Schorndorf Kamin-Sprengung schafft Platz für Wohnraum

Auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal in Schorndorf ist am Freitagnachmittag (27.09.) ein 38 Meter hoher Kamin gesprengt worden. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf. Die letzte Kaminsprengung – nur langgediente städtische Mitarbeiter wie Manfred Beier erinnern sich noch daran – war 1974 die auf dem Ziegele-Gelände zwischen Schorndorf und Weiler. Jetzt gab’s wieder einmal so ein Schauspiel: Am Freitagnachmittag ziemlich um 15 Uhr wurde der 38 Meter hohe Turm auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal gesprengt, auf dem die Firma Bonava bis 2022 rund 130 neue Miet- und Eigentumswohnungen baut. Es war ein Sekunden-Schauspiel.

Hildegard Merkle ist eine erfahrene Sprengmeisterin. Seit sie sich in diesem Metier in Uttenweiler bei Biberach selbstständig gemacht hat – zuvor hatte sie mit ihrem damaligen Mann ein Tiefbaugeschäft geführt –, hat sie gemeinsam mit ihrem Team schon rund 3000 Sprengungen durchgeführt. Trotzdem ist auch für sie die Sprengung eines solchen Kamins, von denen es nicht mehr allzu viele gibt, „was ganz Besonderes“. Bei so einer Sprengung – im Fachjargon „Fallrichtungsssprengung mittels Fallschlitzmethode“ – seien es „die Muggaseggala“, auf die es ankomme, sagte die Sprengmeisterin in ihrem rustikal-sympathischen oberschwäbischen Dialekt wenige Stunden vor der Sprengung. Weil trotz aller noch so gewissenhafter Vorbereitungen – sie habe ein Sprengkonzept „wie für einen Erstklässler“ aufgeschrieben, sagte Hildegard Merkle –, die sich über mehrere Tage hingezogen haben, immer „ein gewisses Restrisiko“ bleibe. Wenn so ein Kamin zum Beispiel im Innern nicht mehr ganz so stabil sei wie vermutet, könne es schon mal passieren, dass er etwas anders falle als vorausberechnet. Aber am Nachmittag ist dann alles planmäßig gelaufen: Zwei Signaltöne ein dumpfer Knall, und innerhalb weniger Sekunden lag der geknickte Kamin Punkt 15 Uhr am Boden. Und der Regen tat ein Übriges, die Staub- und Rußwolke zu ersticken.

3,2 Kilogramm Sprengstoff, verteilt auf 34 Bohrlöcher

In diesem Fall war die Fallrichtung zur Olgastraße hin ausgerichtet, weshalb der Gebäuderiegel entlang der Olgastraße sicherheitshalber erst einmal stehengeblieben war, damit der während der Sprengung gesperrte Straßenbereich und die angrenzenden Bereiche vor möglichen Streuwirkungen geschützt waren. „Aber ich habe ein gutes Bauchgefühl“, sagte Hildegard Merkle, die das, was wenige Stunden später passieren sollte, so beschrieben hat: „Nach der Sprengung bekommt der Kamin ein bis zwei Knicke – und dann fällt er um und raucht ein letztes Mal.“ Wobei ihm extra ein Fallbett, bestehend aus Bauschutt, Pressstrohballen, Geotextilplanen und Straßenvlies, ausgelegt worden war, damit die Aufprallerschütterung gedämpft und der Streuflug eingedämmt werden konnten. Gesprengt wurde übrigens mit einer Gesamtlademenge von circa 2,3 Kilogramm, die auf 34 Bohrlöcher verteilt worden waren. Nur über den Zünder wollte die Sprengmeisterin nichts sagen, weil da bei den falschen Leuten falsche Begehrlichkeiten geweckt werden könnten.

Der Rückbau der alten Bestandsgebäude läuft seit dieser Woche und wird noch bis in den November andauern. Dann folgen die Erdarbeiten, so dass voraussichtlich im Frühjahr mit dem Neubau gestartet werden kann, teilt die Firma Bonava in einer Pressemitteilung mit. „Wir rechnen insgesamt mit etwa zwei Jahren Bauzeit für das gesamte Quartier. Läuft alles wie geplant, können die ersten Bewohner aber schon zum Jahresende 2021 in ihr neues Zuhause einziehen“, wird Bonava-Projektleiter Manuel Junker in der Pressemitteilung zitiert.

96 Eigentums- und 35 Mietwohnungen

Das von Architekten aus Schorndorf geplante Quartier, das zunächst unter dem Arbeitstitel „Bismarck-Quartier“ firmierte und jetzt offiziell „Im Mühlenviertel“ heißt, umfasst insgesamt fünf Mehrfamilienhäuser mit 96 Eigentums- und 35 Mietwohnungen. An der Olgastraße wird zudem voraussichtlich eine Bäckerei mit Café einziehen. Unterhalb des Ensembles entsteht eine zentrale Tiefgarage mit 129 Pkw-Stellplätzen. Weitere Parkflächen, unter anderem mit Elektroladepunkten für Car-Sharing-Fahrzeuge, sind im Außenbereich der Häuser vorgesehen.

Der Mietwohnungsteil wurde bereits an die Stadtbau Schorndorf veräußert, die hier bezahlbaren Wohnraum nach dem Wohnraumversorgungskonzept der Stadt Schorndorf anbieten möchte. Dabei handelt es sich Stadtbau-Geschäftsführer Schmidt zufolge um insgesamt 35 Wohneinheiten, die entweder günstig vermietet oder vergleichweise günstig verkauft werden sollen.

Das geplante Quartier wird laut Bonava-Pressemitteilung, „von großzügigen Grünflächen geprägt und soll eine aktive Nachbarschaft fördern. So wird es nicht nur einen Urban-Gardening-Bereich geben, in dem die künftigen Bewohner gemeinsam Gemüse, Obst und Kräuter anpflanzen können, auch zahlreiche Sitzmöglichkeiten und Spielgeräte im Außenbereich sind als Begegnungspunkte der Bewohner eingeplant. Ein zentraler Gemeinschaftsraum samt Küche soll zu gemeinsamen, nachbarschaftlichen Aktivitäten einladen.“ Weitere Wohnungen und Häuser des deutsch-schwedischen Unternehmens Bonava entstehen derzeit auch in Metzingen, Leinfelden-Echterdingen, Schwaikheim und Remseck.


Wohnungen werden bereits verkauft

Der Verkauf der Bonava-Eigentumswohnungen hat bereits begonnen. Die Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen sind zwischen 53 und 169 Quadratmeter groß und verfügen jeweils über einen großen Balkon, eine Dachterrasse oder im Erdgeschoss über einen Gartenanteil.

Alle vier Obergeschosse der geplanten Häuser sind bequem per Aufzug erreichbar.

Nähere Details zum Quartier und den verfügbaren Eigentumswohnungen erhalten Interessenten unter der kostenfreien Rufnummer 0800/6 70 80 80 oder jederzeit online unter bonava.de/muehlenviertel.

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