhalten die Hersteller keine Zulassung für den Einsatz an Baustellen. Eine Bake muss umknicken, sollte jemand dagegenfahren – aber sie darf nicht als Wurfgeschoss durch die Gegend fliegen. Aus demselben Grund sind Warnleuchten fest mit Sicherungseinrichtungen verschraubt. Mit roher Gewalt schaffen es Vandalen dennoch leider oft genug, die Warnleuchten zu entfernen.

Nur ganz selten werden Diebe oder zerstörungswütige Zeitgenossen erwischt, weiß Denis Zander aus Erfahrung. Er zeigt schon gar nicht mehr jeden Fall an. Für Schäden kommen die Baufirmen auf, die das Sicherungsmaterial angemietet haben. Nachts zum Einsatz kommt indes Denis Zander: Eine zerstörte Ampel muss gleich repariert werden, das könnte sonst böse enden.

Beliebtes Geschenk

Bei Dieben besonders beliebt sind die runden Geschwindigkeitsbeschränkungs-Schilder. Ein 30er- oder 50er-Schild als Geschenk bei runden Geburtstagen – das halten manche für eine besonders witzige Idee. Geklaute Stoppschilder wurden schon zu Tischen umfunktioniert, berichtet Denis Zander, und manch ein Zeitgenosse erhellt des Nachts seinen Garten mit Warnleuchten von der Baustelle.

Andere beschmieren Schilder mit Schriftzügen oder sonstigem Kram. Die reflektierende Folie auf solchen Schildern ist dann hinüber; „das kriegst du nicht mehr weg.“


Geburtstagsschild

Wer ein Verkehrsschild zum Geburtstag verschenken möchte – beliebt sind die 30er- und 50er-Geschwindigkeitsbegrenzungen – muss sich nicht am Straßenrand bedienen. Simone und Denis Zander bieten Privatkunden solche Schilder an – auf Wunsch mit persönlicher Gravur.

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