Schorndorf Handy gesucht, Unfall gebaut – 2100 Euro Strafe

Besser nicht: Mobil telefonieren im Auto kann sehr gefährlich sein. Foto: Schneider/ZVW, Archivbild

Schorndorf/Plüderhausen. Auch wenn er nicht telefoniert hat, allein das Kramen nach dem Handy in der Hosentasche hat einen 50-jährigen Bäckermeister so abgelenkt, dass er in der Plüderhäuser Bahnunterführung in einen entgegenkommenden Audi gekracht ist. Im Amtsgericht gab’s dafür eine Geldstrafe von 2100 Euro wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Eine Platzwunde am Kopf und bei der Audifahrerin die Schulter geprellt plus HWS-Schleudertrauma, außerdem sind beide Autos Schrott – für den 50-jährigen Bäckermeister ist die Lehre aus diesem Unfall klar: Vom Handy lässt er im Auto künftig die Finger. Das war an einem Morgen im Mai noch anders. Als er um kurz nach 7 Uhr von der Bäckerei in Lorch erst zur Filiale nach Plüderhausen unterwegs war und dann auch noch nach Waldhausen fahren sollte, wollte er in der Backstube anrufen, damit jemand das Brot aus dem Ofen holt. Doch allein das Kramen nach dem Handy in der Hosentasche hat ihn so abgelenkt, dass er die Kontrolle über sein Auto verlor.

Erklärt sich der Bäckermeister den Zusammenstoß auch damit, dass beide Autos wohl „etwas weit in der Mitte“ gefahren sind, stellt sich die Lage aus Sicht der Unfallgegnerin ganz anders dar – und Fotos vom Unfallort belegen dies auch. Richterin Petra Freier gab die Aussage der Audifahrerin in der Amtsgerichtsverhandlung wieder: Bevor’s gekracht hat, sei er schon mehrmals auf die Gegenfahrbahn gekommen, habe auf Lichthupen und Hupgeräusche nicht reagiert und stattdessen mehrmals beim Fahren nach unten geblickt. Das hätte noch schlimmer ausgehen können: „Lass’ das einen Fahrradfahrer sein“, räumte der Staatsanwalt in der Verhandlung sein, „der isch heh.“ Das ist dem Angeklagten auch durchaus bewusst: Gleich nach dem Unfall hatte er sich bei der verletzten Audifahrerin entschuldigt, sich danach telefonisch nach ihrem Befinden erkundigt und im Gericht seine Schuld auch ohne Umschweife eingeräumt.

Dass er dennoch Einspruch gegen den Strafbefehl – und damit gegen das einmonatige Fahrverbot – einlegte, hat berufliche Gründe: Der Bäckermeister wohnt in Korb und arbeitet in Lorch. Schichtbeginn ist um 1 Uhr. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu kommen: keine Chance. Das zu berücksichtigen – und dass die Arbeitskraft in der Bäckerei dringend gebraucht wird – darum bat sogar der Chef des Angeklagten das Gericht in einem Schreiben.

Ein Chauffeur wäre günstiger

Und tatsächlich kann ein Fahrverbot – im Härtefall – in eine Geldstrafe umgewandelt werden. Ob er aber nicht lieber zwei Wochen Urlaub nehmen und sich dann einen Chauffeur leisten wolle: „Das kommt Sie vielleicht günstiger“, darauf wies der Staatsanwalt den Angeklagten in der Verhandlung hin. Dem Bäckermeister war die höhere Geldstrafe – 2100 Euro statt 900 Euro plus Fahrverbot – aber lieber. Und so folgte Richterin Petra Freier dem Wunsch des Angeklagten und verurteilte ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 35 Tagessätzen à 60 Euro. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

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